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Neue Hetzpredigten von Abu Ramadan aufgetaucht

In einer Predigt hetzt der Bieler Imam gegen Juden. Und es gibt weitere Belege dafür, wie er Hass gegen andere Religionsgemeinschaften schürt.

Hassprediger Abu Ramadan in der Bieler Moschee.
Hassprediger Abu Ramadan in der Bieler Moschee.

Der Bieler Hassprediger Abu Ramadan hat nicht nur einmal gegen Ungläubige und Andersdenkende gehetzt. Redaktion Tamedia liegen inzwischen mehrere Mitschnitte und Videos von Freitagspredigten vor, in denen der libysche Frührentner, der in der Gemeinde Nidau bei Biel lebt, zum Beispiel den Feinden der Religion den Tod wünscht oder antisemitische Klischees verbreitet.

Redaktion Tamedia hatte dem langjährigen Sozialhilfeempfänger Ende August vorgeworfen, Allah in einer Predigt um die Vernichtung von Juden und Christen gebeten zu haben. In einem Interview mit Redaktion Tamedia sagte Abu Ramadan dazu, die fragliche Stelle sei falsch übersetzt worden. Er habe Gott nur gebeten, die Feinde der Religionen, die von Abraham abstammten, zu «übernehmen». Damit habe er die sogenannten Buchreligionen, also Judentum, Christentum und Islam, gemeint. Dabei handelt es sich allerdings um eine Schutzbehauptung, wie aus dem Kontext der damals publizierten Zitate hervorgeht.

Eine andere Predigt zeigt Ähnliches. Auch dort spricht Abu Ramadan keineswegs von Juden, Christen und Muslimen gemeinsam. Vielmehr zieht er eine Trennlinie zwischen gläubigen Muslimen und Feinden des Islam. In diesem Zusammenhang verwendet Abu Ra­madan auch klar das Wort «vernichten». «O Gott», betet er, «mache den Islam und die Muslime stark und demütige die Beigesellung und die Beigeseller, vernichte die Feinde meiner Religionsgemeinschaft und der Religion, o Gott, verleihe deinen unterdrückten Dienern an jedem Ort den Sieg, o Gott, verleihe ihnen den Sieg im Irak, in Syrien, im Jemen, in Palästina, in Ägypten, in Libyen, o Herr der Welten!»

Video: «Dieser Imam ist sehr schlau»

Kurt Pelda recherchierte die Geschichte von Hassprediger Abu Ramadan, der 600'000 Franken Sozialhilfe bezog. Was hat er dabei erlebt? Wo stiess er an? Das Video-Interview.

Der Bittruf stammt aus einer Predigt, die Abu Ramadan im November vor einem Jahr in der libyschen Hauptstadt Tripolis hielt. Professor Reinhard Schulze, Islamwissenschafter an der Universität Bern, merkt dazu an, dass der zitierte Mitschnitt stark an ein Bittgebet auf der wahhabitischen Website www.alminbar.net erinnere. Darin verwendet Abu Ramadan den abschätzigen Begriff «Beigeseller». Ultraradikale Islamisten wie die Terroristen des Islamischen Staats (IS) meinen damit manchmal auch Christen. Ihnen werfen sie vor, neben Gott noch das Kreuz und Jesus anzubeten, dem einzigen Gott also Götzen «beizugesellen».

Die Frage, ob Abu Ramadans Wunsch nach Vernichtung der Juden und Christen gegen die Rassismus-Strafnorm verstiess, ist derzeit Gegenstand von Abklärungen der Bieler Staatsanwaltschaft. Unabhängig davon hat das Bundesverwaltungsgericht dem Libyer kürzlich den Asylstatus entzogen. Grund waren die zahlreichen Reisen des Imams nach Libyen gewesen, über die Redaktion Tamedia ebenfalls berichtete.

Er sagt, sein Bittgebet richte sich an die Feinde der Muslime.

In seiner Fürbitte in der Predigt von Tripolis macht sich Abu Ramadan unter anderem für Allahs «unterdrückte Diener» im Irak stark. Wen er damit wohl meint? Die irakischen Schiiten, die Bevölkerungsmehrheit, wohl kaum, denn sie gelten in seinen Kreisen als Verräter am Islam. Die irakischen Kurden sind zwar mehrheitlich Sunniten wie Abu Ramadan, doch leben sie offensichtlich nicht nach der Scharia, dem göttlichen Recht, das für Abu Ramadan Richtschnur aller Dinge ist. Wie hiess es doch in einer seiner Predigten? Alles, was nicht der Scharia entspreche, sei korrupt und daher abzulehnen. Da bleibt im Irak nur noch die Minderheit der arabischen Sunniten.

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Wünscht Abu Ramadan ihnen die Oberhand über die Schiiten und Kurden, so wie es früher unter dem brutalen Dik­tator Saddam Hussein war? Auf Anfrage von Redaktion Tamedia schreibt Abu Ramadan, dass er sich nur für unterdrückte Muslime im Irak und in anderen Ländern einsetze, die unter Krieg oder despotischen Regimes litten. Sein Bittgebet richte sich an die militärischen Feinde der Muslime, die dem Islam oder den genannten Ländern schaden wollten.

Dass Abu Ramadan gewissen Jihadisten nahesteht, lässt sein Bittruf in einer libyschen Predigt vermuten: «O Gott, hebe die Belagerung unserer Brüder, der Belagerten von Benghazi, auf. (. . .) O Gott, ergiesse über sie das Gute (. . .), o Gott, öffne ihnen die Grenzen und die Schranken, o Gott, zerzause sie nicht, o Gott, lass sie Geduld haben bezüglich dessen, was ihnen zuteilwurde.» Als er dies predigte, wurde im ostlibyschen Benghazi eine Allianz von Jihadisten belagert. Zu den eingeschlossenen Kämpfern gehörten auch Terrorgruppen wie der IS und Ansar ash-Sharia.

Jihadisten oder Zivilisten?

Auch die Belagerer, Kämpfer des Warlords Khalifa Haftar, agierten skrupellos. Gegen einen von Haftars Untergebenen, der an Benghazis Belagerung beteiligt war, hat der Internationale Strafgerichtshof in Den Haag inzwischen einen Haftbefehl wegen Kriegsverbrechen erlassen. Abu Ramadan betont in seiner Stellungnahme, dass er nicht für Jihadisten, sondern nur für die belagerten Zivilisten Fürbitte eingelegt habe.

Video: Redaktion Tamedia-Reporter interviewte Abu Ramaden Ende August

«Abu Ramadan war beim Interview nervös»: Journalist Thomas Knellwolf.

Islamkritikerin Saïda Keller-Messahli hatte dem 64-Jährigen, den Anhänger als «Scheich» verehren, im «Bieler Tagblatt» vorgeworfen, Gott um Schutz von Al-Qaida- und IS-Kämpfern gebeten zu haben. Darauf zeigte der Frührentner Keller-Messahli an, wie der «SonntagsBlick» berichtete. Die Islamkritikerin hält aber an ihrer Darstellung fest.

Abu Ramadan macht auch nicht vor uralten antisemitischen Klischees halt. In einer Predigt, die er in Biel gehalten hat, hat er rhetorisch gefragt, wie gross auf der Welt die Korruption der Juden sei. Seine Antwort dazu: so gross, dass sie gar nicht zu ermessen sei. Die Juden hätten Propheten getötet und den Sinn der Bibel verdreht. Wer kontrolliere denn das Geld und das Kapital der Welt? Es seien die Juden, und Allah habe ihnen diesen Wohlstand nur verliehen, um die Muslime zu prüfen.

Auf Anfrage bestätigt Abu Ramadan diese Darstellung, zumindest indirekt, mit Verweis auf den Koran. Tatsächlich hätten die Juden ihren Reichtum nicht den eigenen Leistungen zu verdanken, sondern dieser sei eine Gabe Allahs.

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