Vernünftig bei hoher Schwelle

Vitus Huonders Ausführungen über Homophobie sind skurril, aber kein Fall für das Strafrecht.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Nun hat das Referat von Bischof Vitus Huonder Ende Juli am Forum Deutscher Katholiken in Fulda doch noch etwas Positives bewirkt. Zwar ist das Bild der Schweiz in Deutschland nicht moderner geworden, dafür steigt aber in der Schweiz das Verständnis für ein strafrechtliches Verbot öffentlicher Diskriminierung von Homosexualität. Bisher umfasst der ent­sprechende Strafartikel nur die Herabsetzung wegen Rasse, Ethnie und Religion. Jetzt will die Politik vorwärtsmachen, damit bald auch Schwule öffentlich nicht mehr straffrei herabgewürdigt werden dürfen.

Das hat zwar nichts mit Rassismus zu tun, gegen den dieser Strafartikel ursprünglich zielte. Doch das Motiv ist ähnlich: Wer Menschen anderer Rasse, anderer Religion oder anderer sexueller Orientierung pauschal herabsetzt, bestärkt damit auf krude Weise seine eigene Identität und Weltsicht. Im Verbund mit Fanatismus kann diese Herabsetzung auch hetzerische oder missionarische Züge annehmen.

Dagegen hat die Schweiz 1995 den Rassismus-Strafartikel geschaffen. Er hat sich in den letzten zwanzig Jahren vor allem auch deshalb bewährt, weil die Gerichte die Hürde zu einer Verurteilung hoch ansetzen. Das Strafrecht ahndet nur die klare, öffentliche Verunglimpfung mit hetzerischer Wirkung, und es franst nicht aus in Bereiche, wo der gesellschaftliche Diskurs lediglich ewiggestrig oder grenzwertig ist. Dafür reicht in der Regel eine öffentliche Auseinandersetzung.

Äusserungen wie die skurrilen dogmatischen Ausführungen von Bischof Huonder in Fulda sind indes kein Fall für das Strafrecht. Der Churer Bischof ist ein Dogmatiker: Einzig der sittliche Vollzug des Geschlechtsaktes in einer lebenslangen Ehe entspricht seinen Wertvorstellungen. Ein weltliches Strafgericht würde ihn zum religiösen Märtyrer machen. Setzen wir darauf, dass Huonder mit seinen Aussagen Geschiedene und ­Homosexuelle aus seinem kirchlichen Flügel vertreibt. Und dass sich die katholische Kirche in der Wirkung solcher Äusserungen liberalisiert, während das Strafrecht die Toleranzgrenzen fundamentalistischer Ansichten auf Kosten von Minderheiten deutlicher ­absteckt. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 13.08.2015, 22:55 Uhr

Artikel zum Thema

Huonder hat nichts zu befürchten

Noch nie wurde ein Bischof, der wegen homophober Äusserungen angeklagt wurde, verurteilt. Bischof Huonder dementierte, er habe die Todesstrafe für Homosexuelle gefordert. Mehr...

So rechtfertigt Bischof Huonder seine umstrittenen Äusserungen

Der Churer Bischof Vitus Huonder gibt den Medien die Schuld für die negative Interpretation seiner homophoben Aussagen. Mehr...

Doppelzüngiges Moralisieren

Analyse Die Kirche will Bischof Huonder nicht in die Schranken weisen. Mehr...

Blog

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Blog

Kommentare

Paid Post

Bereit für die Ferien?

Die Ferien sind gebucht, die Vorfreude gross – doch was ist mit Impfungen oder Medikamenten? Mit einer Reiseberatung ist man sicher gut gewappnet.

Die Welt in Bildern

Adieu und Adiós: Die Matrosen des mexikanischen Segelschulschiffs Cuauhtémoc haben für die grosse Parade auf der Seine die Masten erklommen. Die Fahrt zum Meer bildet den Abschluss der Armada von Rouen, eine der wichtigsten maritimen Veranstaltungen Frankreichs. (16. Juni 2019)
(Bild: Charles Platiau) Mehr...