«Vermutlich wird der Weltuntergang abgesagt»

Nach Uriellas Tod könnte sich der Orden Fiat Lux auflösen, sagt Sektenexperte Georg O. Schmid. Eine Art Nachfolgerin gebe es aber.

Das war Uriella: Sie verstand sich als Sprachrohr von Jesus Christus und gründete die religiöse Bewegung Fiat Lux. (Video: SRF/Tamedia)

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Der Tod der Gründerin kann eine Sekte ins Bodenlose stürzen. Gemäss dem Zürcher Religionswissenschaftler Georg Otto Schmid ist schwer vorhersehbar, wie die Gemeinschaft Fiat Lux mit heute zwei Dutzend Mitgliedern auf das Ableben von Uriella reagieren wird. Zumal sie stets die Erwartung wachhielt, dass noch zu ihren Lebzeiten die Apokalypse eintreffen werde, und sie – Uriella – als Erste von einem UFO abgeholt und dem Orden ins Paradies Amora vorangehen würde. Amora ist ein Planet aus Uriellas Fantasie.

Entscheidend ist für Schmid die ­Frage: Konnte der Orden in den letzten Monaten akzeptieren, dass die kranke Gründerin sterben würde? Wenn ja, dürfte es «zu einer sanften Auflösung des Ordens und einer Umdeutung der Mission» kommen: Gatte Icordo könnte erklären, Uriella habe ihre Aufgabe erfüllt, die Elite der Reinen gesammelt und warte nun im Paradies auf die anderen. «Vermutlich wird dann der Weltuntergang abgesagt», sagt Schmid.

«Es droht kein Massensuizid»

Schlimmer, aufgrund der Todesanzeige aber weit weniger wahrscheinlich, wäre es, wenn der Orden noch immer mit der Apokalypse gerechnet hätte. Dann gäbe es laut Schmid eine grosse Enttäuschung, der Orden würde auseinanderbrechen und einige könnten sich etwas antun. Einen Massensuizid aber schliesst Schmid schon deshalb aus, weil Uriella Suizid in ihrem Orden nicht erlaubte.

Andere Sekten haben nach dem Tod des Gründers einen Nachfolger gefunden – etwa das Gnadenwerk St. Michael in Dozwil nach dem Tod von Paul Kuhn im Jahr 2002. Auch Fiat Lux hatte laut Schmid einst eine Nachfolgerin aufgebaut – in der Person von Vera Ratheiser vom österreichischen Zweig. Doch es wurde nichts daraus. Für Schmid war Uriella singulär, weil keine andere Sektenfigur so bekannt war wie sie: «In den 90er-Jahren kannte sie jedes Kind.» Dies deshalb, weil Uriella selber «mediengeil» war und von Medien als Unterhaltungsfaktor erkannt wurde. «Uriella gab sich ostentativ harmlos, eine Mischung aus Grossmutter und Jungfrau», sagt Schmid.

Das Pendant aus dem Toggenburg

Dank der apokalyptischen Stimmung in den 90er-Jahren genossen Uriella und andere Sektengründer grössere Öffentlichkeit als nach dem Millennium. Schmid zufolge gibt es aber nach wie vor zahlreiche esoterische Zirkel und Channeling-Medien, die übersinnliche Botschaften empfangen. Das bekannteste ist zweifellos Bestsellerautorin Christina von Dreien aus dem Toggenburg, «die heute so populär ist wie Uriella in den 80er-Jahren».

Wie diese zeigt sich das 17-jährige Medium gerne vor der Kamera, propagiert ein esoterisches Weltbild samt apokalyptischen Elementen und Ernährungsweisheiten, schwärmt vom Paradies und der dortigen Fortpflanzung ohne Sex. So hat Uriella laut Schmid in Christina von Dreien doch noch eine Art Nachfolgerin gefunden.

Erstellt: 25.02.2019, 19:12 Uhr

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