Verdacht auf Nötigung: Untersuchung gegen GC-Fans

Den Spielabbruch provoziert und GC-Spieler aufgefordert, die Trikots abzugeben: Das Verhalten der Zürcher Fans in Luzern hat ein juristisches Nachspiel.

Bilder, die so nicht in ein Fussballstadion gehören: Polizei und Sicherheitskräfte stellen sich wütenden GC-Fans entgegen.

Bilder, die so nicht in ein Fussballstadion gehören: Polizei und Sicherheitskräfte stellen sich wütenden GC-Fans entgegen. Bild: Keystone

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«Die Staatsanwaltschaft Luzern hat inzwischen eine Untersuchung wegen Verdacht auf Nötigung eingeleitet. Zudem geht es darum, ob sich die Fans mit ihrem Verhalten auch andersweitig strafrechtlich relevant verhalten haben», schreibt die Behörde in einem Communiqué. Teils vermummte GC-Fans sind während der Partie über die Gitter der Swissporarena gestiegen und haben unter anderem die Spieler aufgefordert, ihre Trikots auszuziehen.

In Zürich nahm derweil am Montagmorgen der neue GC-Präsident Stephan Rietiker Stellung. «Man kann mich als Weichei bezeichnen», sagte der seit rund sieben Wochen als Präsident tätige Rietiker, «aber ich musste abwägen, auch wenn es Erpressung war.»

Rund zwei Dutzend Fans aus dem Gästesektor hatten die Abschrankung überstiegen und damit für einen Unterbruch und letztlich für den Abbruch der Partie gesorgt. Die Chaoten forderten nach einer Unterhaltung mit Rietiker und Torhüter Heinz Lindner die Herausgabe der GC-Trikots, was auch passierte. Er habe «contrecoeur» gehandelt und schäme sich dafür, sagte Rietiker, aber es sei darum gegangen, Schlimmeres zu vermeiden. «Es war kein Kniefall, sondern es ging um Deeskalation.»

Rietiker nahm nach dem Vorfall, dem zweiten von GC-Fans erzwungenen Spielabbruch innerhalb zweier Monate, auch andere Akteure in die Pflicht. «Es ist auch ein politisches und gesellschaftliches Problem.» Autosünder würden in der Schweizer Gesellschaft härter bestraft als Kriminelle, so der 62-Jährige. «In Deutschland, beim American Football in den USA oder in England würden diese Leute im Kastenwagen abgeführt.» Der GC-Präsident fordert die Politik, die Liga und die Klubs auf zu handeln. Er plädiert für einen vernünftigen Mix zwischen Dialog und Repression.

Den erstmaligen Abstieg nach 70 Jahren aus der höchsten Spielklasse sieht Rietiker trotz der Enttäuschung auch als Chance: «Er gibt uns die Möglichkeit, den Klub fundamental zu restrukturieren.» Dafür lässt sich der Rekordmeister von den beiden Baslern Bernhard Heusler und Georg Heitz beraten, dem ehemaligen Präsidenten und Sportchef des FC Basel. «Es bleibt kein Stein auf dem anderen», so Rietiker. Die Suche nach einem Sportchef läuft auf Hochtouren, anstelle des abtretenden CEO Manuel Huber soll ein COO installiert werden, der für Finanzen, Administration und Marketing verantwortlich ist.

Ob das Budget in der neuen Saison noch immer 20 Millionen Franken betragen soll, liess Rietiker offen. Das Ziel sei, so wenig Geld wie möglich, aber so viel wie nötig auszugeben. Dass sich die Menschen nun vom Klub abwenden würden, glaubt Rietiker nicht. Es gebe Leute, die diesen Abstieg als Aufbruch verstehen würden. «Und die wahren Fans können in der Challenge League zeigen, dass sie zu uns stehen.»

Die Operation Wiederaufstieg wird mit Trainer Uli Forte angestrebt, auch wenn dieser den Abstieg nicht verhindern konnte. «Selbstverständlich ist er der richtige Trainer», sagte Rietiker. «Er hat mein Vertrauen und dasjenige der Eigentümer.» Zusammen mit Heitz will Forte eine schlagkräftige Mannschaft zusammenstellen. «Denn GC gehört in die Super League - und nirgendwo anders hin», so der Coach.

(cpm/si)

Erstellt: 13.05.2019, 14:38 Uhr

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