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Urner Justiz muss im Fall Walker über die Bücher

Dem Erstfelder Barbetreiber wird unter anderem vorgeworfen, vor seinem Lokal auf einen Gast geschossen zu haben. Vor dem Bundesgericht erzielte Ignaz Walker jetzt einen Teilerfolg.

Hiess die Beschwerde in zwei Punkten gut: Das Bundesgericht in Lausanne. (Archivbild)
Hiess die Beschwerde in zwei Punkten gut: Das Bundesgericht in Lausanne. (Archivbild)
Keystone

Das Bundesgericht hat die Beschwerde des wegen Tötungsdelikten angeklagten Barbetreibers Ignaz Walker aus Erstfeld UR in zwei Punkten gutgeheissen: So darf das Urner Obergericht bei der Neubeurteilung des Falles eine DNS-Spur nicht verwenden, und es muss weitere Anstrengungen unternehmen, um einen Hauptbelastungszeugen ausfindig zu machen.

Der Barbetreiber soll im Januar 2010 ausserhalb seines Lokals auf einen Gast geschossen haben. Zudem wird ihm vorgeworfen, er habe die Ermordung seiner Ehefrau in Auftrag gegeben. Diese wurde im November 2010 durch drei Schüsse lebensgefährlich verletzt.

Das Urner Obergericht verurteilte den Erstfelder im September 2013 wegen versuchter vorsätzlicher Tötung und versuchten Mordes zu einer Freiheitsstrafe von 15 Jahren. Der Auftragsmörder wurde zu achteinhalb Jahren Haft verurteilt. Dieser Entscheid ist rechtskräftig.

Das Bundesgericht hat nun in seinem Entscheid zwei Punkte einer Beschwerde des Angeklagten gutgeheissen. Sie betreffen beide die erste Tat vom Januar 2010.

Unauffindbarer Zeuge

So hätte das Obergericht das Opfer als Hauptbelastungszeugen zur Verhandlung vorladen müssen, um sich einen unmittelbaren Eindruck von seinen Aussagen machen zu können. Grund dafür ist unter anderem, dass die Aussage den Ausgang des Verfahrens beeinflussen kann.

Bezüglich der Richtung des vom Barbetreiber abgegebenen Schusses steht Aussage gegen Aussage. Vor der ersten Instanz war der Hauptbelastungszeuge nicht erschienen, und er war auch danach nicht mehr auffindbar. Das Bundesgericht hält fest, dass der Zeuge für eine gewisse Zeit zur Fahndung hätte ausgeschrieben werden müssen.

Sollte der Zeuge nicht mehr befragt werden können, darf das Obergericht dessen vorher gemachte Aussagen verwerten. Jedoch muss es besonders sorgfältig begründen, weshalb der Barbetreiber der Schütze gewesen sein soll.

Bezüglich der Schussrichtung müsse gemäss dem Grundsatz «im Zweifel für den Angeklagten» allenfalls von einem weniger schwerwiegenden Sachverhalt ausgegangen werden. Erstinstanzlich war der Erstfelder für diese Tat nur wegen Gefährdung des Lebens verurteilt worden.

Zweifelhafte DNS-Spur

Das Bundesgericht hat zudem entschieden, dass die DNS-Spur des Angeklagten auf der Patronenhülse nicht als Indiz verwendet werden darf. Es besteht eine erhebliche Unsicherheit, zu welchem Zeitpunkt die DNS auf die Hülse gelangt ist.

Ein Gutachten des Forensischen Instituts der Kantonspolizei Zürich besagt, dass ein Überleben der DNS während der Schussabgabe nur bei starker Kontamination möglich sei. (Urteil 6B_529/2014 vom 10.12.2014)

SDA/ajk

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