Sympathien für die SVP und offen für Multikulti

Bescheidene Sprachkenntnisse, viele Erfahrungen mit Ausländern: Das sind nur zwei Befunde der bisher grössten Jugendstudie zur sprachlichen und kulturellen Vielfalt.

Der Kurs «Sprache und Integration» in Schiers GR für Jugendliche mit Migrationshintergrund: Jugendliche lernen intensiv Deutsch und andere Fertigkeiten wie zum Beispiel Kochen. (6. März 2015)

Der Kurs «Sprache und Integration» in Schiers GR für Jugendliche mit Migrationshintergrund: Jugendliche lernen intensiv Deutsch und andere Fertigkeiten wie zum Beispiel Kochen. (6. März 2015) Bild: Gian Ehrenzeller/Keystone

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Der Bund hat rund 41'000 junge Männer, in der grossen Mehrheit Stellungspflichtige, zu ihren sprachlichen und kulturellen Kompetenzen sowie ihrer Meinung zur sprachlichen und kulturellen Diversität in der Schweiz befragt. Mit einer Stichprobe wurden auch 1500 junge Frauen miteinbezogen. Das Projekt «ch-x» sei die bislang ausführlichste Untersuchung zum Thema, teilt das Eidgenössische Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS) heute mit.

Das Sprachenrepertoire der jungen Schweizerinnen und Schweizer ist demnach sehr vielfältig, das Niveau bewegt sich aber auf der zweituntersten Stufe. Insgesamt seien 126 verschiedene Sprachen erfasst worden. Bei den Landessprachen (ohne Muttersprache) und Englisch wurde zudem geprüft, wie gut die Kenntnisse sind. Das Resultat ist – zumindest für Deutsch, Französisch und Italienisch – eher ernüchternd.

Hier bewegt sich die sprachliche Kompetenz auf dem Niveau A2, dem zweituntersten auf einer Skala von A1 bis C2. Bei Englisch und vor allem Rätoromanisch liegt sie jedoch auf einem höheren Niveau.

Lieber Englisch statt Deutsch und Französisch

Auffällig ist, dass der Sprachunterricht in den Landessprachen Französisch und Deutsch häufig als negativ bewertet wird. Nur gerade ein Viertel der jungen Deutschschweizer geben an, den Französischunterricht als interessant zu erleben. Ebenso geht es den Westschweizern im Deutsch.

Für die Forscher liegt die Ursache dafür in der Gesellschaft und in der Schule. «Es nützt nichts, noch früher eine Fremdsprache in der Schule zu lernen, wenn die Lehrer nicht kompetent und motiviert sind», sagte François Grin, Professor an der Universität Genf und einer der Autoren der Studie. Jedoch lasse sich ein solches Resultat nicht alleine mit dem Schulunterricht erklären. Die Gesellschaft und die Politik müsse sich für eine multikulturelle Schweiz engagieren und Massnahmen ergreifen.

Verständnis für religiöse Bedürfnisse

Hinsichtlich Integration zeigen die Daten, dass die jungen Schweizer und Schweizerinnen einerseits der Anwesenheit von Migrantengemeinschaften durchwegs sehr positiv gegenüberstehen, andererseits jedoch auch erwarten, dass diese durch die Einhaltung von nicht verhandelbaren Standards ihren Integrationswillen eindeutig beweisen.

Gewisse Zugeständnisse werden Personen ausländischer Herkunft aber gemacht, insbesondere in Bezug auf religiöse und kulturelle Bedürfnisse im Alltagsleben.

Vier Empfehlungen und 25 Vorschläge

Aus der Studie resultieren laut der Mitteilung des VBS vier allgemeine Empfehlungen, die wiederum in 25 konkrete Massnahmenvorschläge aufgefächert sind:

1. sich für ein politisches Ethos einsetzen, das mehrsprachig und bildend ist; 2. die Mehrsprachigkeit von Lernenden durch eine Reihe praktischer Massnahmen unterstützen; 3. die Vermittlung der Landessprachen durch zweisprachigen Unterricht sinnvoll gestalten; 4. die Überlegungen über politische Integration vertiefen und weiterführen, unter Berücksichtigung der unterschiedlichen Herausforderungen, denen sich die Jungen bei der kulturellen Diversität gegenübersehen.

Junge Schweizer und Schweizerinnen machen zahlreiche Erfahrungen mit Ausländern. Im Alter von 19 oder 20 Jahren haben bereits mehr als ein Drittel sechs oder mehr Länder besucht. Weniger als 2 Prozent haben die Schweiz noch nie verlassen. Bereits 10 Prozent der jungen Schweizer und Schweizerinnen haben mindestens während sechs Monaten im Ausland gelebt.

Das heisst aber nicht, dass sie gleich auswandern oder in eine andere Sprachregion umziehen wollen. 72 Prozent der jungen Männer (aber nur 62 Prozent der jungen Frauen) glauben, dass sie in zehn Jahren immer noch in der gleichen Sprachregion wohnhaft sein werden.

88 Prozent der jungen Schweizer haben ausländische Freunde und bei 71 Prozent von ihnen weisen diese Freunde ein breites Spektrum verschiedener Nationalitäten auf. Der Freundeskreis umfasst bei mehr als einem Viertel der Schweizer Jugendlichen mindestens gleich viele oder mehr Ausländer als Schweizer.

SVP klar vor SP bei politischen Sympathien

Ein Drittel der jungen Schweizer Männer fühlt sich politisch mit der Schweizerischen Volkspartei SVP verbunden. In der Deutschschweiz (36 Prozent) sind es im Vergleich zur italienischen Schweiz (19 Prozent) doppelt so viele.

Die Sozialdemokratische Partei (SP) wird von 11 Prozent der Jungen an zweiter Stelle genannt, dabei gibt es zwischen den Regionen keinen nennenswerten Unterschied.

Die Befragung für das Projekt «ch-x» wird bei allen Stellungspflichtigen jungen Männern durchgeführt, die in der Regel 19 Jahre alt sind. Für diese Studie wurden zusätzlich in den Jahren 2008 und 2009 in einer Stichprobe 2500 junge Männer und Frauen in 100 Gemeinden befragt, Schweizerinnen und Schweizer ebenso wie in der Schweiz lebende Ausländer. In die aktuelle Erhebung seien die Antworten von rund 41'000 Männern und 1500 Frauen eingeflossen, schreibt das VBS.



(rub)

Erstellt: 28.09.2015, 11:34 Uhr

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