Viele Frauen können von ihrer Rente nicht leben

Pensionskassen, die Personen in typischen Frauenberufen versichern, zahlen sehr kleine Renten aus. Das zeigt eine Erhebung des Schweizerischen Gewerkschaftsbundes.  

Typische Frauenberufe müssen mit wenig Rente auskommen. Foto: Geatan Bally (Keystone)

Typische Frauenberufe müssen mit wenig Rente auskommen. Foto: Geatan Bally (Keystone)

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Viele der Angestellten, die bei GastroSocial, der Pensionskasse des früheren Wirteverbands, versichert sind, werden einmal mit einer kleinen Rente auskommen müssen. Im Durchschnitt zahlt die Kasse heute Renten von 600 Franken pro Monat. Das reicht den Empfängern selbst mit der AHV zusammen kaum zum Leben – die mittlere AHV-Rente für Frauen beläuft sich auf 1754 Franken pro Monat.

Der Schweizerische Gewerkschaftsbund (SGB) hat die Daten von 14 Pensionskassen ausgewertet und errechnet, wie hoch ihre durchschnittliche Rente ist. Dabei handelt es sich um Kassen mit Versicherten aus typischen Frauenberufen, insbesondere aus Detailhandel, Gastronomie, Coiffeur- und Kosmetikbranche. Zusammen versichern sie 24'242 Personen. Damit ist die Erhebung nicht repräsentativ, bietet aber Einblick in die berufliche Vorsorge von typischen Frauenberufen.

Unterbruch und Teilzeit

Wie die Erhebung zeigt, sind die Renten der beruflichen Vorsorge im Detailhandel und in der Coiffeurbranche nicht viel höher als in der Gastronomie: Die Pensionskasse Coiffure&Esthétique bezahlt durchschnittlich 800 Franken pro Monat aus, jene von Coop 1390 Franken und von Manor 1410 Franken. Diese Beträge sind weit entfernt von der Schweizer Durchschnittsrente von 2471 Franken im Jahr 2018.

Grund für die kleinen Renten sind nicht nur die tiefen Löhne dieser Branchen, sondern auch die frauentypischen Lebensläufe. Viele unterbrechen ihre Erwerbstätigkeit, um ihre Kinder zu betreuen, und wenn sie wieder eine Stelle annehmen, arbeiten sie oft Teilzeit. Verschärfend kommen gerade für Teilzeiter die gesetzlichen Vorgaben hinzu: Erst wenn Angestellte bei einem Arbeitgeber mehr als 21'330 Franken pro Jahr verdienen, werden sie überhaupt in die Pensionskasse aufgenommen. Zudem wird nur ein Teil des Lohns versichert.

Diese Zahlen zeigen: In der beruflichen Vorsorge haben sich die Bedingungen für die Frauen nicht grundlegend verbessert. 2016 haben das Bundesamt für Sozialversicherungen und das Eidgenössische Büro für Gleichstellung die Renten von Frauen und Männern systematisch und vollständig untersucht. Dies anhand von Zahlen aus dem Jahr 2012. Dabei kamen sie zum Schluss: Frauenrenten aus der beruflichen Vorsorge sind im Durchschnitt um satte 63 Prozent tiefer als jene der Männer.

Weniger als die Hälfte

«Ich wundere mich, dass die Frauen angesichts dieser Ungleichheit nicht aufschreien», sagt SGB-Zentralsekretärin Gabriela Medici. Nicht nur Erwerbstätige in typischen Frauenberufen würden in der beruflichen Vorsorge tiefere Renten erhalten, sondern Frauen ganz grundsätzlich. Gemäss Neurentenstatistik des Bundesamts für Statistik erhalten Männer doppelt so hohe Renten wie Frauen. Und: Über ein Drittel aller Frauen verfügt über gar keine Pensionskassenrente.

Die Situation der Frauen würde sich etwas verbessern, wenn die berufliche Vorsorge so reformiert wird, wie es Gewerkschaften und Arbeitgeber in ihrem Kompromiss vorschlagen. Danach erhielten Pensionierte künftig einen Rentenzuschlag, und Arbeitnehmer und -geber zahlten auf einen grösseren Teil des Lohnes Beiträge für die berufliche Vorsorge ein. In der Gastronomie stiege dadurch die durchschnittliche Rente von 530 auf 869 Franken, im Detailhandel von 422 auf 780 Franken. Von der Schweizer Durchschnittsrente von 2471 Franken wären sie aber noch immer weit entfernt. Zurzeit arbeitet das Bundesamt für Sozialversicherungen eine Vorlage für die Vernehmlassung aus, die noch dieses Jahr vorliegen soll.

Erstellt: 31.10.2019, 06:13 Uhr

Artikel zum Thema

Männer erhalten doppelt so hohe Renten wie Frauen

Neue Zahlen zeigen, wie gross die Unterschiede zwischen den Geschlechtern bei den Pensionskassenbezügen sind. Sie lassen sich allerdings auch erklären. Mehr...

Was gute Vorsorge ausmacht

In der Pensionskasse spart jede und jeder für das eigene Alter – aber ganz unterschiedlich. Eine Beispielrechnung zeigt, worauf zu achten ist. Mehr...

So gross wird die Rentenlücke

Wie viel Geld werden Pensionierte künftig zur Verfügung haben? Neue Berechnungen zeigen, wer im Alter mit Einbussen rechnen muss. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Blog

Kommentare

Blogs

Von Kopf bis Fuss Gute Laune trotz Lichtmangels

Paid Post

Mehr Freizeit dank iRobot

Diese intelligenten Alleskönner übernehmen das Reinigen für Sie: gründlich, zuverlässig und vollautomatisch.

Die Welt in Bildern

Klimawand: Andres Petreselli bemalt in San Francisco eine Hausfassade mit einem Porträt von Greta Thunberg. (8. November 2019)
(Bild: Ben Margot) Mehr...