Zum Hauptinhalt springen

Unisex-WC als PR-Coup

Unterdessen in Luzern: Jetzt hat die Innerschweizer Stadt ihr erstes Unisex-WC. Wenig entspannt zeigen sich die Behörden.

Die Diskussion um Unisex-Toiletten spaltet die Schweiz. Foto: lkpho49 (iStock)
Die Diskussion um Unisex-Toiletten spaltet die Schweiz. Foto: lkpho49 (iStock)

In Paragraf 15 der Gastgewerbeverordnung des Kantons Luzern steht es schwarz auf weiss: «Gastgewerbliche Betriebe gemäss § 6 Absatz 1a–c und Einzelanlässe gemäss § 6 Absatz 1e des Gesetzes müssen in genügender Anzahl über getrennte Toilettenanlagen für Damen und Herren mit Handwascheinrichtungen im Vorraum verfügen.» Ausnahmen sind nur bei Verpflegungsständen bis zu einer Grösse von 25 Quadratmetern zugelassen.

Das Ende Jahr eröffnete Restaurant Anker im früheren Volkshaus am Pilatusplatz ist deutlich grösser – und hat trotzdem das erste Unisex-WC des Kantons eingerichtet. Für die männlichen und weiblichen Gäste des Grill-Restaurants stehen eine gemeinsame Handwaschanlage und sieben Toilettenkabinen, davon zwei mit Pissoir, zur Verfügung. Die Unisex-Anlage brauche weniger Platz und könne deshalb grosszügiger gestaltet werden, sagen die Restaurantbetreiber. Ausserdem fördere es das Zwischenmenschliche: «Beim gemeinsamen Händewaschen oder auch beim Schminken können interessante Gespräche entstehen.»

Tolerante Zürcher

Mit der genderneutralen Toilette gelang den Innerschweizern ein kleiner PR-Coup. Zwar hatte ein Restaurant im trendigen Zürcher Langstrassenquartier bereits letzten September die erste «All Gender Welcome Toilette» der Schweiz eröffnet. Im Gegensatz zum Kanton Luzern toleriert aber Zürich genderneutrale Toiletten. Und so sorgte die Strenge der Luzerner Behörden für beste Gratiswerbung. Die Stadt Luzern reagierte mit einer Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft. Der Chef der kantonalen Gewerbepolizei betonte wiederum: «Wir müssen umsetzen, was in der Gastgewerbeverordnung steht.» Bei Toiletten gebe es keinen Handlungsspielraum.

Gleichzeitig schaltete sich der SVP-Kantonsrat und Geschäftsführer des kantonalen Gastro­verbands, Ruedi Stöckli, in die Diskussion: «Sollen denn die Mütter ihre Babys auch noch auf diesen WCs wickeln?» Beim städtischen Gastroverband gab man sich hingegen weltoffen. Jeder Betrieb solle selbst entscheiden können, ob er getrennte WCs anbieten wolle oder nicht. Am allerwichtigsten sei, dass «ein WC sauber ist».

Da das Anker der Aufforderung nicht nachkam, bis 1. April die Toiletten gesetzeskonform zu machen, wurde es gebüsst. Gegen die Busse und das Verfahren hat das Restaurant Beschwerde eingereicht. Zurzeit ist das Verfahren sistiert, weil der Regierungsrat aufgrund einer SP-Motion bereit ist, das Verbot zu überprüfen. Das letzte Wort hat nun der Kantonsrat. So lange bleibt die neuste Touristenattraktion Luzerns auf jeden Fall erhalten.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch