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Verbot von Junkfood-Werbung: Das schlägt dem Werber auf den Magen

Der Konsumentenschutz sieht die Gesundheit von Kindern in Gefahr und will die Werbung für zu süsse, zu fette oder zu salzige Lebensmittel verbieten. Werbung und Wirtschaft reagieren genervt.

Geht es nach dem Schweizer Konsumentenschutz, sollen TV-Spots für Junkfood zwischen 6 und 21 Uhr nicht mehr ausgestrahlt werden dürfen. Auch Marketing über neue Medien, Werbung an Schulen, Geschenke und Spielzeuge will die Konsumentenorganisation untersagen. Die Begründung: Die Bemühungen der Eltern, gesunde Lebensmittel zu wählen, würden durch die enormen Marketing-Budgets der Firmen sabotiert. «Im Kampf gegen das Übergewicht haben diese Massnahmen präventiven Charakter», sagt Simonetta Sommaruga, Stiftungsratspräsidentin gegenüber der SonntagsZeitung.

Alles Quatsch, tönt es aus der Schweizer Werbewirtschaft: «Das ist ein Witz», findet Piero Schäfer vom Verband Schweizer Werbung. «Mit Werbeverboten versucht man, den einfachsten Weg zu gehen. Das macht vielleicht auf den ersten Blick Sinn, führt aber zu einer fatalen Entwicklung.» Alles, was schädlich sei, versuche man heutzutage über Werbeverbote einzudämmen. «Werbeverbote machen süchtig. Auf Dauer zerstören sie aber die Werbe- und die Medienindustrie.»

Dabei ist Schäfer «grundsätzlich der Meinung, dass Werbeverbote nichts bringen.» Viel sinnvoller sei es, an die Selbstverantwortung zu appellieren oder zu ausreichender Bewegung oder gesunder Ernährung aufzufordern.

«Bevormundung des Konsumenten»

Natürlich wehren sich auch die Produzenten gegen ein mögliches Verbot. «Wir sind klar der Ansicht, dass die Verantwortung hier bei der Industrie liegt», sagt Nicole Schöwel, Communications Manager McDonald's Schweiz. McDonald's habe alles unternommen, um die Konsumenten zu informieren. Menüs und Rezepturen seien angepasst worden, die Nährwerte klar deklariert und vermehrt würden auch Wasser und Orangensaft statt Cola beworben. «Wir setzen auf eine breitere Angebotsauswahl und Transparenz», so Schöwel. Ein Werbeverbot käme in ihren Augen «einer Bevormundung des Schweizer Konsumenten» gleich. Die Chancen, dass sich ein Werbeverbot durchsetzen könnte, schätzt sie darum auch als gering ein.

Nachhaltiger Effekt

Ob realistisch oder nicht, wie effektiv wäre überhaupt ein Werbeverbot? «Es ist nicht sicher, dass es einen Zusammenhang gibt zwischen der Werbung und dem Konsum von Junkfood», sagt Christian Fichter, Wirtschaftspsychologe an der Universität Zürich und Experte für Werbewirkung. Zwar konnte in einer US-Studie nachgewiesen werden, dass Kinder im Vorschulalter Produkte von McDonald's bevorzugen, wenn sie die Wahl haben. In seiner eigenen Studie, in der Schweizer Kinder identische Pommes Frites und Rüebli in unterschiedlicher Verpackung – darunter eine mit dem McDonald's-Logo – vorgesetzt bekamen, konnte Fichter jedoch keine signifikante Präferenz nachweisen.

Dennoch ist er überzeugt: «Werbemassnahmen haben einen nachhaltigen Effekt.» Er will deshalb die Studie andernorts wiederholen – und ist sich sicher, dass dann das Resultat anders ausfallen wird. «Wir Konsumenten denken immer, wir würden uns von der Werbung nicht beeinflussen lassen. Das stimmt nicht.» Fichter findet die Forderung nach Werbeverboten darum richtig – auch aus einer wirtschaftlich liberalen Perspektive: «Selbstverantwortung ja, aber kombiniert mit der Kontrolle durch den Staat.»

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