Vatikan widerspricht Bischof Huonder

Sein geplanter Alterswohnsitz bei den Piusbrüdern sorgt für eine neue Kontroverse.

Der Pressestelle des Heiligen Stuhls kein offizieller Auftrag der Glaubens­kongre­gation an Vitus Huonder bekannt: Der Bischof von Chur 2016 zu Besuch bei Papst Franziskus.

Der Pressestelle des Heiligen Stuhls kein offizieller Auftrag der Glaubens­kongre­gation an Vitus Huonder bekannt: Der Bischof von Chur 2016 zu Besuch bei Papst Franziskus. Bild: Keystone

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Im Januar berichteten verschiedene Medien, Vitus Huonder wolle sich nach seinem Rücktritt als Churer Bischof ins Knabeninstitut der Piusbrüder in Wangs SG zurückziehen. Huonders Sprecher Giuseppe Gracia erklärte damals, der Wohnortswechsel stehe im Zusammenhang mit dem Auftrag der römischen Glaubenskongregation an Huonder, den Kontakt mit der Piusbruderschaft aufrechtzuerhalten.

In einem Rundmail doppelte Generalvikar Martin Grichting nach, der von Rom 2016 bestätigte Auftrag sei nicht an das Bischofsamt gebunden und zeitlich nicht beschränkt. An dieser Darstellung wurden jedoch alsbald erhebliche Zweifel laut.

Die Politsendung «Rundschau» hat im Vatikan konkret nachgefragt und berichtet heute Abend über den Fall: Demnach ist der Pressestelle des Heiligen Stuhls kein offizieller Auftrag der Glaubens­kongre­gation an Bischof Huonder bekannt, um den Kontakt mit der Priesterbruderschaft St. Pius X. zu halten.

Aussage gegen Aussage

Seit 2016 hat sich die Situation zudem grundlegend geändert: Papst Franziskus hat einen neuen Präfekten der Glaubenskongregation ernannt und die für die Kontakte zu den Piusbrüdern ­zuständige Kommission Ecclesia Dei aufgelöst. Gracia indes hält gegenüber dieser Zeitung daran fest, dass Huonders Auftrag seitens des Vatikans weiterlaufe. Somit steht Aussage gegen Aussage.

Auch im Bistum St. Gallen, wo sich Huonder niederlassen will, weiss man nichts von einem solchen Auftrag: Der Kanzler des Bistums St. Gallen, Claudius Luterbacher, erklärt, das Bistum habe keine Meldung erhalten, dass es für Huonder einen offiziellen Auftrag gebe.

In einer Kolumne vom 5. April behauptet wiederum der als Holocaust-Leugner bekannt gewordene (inzwischen ausgeschlossene) Piusbischof Richard Williamson, Huonder werde sich nicht in der Schule der Bruderschaft in Wangs niederlassen.

Umstrittene Bruderschaft

Dazu Gracia: «Das ist Unsinn und pure Spekulation.» Aus dem Generalhaus der Piusbrüder in Menzingen wiederum heisst es, Huonders Umzug verzögere sich und werde auf einen unbestim­mten Zeitpunkt verschoben. Gracia zufolge hat das jedoch nur damit zu tun, dass das Datum der Wahl eines neuen Bischofs noch nicht feststehe.

Die Nachricht von der Wahl des Alterswohnsitzes im Wangser Knabeninstitut hatte von Anfang an Kritik und Empörung ausgelöst. Schliesslich steht die vom schismatischen Erzbischof Marcel Lefebvre gegründete Piusbruderschaft in offenem Widerspruch zur katholischen Lehre und leugnet zentrale Dokumente zur Ökumene, Glaubensfreiheit, zur Stellung der Juden und zur Liturgie.

Der Schweizer Jesuitenprovinzial Christian Rutishauser sagt gegenüber der «Rundschau», die Piusbruderschaft sei eine häretische, ausserhalb der katholischen Kirche stehende Institution mit eindeutig antijudais­tischer Stossrichtung.

(Redaktion Tamedia)

Erstellt: 10.04.2019, 09:00 Uhr

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