Vogeljagd mit Schlusspointe

Unterdessen in Münsingen BE: Der Schlosspark ist fest im Griff von Krähen, Falken sollen die Störenfriede vertreiben. Das gelingt nur bedingt.

Die Gang lärmt unablässig, hinterlässt Dreck und sorgt für eine miese Stimmung im Park: Krähen kämpfen auf einem Rasen. Symbolbild: Gurinder Osan (AP, Keystone)

Die Gang lärmt unablässig, hinterlässt Dreck und sorgt für eine miese Stimmung im Park: Krähen kämpfen auf einem Rasen. Symbolbild: Gurinder Osan (AP, Keystone)

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Das Schloss aus dem 16. Jahrhundert, die angrenzende Beiz mit idyllischer Gartenterrasse, die Platanen majestätisch: Der Schlosspark zu Münsingen hätte eigentlich alles für ein kleines Paradies, dessen Stille nur von gelegentlichen Jauchzern überglücklicher Spaziergänger unterbrochen würde.

Dies bleibt aber wohl ein Wunschtraum der lokalen Behörden. Denn ihr Erholungsraum mitten in der gepflegten Kleinstadt ist seit Jahren fest im Griff einer vielköpfigen Krähengruppe. Die Vogel-Gang lärmt unablässig, hinterlässt Dreck und sorgt für eine miese Stimmung im Park.

Entsprechend viele Reklamationen gingen in letzter Zeit im Münsinger Gemeindehaus ein. Ob man gegen diese schwarzen Störenfriede denn wirklich nichts ausrichten könne?, fragten die ruhebedürftigen Bürger.

So suchten die Behörden nach Lösungen und schauten sich bei den grossen Nachbarn im Kanton um. Es war ziemlich entmutigend. In Biel hatte man es mit einer Fütterungsverbot-Plakataktion versucht: ohne nennenswertes Ergebnis. In Thun mit CDs in den Baumkronen: ohne Wirkung. In Bern mit Uhu-Attrappen: nach kurzer Zeit wirkungslos. Auch die seit 2013 geltende Abschussfreigabe im Winter hat wenig zur Dezimierung beigetragen. Die Biester sind einfach zu clever und damit schwierig vor die Flinte zu kriegen.

Töne geben ihnen den Rest

Was tun?, fragten sich die Münsinger angesichts dieser Fehlschläge besorgt. Rettung nahte in der Person von Ulrich Lüthi. Der Naturheilpraktiker aus Kriechenwil ist auch Falkner und damit Herr über die ärgsten Feinde der Krähen. Regelmässige Besuche von ihm beziehungsweise von seinen Falken sollten die ungebetenen Parkbesucher für immer vertreiben.

So begegneten Spaziergänger und Jogger diesen Winter regelmässig einem Mann mit zwei Falken auf dem Arm, der durch den Park schlenderte. Der «Berner Zeitung» erklärte Lüthi Anfang Jahr, dass allein die Anwesenheit der Greifvögel genüge, die Krähen zu vertreiben. «Denn sie wissen, dass der Falke ein Jäger ist.» Die schrillen Töne geben ihnen den Rest.

So weit kommts noch: 2005 warnten Hinweisschilder Passanten in der Kieler Innenstadt vor einem möglichen Angriff eines rabiaten Krähenpaars. Foto: Heribert Pröpper (AP, Keystone)

Und jetzt, nach mehreren Wochen Vergrämungstaktik war in der Leserbriefspalte der gleichen Zeitung zu lesen: «Die Krähen sind weg! Eine Wohltat.» Lüthi und seine Greifvögel hatten es also geschafft. Endlich war Ruhe eingekehrt – doch die endete anderswo. Denn die schwarzen Vögel hatten sich natürlich nicht in Luft aufgelöst.

Neben einem Standort beim Pfadiheim unten bei der Aare und einem bei der Tennishalle, randalieren die Krähen neuerdings auf einer Blutbuche im Garten des Gemeindehauses. Also ausgerechnet dort, wo die Vertreibungsaktion initiiert wurde. Die Krähen beweisen damit nicht nur ihre Zähigkeit, sondern auch ein Gespür für eine gute Schlusspointe.

Erstellt: 31.03.2017, 11:20 Uhr

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