Zum Hauptinhalt springen

Volksläufer erhalten ungefragt Werbung von Krankenkassen

Hunderttausende starten jedes Jahr an Volksläufen. Viele von ihnen werden nun mit Werbung von Krankenkassen eingedeckt – denn die Veranstalter geben ihre Adressen an Sponsoren weiter.

J. D.* aus Villars-sur-Glâne FR ist erbost. Vor kurzem meldete sich bei ihm am Telefon ein Helsana-Mitarbeiter. Er wollte dem Sohn von D. eine Zusatzversicherung verkaufen. «Mein Sohn ist 16-jährig», sagt D., der sich wunderte, wie die Krankenkasse zur Adresse des Minderjährigen kam. Des Rätsels Lösung: Der Jugendliche hatte am traditionellen Murtenlauf teilgenommen. Bei der Anmeldung übersah er den Passus, wonach er mit der Weitergabe seiner Adresse an Sponsoren einverstanden sei. Murtenlauf-Pressesprecher Guido Bielmann bestätigt: «Ja, wir haben Adressen an unseren Sponsor Helsana weitergegeben.» Für D. ist das unhaltbar: «Dieser Hinweis war irgendwo versteckt», sagt er auf Anfrage, nachdem er den Fall via Westschweizer Radio publik gemacht hat.

Kein Lauf ohne Kassen-Sponsoring

Ähnlich wie dem Läufer aus Villars-sur-Glâne ergeht es einem Grossteil der gut 250'000 Hobbysportler, die jedes Jahr an Laufveranstaltungen teilnehmen. Denn praktisch alle wichtigen Rennen werden von Krankenkassen gesponsert, die an den Daten der Läuferinnen und Läufer brennend interessiert sind: Es gibt kaum bessere Risiken als junge, trainierte Personen. Entsprechend haben sich die Kassen ihr Sponsoring aufgeteilt: Helsana ist beim Greifensee- und beim Murtenlauf sowie via die Billigkasse Sansan beim Frauenlauf Bern aktiv, die Groupe Mutuel sponsert den Zürcher Silvesterlauf und den GP Bern, die CSS tritt beim Lucerne Marathon auf, Sympany beim Kerzerslauf und Swica ist Sponsor des Winterthur Marathons.

Bei den meisten Veranstaltungen findet man in einem Reglement versteckt die Bestimmung, dass die Adresse den Sponsoren weitergegeben werden kann. Falls jemand damit nicht einverstanden ist, muss er dies schriftlich dem Veranstalter mitteilen. Noch schwerer zu finden sind die Angaben auf den Homepages der Veranstalter, über die sich die meisten Teilnehmer anmelden. Auf der Site des Winterthur Marathons fehlt er zum Beispiel ganz. «Das werden wir ändern», sagt Organisator Renato Pedrett. Und auch Murtenlauf-Sprecher Bielmann räumt «Lücken» ein und verspricht Besserung. Gleichzeitig verweist er aber auf die Abhängigkeit der Veranstalter von den Sponsoren und auf den «Druck», den diese ausüben.

«Unprofessionalität und Naivität»

Helsana-Sprecher Rob Hartmans weist Druckversuche zurück. Er bedauert den Fall aus Villars-sur-Glâne, der auf «Unprofessionalität des Veranstalters und Naivität unsererseits» zurückzuführen sei: «Die Organisatoren haben uns die Altersangaben der Teilnehmer nicht weitergeleitet. Wir werden uns bei J. D. und seinem Sohn entschuldigen.» Helsana werde zudem darauf achten, dass für die Teilnehmer besser ersichtlich werde, dass ihre Adresse weitergegeben werden könne.

Laut Daniel Menna, dem Sprecher des Eidgenössischen Datenschutzbeauftragten, ist das Vorgehen der Murtenlauf-Veranstalter nicht datenschutzkonform. Für die Teilnehmer müsse bei der Anmeldung klar erkennbar sein, an wen und zu welchem Zweck ihre Daten weitergereicht würden: «Es genügt nicht, diese Bestimmung in einer Unterrubrik zu verstecken.» Zudem müsse die Option bestehen, sich auf einfache Weise gegen die Weitergabe auszusprechen – etwa mit einem Haken in einem Kästchen, der durch Mausklick deaktiviert werden könne.

Der Datenschutzbeauftragte hat die Murtenlauf-Veranstalter in einem Schreiben auf die Mängel hingewiesen. Handeln will auch Swiss Runners, der Dachverband der Laufveranstaltungen. «Wir werden unsere Mitglieder wieder vermehrt für Datenschutz-Anliegen sensibilisieren», sagt Präsident Erich Ogi.

* Name der Redaktion bekannt.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch