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Nach Renten-Kater gehen Banken auf Kundenfang

Wer Angst hat, keine Rente mehr zu kriegen, für den haben die Banken eine Lösung.

Bankkunden suchen vermehrt Beratung zur Vorsorge ausserhalb der Pensionskasse. Foto: Martin Rütschi (Keystone)
Bankkunden suchen vermehrt Beratung zur Vorsorge ausserhalb der Pensionskasse. Foto: Martin Rütschi (Keystone)

«Was heisst die Ablehnung der Alters­reform für Ihr Vermögen?» Diese Frage wirft die Privatbank Notenstein La Roche nach dem Volks-Nein zur Altersvorsorge 2020 in einem neuen Werbevideo auf. Am Schluss der Botschaft folgt die Aufforderung, sich für die Sicherung der eigenen Rente einen Finanzplan erstellen zu lassen. «Wir versuchen, Themen zu adressieren, die die Kunden beschäftigen», begründet Mediensprecherin Stephanie von Mentlen den Schritt. «In jedem dritten Beratungsgespräch geht es um das Thema Vorsorge.»

Damit greift Notenstein ein Thema auf, das auch über Privatbanken hinaus an Bedeutung gewinnt. Denn die Ver­unsicherung über die Altersvorsorge wächst. Das bestätigt Raphael Ebneter, Pensionierungsexperte beim Vermögenszentrum (VZ). Ein Indikator: Er stelle seit rund einem Jahr fest, dass sich deutlich mehr unter 40-Jährige über das Thema Pensionierung informierten. Diese Altersgruppe suche zwar nach wie vor seltener Beratung als andere. Die Aufträge hätten sich aber in den letzten zwölf Monaten etwa verfünffacht – «das hat sicherlich auch mit der Debatte im Vorfeld der Abstimmung zu tun».

Ganz allgemein sinkt laut Ebneter das Vertrauen in die 1. und die 2. Säule des Vorsorgesystems – und mit jeder wei­teren gescheiterten Reform nehme es weiter Schaden. Seit Jahren stiegen unter anderem deswegen die Anfragen für die private Vorsorge, etwa in der Säule 3a. Das bestätigen auch die Zahlen von Raiffeisen Schweiz: Laut Mediensprecherin Cécile Bachmann hat sich das Volumen auf Säule-3a-Konten und Vorsorgefonds in den letzten zehn Jahren mehr als verdoppelt.

Video: Wie kann eine Rentenreform gelingen?

Politologe Lukas Golder über die Abstimmung und den nächsten Anlauf.

Auch Credit-Suisse-Mediensprecher Andreas Kern beobachtet eine ähnliche Entwicklung – und prognostiziert eine weitere Steigerung: «Die private Vorsorge wird mit dem Abstimmungsresultat vom Sonntag zusätzlich an Bedeutung gewinnen.»

Die gleiche Tendenz sieht Joëlle Gautier, Sprecherin der Beratungsplattform Moneypark, an der Tamedia eine Beteiligung hat. Nebst der allgemein steigenden Unsicherheit nehme mit jedem Hinauszögern einer neuen Vorlage auch die Angst zu, dass der Umwandlungssatz dereinst auf einen Schlag sehr stark sinken könnte. «Diese unsichere Ausgangslage in der 2. Säule macht den Bezug von Pensionskassenvermögen etwa für den Eigenheimkauf attraktiv. Wir beobachten dementsprechend, dass Kunden eher mehr Pensionskassenvermögen abziehen und sich auch aktiv nach alternativen Vorsorgemöglichkeiten erkundigen, etwa über die 3. Säule.»

Doch wie viel Besorgnis ist tatsächlich angebracht? «Sechs von sieben der in der 2. Säule versicherten Personen sind besser versichert als zum gesetzlichen Minimum. Die Kombination aus 1. und 2. Säule bietet für einen Grossteil dieser Personen weiterhin eine gute Vorsorge», sagt Patrick Spuhler, Vorsorgeberater bei der Prevanto AG und Präsident des Vereins für BVG- und Pensionskassenauskünfte beider Basel. Der politische Handlungsbedarf sei zwar unumstritten. Und für diejenigen Pensionskassen mit den rund 14 Prozent in der beruflichen Vorsorge Minimalversicherten sei die Lage ernst, insbesondere wegen der Umverteilung von den aktiven Versicherten zu den Rentnern durch den zu hohen Umwandlungssatz. «Aber diejenigen Berater, die jetzt die Leute zu einer Lösung in der 3. Säule oder anderen privaten Anlagen bewegen wollen, handeln wohl nicht immer ganz uneigennützig», sagt Spuhler. Denn oft werde mit dem Vermitteln privater Lösungen gutes Geld verdient. Das zeigt auch eine Studie der Eidgenössischen Finanzkontrolle aus dem letzten Jahr: Die Kosten für die Wertschriftenverwaltung sind in der 3. Säule höher als in der 2. Säule.

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