Die ersten Schweizer Online-Casinos stehen vor dem Start

Vier Bewerber haben mit ihren Gesuchen die erste rechtliche Hürde überwunden. Zwei Casinos müssen eine Extrarunde einlegen und nachbessern.

Eine Online-Konzession beantragen können nur Betreiber von ortsgebundenen Spielbanken. Foto: Urs Jaudas

Eine Online-Konzession beantragen können nur Betreiber von ortsgebundenen Spielbanken. Foto: Urs Jaudas

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Ein Jahr nach der Abstimmung über das Geldspielgesetz stehen die ersten vier Online-Casinos vor dem Start: Ihre Gesuche haben die Überprüfung durch die Eidgenössische Spielbankenkommission (ESBK) bestanden. Das geht aus dem Bundesblatt von gestern hervor.

Die erste rechtliche Hürde überwunden haben die Projekte der Casinos von Baden, Davos, Luzern und Pfäffikon. Die ESBK legt diese vier Gesuche dem Bundesrat vor, der Ende Juni darüber entscheiden dürfte. Danach wollen die vier Casinos ihre Angebote frühestens per 1. Juli in Betrieb nehmen.

Beim Grand Casino Luzern freut sich CEO Wolfgang Bliem über den Zwischenentscheid. «Ich bin zuversichtlich, dass unser Konzessionsgesuch den Bundesrat überzeugen wird», sagt er. Details über das Luzerner Online-Casino, das als Mycasino.ch ins Rennen geht, will Bliem mitteilen, wenn eine weitere Hürde aus dem Weg geräumt ist: Derzeit müssen die Gesuchsteller sämtliche Spiele zertifizieren und von der ESBK genehmigen lassen. Dieser Prozess sollte bis Juli ebenfalls abgeschlossen sein.

Zürich plant Mischspiele

Eine Online-Konzession beantragen können nur Betreiber von herkömmlichen ortsgebundenen Spielbanken, ihre Internet-Casinos sind aber für Volljährige aus der ganzen Schweiz zugänglich. Die Swiss Casinos Holding will ihre Bewilligung für alle Standorte nutzen. «Wir werden in unseren Casinos in Zürich und Pfäffikon Tische einrichten, an denen die Spieler sowohl physisch als auch online teilnehmen können», sagt Marketingleiter Marco Zemp. Auf Swisscasinos.ch seien über 100 Spiele vorgesehen, von klassischen Casinospielen bis zu modernen Automatenspielen.

Die Grand Casino Baden AG hat für ihre zwei Standorte je eine separate Online-Konzession beantragt. Baden hat mit Gratisspielen auf Jackpots.ch bereits Erfahrungen gesammelt; 15000 Spieler haben sich laut Marketingleiter Beat Lehmann registriert. In Zukunft sollen auf der Plattform auch Spiele mit Geldeinsätzen zur Verfügung stehen. Davos wird eine eigene Seite auf Casino777.ch lancieren.

Verzögerung in Bern

Eine Extrarunde müssen die Casinos von Bern und Neuenburg einlegen. «Wir sind in der ersten Tranche der Online-Konzessionsgesuche nicht dabei», bestätigt Patrick Cupelin, Leiter Marketing der Grand Casino Kursaal Bern AG. Sie gehört wie das Neuenburger Casino der Kongress + Kursaal Bern AG, beide haben analoge Gesuche eingereicht. Diese entsprächen fast den Vorgaben. «Nur im formaljuristischen Bereich müssen wir kleine Anpassungen anbringen, weil die Interpretation einiger Verträge nicht ganz eindeutig war», sagt Cupelin. Um welche Verträge es sich handelt, will er nicht öffentlich machen.

«Wir werden unser Gesuch überarbeiten und noch einmal einreichen. Danach hoffen wir auf eine möglichst schnelle Konzessionserteilung», sagt Cupelin. «Der Start unseres Online-Angebots wird sich um einige Wochen verzögern, für einen Start im Juli wird es nicht mehr reichen.» Das kommt ungelegen: Für die ersten Anbieter auf dem neuen Markt ist es einfacher, sich ein grosses Stück des Kuchens zu sichern. «Die Spielbankenkommission nimmt es sehr genau», sagt Cupelin. «Aber das ist auch in Ordnung, es wäre fehl am Platz, daran Kritik zu äussern.» Ob weitere Gesuche zurückgestellt wurden, beantwortete die ESBK gestern nicht.

Grundlagen für Netzsperren in Kraft

Bedeckt halten sich sämtliche Betreiber bei ihren Umsatzzielen im Internet, obwohl sie diese in den Gesuchen angeben mussten. Zemp von Swiss Casinos sagt nur: «Die Rede war von 250 bis 300 Millionen Franken, die auf illegale Online-Angebote aus dem Ausland abwanderten. Wie viel davon nun auf Schweizer Online-Casinos gespielt wird, ist sehr schwer abzuschätzen.» ­Offen ist damit vorerst auch, ­­­wie viel die Spielbankenabgabe einbringen wird, die den Sozialwerken zugutekommt.

Zum Start der neuen Online-Casinos treten per 1. Juli zudem die rechtlichen Grundlagen für die Netzsperren in Kraft, die bei der Abstimmung über das Geldspielgesetz sehr umstritten waren. Die ESBK und die Lotteriekommission Comlot können Internetanbieter anweisen, den Zugang zu nicht konzessionierten, vor allem ausländischen, Casino- und Wettseiten zu sperren.

(Redaktion Tamedia)

Erstellt: 25.04.2019, 08:31 Uhr

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