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US-Raketensystem ist zu gross für Schweizer Strassen

Zwei Milliarden Franken soll das neue Luftabwehrsystem kosten. Die Amerikaner wollen liefern – doch ihre LKW sind zu gross für Schweizer Strassen.

Gut für die Wüstenpiste, aber nicht für den Sustenpass: Lastwagen der Marke Oshkosh mit dem US-Abwehrsystem Patriot. Foto: Getty Images
Gut für die Wüstenpiste, aber nicht für den Sustenpass: Lastwagen der Marke Oshkosh mit dem US-Abwehrsystem Patriot. Foto: Getty Images

Im laufenden Wettbewerb um einen Zwei-Milliarden-Auftrag der Schweizer Armee stehen die zwei Abwehrsysteme Patriot des US-Herstellers Raytheon und die SAMP/T-Plattform von Eurosam aus Frankreich. Im Herbst gab es bei den Anbietern rote Köpfe, denn ihnen wurde klar, dass sie ihre Abwehrsysteme den Schweizer Verhältnissen anpassen sollen, namentlich was den Lastwagen betrifft. Gerade die Amerikaner gingen offenbar davon aus, dass ihr für Alpenstrassen überdimensionierter Lastwagen der Marke Oshkosh auch für die Schweiz gut sei. Doch dem ist nicht so.

Im Evaluationsverfahren kam es deshalb zwischen Armasuisse und einer hohen Delegation des US-Anbieters Raytheon zum Disput. Die Amerikaner weigerten sich anfänglich, ihr Patriot-Abwehrsystem an andere Lastwagen anzupassen als die ihrigen. Dies bestätigen zwei voneinander unabhängige Quellen.

Hierzulande unbekannt

Offenbar hätten die Amerikaner die Anforderung von Armasuisse anfänglich in den Wind geschlagen. Diese verlangten, dass die Systeme bezüglich Mobilität den Schweizer Verhältnissen angepasst sein müssten. Trotzdem offerierten sie der Schweiz jene riesigen Lastwagen, wie sie auch bei der US-Armee im Einsatz sind, wie sie im Irakkrieg auf Wüstensand zu sehen waren oder wie sie neuerdings in Polen (gegen Russland) gerichtet stehen.

Konkret handelt sich beim US-Lastwagen um die hierzulande kaum bekannte Marke Oshkosh. Das Ungetüm mag mit seinen Ausmassen und dessen 500-PS-Caterpillar-Dieselmotor zwar manchem Chauffeur das Herz höherschlagen lassen. Doch es passt kaum auf enge Schweizer Autobahnen, geschweige denn auf schmale Passstrassen.

Der Lastwagen ist deutlich breiter als hierzulande erlaubt, kleinere Tunnels würden zum undurchdringbaren Hindernis. Und Verschiebungen der dereinst modern ausgerüsteten Schweizer Luftabwehrverbände hätten stets durch Patrouillen der Polizei oder der Militärpolizei begleitet werden müssen. Die Verkehrsregelnverordnung hätte zudem für Verschiebungen eine schriftliche Behördenbewilligung erfordert. Das alles wäre zu umständlich, war man sich bei der Armee und bei der Armasuisse deshalb einig.

Armasuisse bestätigt Vorgaben

Armasuisse machte im Laufe des Auswahlverfahrens konkrete Vorgaben. Und zwar an beide Anbieter. Die Rüstungsbehörde schrieb genau vor, welcher Lastwagen die Boden-Luft-Abwehrsysteme in der Schweiz verschieben soll. Demnach sollte es sich beim neuen Bodluv-Lastwagen um einen der Marke Iveco handeln. Iveco ist heute der Standardlastwagen der Schweizer Armee und passt entsprechend auf Schweizer Strassen. Für die Franzosen bedeutet die Vorgabe, keine Renault-Lastwagen in die Schweiz liefern zu können, und für die Amerikaner keine Oshkosh-Lastwagen.

Armasuisse-Sprecher Kay-Gunnar Sievert bestätigt auf Anfrage, diese Vorgabe gemacht zu haben, und sagt, deren Ziel sei «eine möglichst grosse Konformität mit den Gegebenheiten des Schweizer Strassenverkehrs und mit der aktuellen Fahrzeugflotte der Schweizer Armee».

Dass die Anbieter über die Vorgabe zum Lastwagentyp wenig erfreut waren, ist für die angefragten Insider verständlich. Denn Änderungen an bestehenden Waffensystemen bedeuten einigen Zusatzaufwand für die Anbieter. Und unter dem Strich macht die Berücksichtigung von Schweizer Sonderwünschen einen Deal auch teurer. Dies wird auch hier der Fall sein, prophezeit einer der Kenner.

Einfachere Logistik

Andersrum ist die Schweizer Sonderlösung nachvollziehbar. Denn zur mangelhaften Mobilität kommt ein weiterer Grund: Wenige Lastwagen einer amerikanischen Spezialmarke würden die Schweizer Armeelogistik verkomplizieren. Spezielle Ersatzteile müssten extra gekauft werden. Und Schweizer Mechaniker müssten am neuen Lastwagentyp ausgebildet werden, obwohl es davon hier nur wenige Stück gäbe.

Eurosam- und Raytheon-Vertreter haben am 10. Januar die zweite Offertanfrage der Schweiz entgegengenommen. Im August dieses Jahres sollen die beiden Anbieter ihre zweiten Offerten abgeben. Dann wird armee-intern klar, zu welchen Preisen die Verkäufer ihr Gerät anbieten, das auf wendigere Schweizer Armeelastwagen gepackt werden muss.

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