Veterinäramt hat kranke Pferde verkauft

Bei einem Tier aus Hefenhofen wurden vor der Versteigerung Drusen-Symptome festgestellt. Das Thurgauer Veterinäramt hatte offenbar davon gewusst.

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Der Andrang war riesig. Vor einer Woche wurden 80 Pferde vom mutmasslichen Tierquäler von Hefenhofen versteigert – alle zum Maximalpreis. Doch die Tiere, die an neue Besitzer in der ganzen Schweiz verkauft wurden, könnten die Infektionskrankheit Druse haben. Die Pferdekrankheit ist hochansteckend, die Symptome gleichen einer Grippe.

Das Pikante: Das Thurgauer Veterinäramt, das für den Verkauf zuständig war, wusste, dass die Pferde sich womöglich infiziert hatten. Das schreibt der «Blick», dem Auszüge eines tierärztlichen Besuchsprotokolls vorliegt. Im Schreiben vom 11. August hiess es bei einem der Pferde: «Drusen-Symptom. Trüber Augenausfluss.» Die Analyse sei im Rahmen eines Auftrags, den der Veterinärdienst Luzern aufgrund eines Rechtshilfeersuchens der Thurgauer Staatsanwaltschaft ausgeführt habe, entstanden, sagt der Luzerner Kantonstierarzt Otto Ineichen gegenüber der Zeitung. Der Befund wurde anschliessend dem Thurgauer Veterinäramt kommuniziert.

Einschleppung aus Hefenhofen «wahrscheinlich»

Schon am Montag wurde bekannt, dass einige Armeetiere im Kompetenzzentrum Schönbühl BE, wo die Hefenhofen-Pferde vorübergehend untergebracht waren, von Druse betroffen sein könnten, wie «Schweiz aktuell» berichtete. Kommandant Jürg Liechti schloss damals nicht aus, dass die Übertragung der Krankheit durch die Pferde aus Hefenhofen erfolgte. Jetzt hat sich der Verdacht erhärtet: «Es ist eine wahrscheinliche Annahme, dass das Bakterium durch die Pferde aus Hefenhofen eingeschleppt wurde. Hundertprozentig nachweisen lässt sich das aber wohl nicht», so Jürg Liechti gegenüber «Blick».

Der Informationsdienst des Kantons Thurgau weist die Vorwürfe zurück. Die Beurteilung vor Ort habe «keinen dringenden Verdacht» ergeben, so Walter Hofstetter. Und weiter: «Es war mitgeteilt worden, dass im letzten Winter die Krankheit im Stall K. aufgetreten war. Das Krankheitsgeschehen sei allerdings seit einiger Zeit abgeklungen.»

Ulrich K. mit Krankheit konfrontiert

Vom letztjährigen Krankheitsfall schreibt das « St. Galler Tagblatt.» Es hatte Kontakt mit der Frau, die im Juni 2017 vier Pferde aus Hefenhofen aufgenommen hat, um sie wieder aufzupäppeln. Die Tiere seien «in einem desolaten Zustand» gewesen, eines von ihnen sei «positiv auf Druse getestet» worden. Sie habe anschliessend den mutmasslichen Tierquäler Ulrich K. per Telefon mit dem Befund konfrontiert – dieser habe zugegeben, davon gewusst zu haben. Er habe ihr sogar gesagt, dass er hoffe, die Behörden würden die Pferde in der ganzen Schweiz verkaufen, dann könne er alle einklagen. «Nach dem Telefonat habe ich sofort die Kantonspolizei Thurgau und das Veterinäramt des Kantons Thurgau über das Gespräch informiert», sagt die Käuferin aus der Zentralschweiz.

Vor der Auktion vom vergangenen Donnerstag seien die Tiere aber nicht nochmals getestet worden, heisst es beim Informationsdienst des Kantons Thurgau auf Anfrage des «St. Galler Tagblatts». «Die Situation wurde dahingehend beurteilt, dass das Krankheitsgeschehen im Bestand abgeschlossen war und damit die zurzeit anwesenden Pferde nicht mehr für eine Infektion mit dem Druse-Erreger empfänglich sind.» Eine überstandene Infektion mit dem Druse-Erreger mache das Tier lange Zeit immun gegen eine erneute Infektion. (kf)

Erstellt: 24.08.2017, 09:57 Uhr

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