Verein sagt dem Buchgeld den Kampf an

Heute können Banken eigenes fiktives Geld erschaffen. Die neu eingereichte Vollgeld-Initiative verlangt, dass dies künftig einzig der Nationalbank vorbehalten bleibt.

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Der Verein Monetäre Modernisierung (MoMo) hat bei der Bundeskanzlei die Vollgeld-Initiative mit über 110'000 Unterschriften eingereicht. Die Initiative verlangt, dass nur die Nationalbank neben Münzen und Banknoten auch elektronisches Geld erzeugen darf.

Im heutigen System schaffen Banken dauernd neues, eigenes fiktives Geld, sogenanntes Buchgeld, indem sie Kredite vergeben. Dieses existiert nur elektronisch, erweitert aber die umlaufende Geldmenge. Sobald ein Kredit zurückgezahlt ist, ist das Geld wieder verschwunden.

Weil Banken für eine Kreditvergabe nur eine kleine Fraktion von Zentralbankgeld vorhalten müssten, könnten sie praktisch beliebig Buchgeld schöpfen - und dieses neben Krediten auch zur Spekulation einsetzen. Rund vier Fünftel des von Banken geschaffenen Geldes fliesse in die Finanzmärkte und nur ein Fünftel in die Realwirtschaft, teilte das Initiativkomitee am Dienstag mit.

Finanzblasen verhindern

Der Anteil von Bargeld betrage heute noch zehn Prozent des gesamten umlaufenden Geldes, 90 Prozent sei von privaten Banken hergestelltes elektronisches Geld. Dabei handle es sich jedoch nicht um ein gesetzliches Zahlungsmittel, sondern nur um ein Versprechen einer Bank, dem Kontoinhaber bei Bedarf Bargeld auszuzahlen.

Dieses System wollen die Initianten ändern. Sie erhoffen sich von der Vollgeldreform mehrere Vorteile: Weil Banken nicht mehr «übermässig Geld herstellen könnten», würden Finanzblasen verhindert.

Bankenrettungen durch Steuergelder würden überflüssig, weil das Geld auf Privatkonten «nun dem Geldbesitzer gehören wie das Bargeld im Portemonnaie oder Tresor». Zudem würde der Franken sicherer, da das Geld- und Bankensystem bei Bankenpleiten und Finanzkrisen nicht ins Wanken käme.

Keine Nachteile für Bankkunden

Die Initianten betonten, man wolle die Banken keineswegs verstaatlichen. Es gehe einzig darum, dass diese kein Geld mehr schöpfen könnten. Die Nationalbank könnte durch die Herstellung des elektronischen Geldes pro Jahr zusätzlich fünf bis zehn Milliarden Schweizer Franken an Bund und Kantone auszahlen.

Für die normalen Bankkunden würde sich gemäss Initianten nicht viel ändern. Ihr Geld würde von der Bank nur noch treuhänderisch und ausserhalb der Bankbilanz verwaltet und die Bank könnte das Geld auf diesen Konten nicht mehr für Kredite ausleihen. Wolle der Bankkunde einen Zins, könne er sein Geld auf einem Spar- oder Anlagekonto anlegen. Diese Mittel könnte die Bank dann für die Kreditvergabe verwenden.

Umfrage unterstützt Argumente

Die Einführung von Vollgeld wäre auch international ein Novum. Ein Alleingang der Schweiz wäre jedoch möglich, finden die Initianten. Das überparteiliche Initiativkomitee wird unterstützt von einem wissenschaftlichen Beirat, dem mehrere Professoren angehören.

Gegner einer Vollgeld-Reform kritisieren, dass die Nationalbank zu viel Macht erhalte und nicht über die notwendigen Marktkenntnisse verfüge, um die «richtige» Geldmenge zu bestimmen. Ausserdem würde das Vorhaben die Geldversorgung der Wirtschaft einschränken und die Sparer durch noch tiefere Zinsen bestrafen. (dia/sda)

Erstellt: 01.12.2015, 11:59 Uhr

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