Vom Staatsbetrieb zum Start-up? Schwierig

Der Versuch, aus der Rüstungssparte der Ruag eine Entwicklerschmiede zu machen, musste schiefgehen.

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Es gibt in der Software-Industrie eine böse Umschreibung für Programme, die gross angekündigt werden, sich dann immer wieder verzögern – und am Ende oft nie auf den Markt kommen: Vaporware, «Dampfware». Dieser Begriff geht einem durch den Kopf, wenn man sich näher mit grossspurig angekündigten Eigenkreationen des staatlichen Rüstungskonzerns Ruag beschäftigt – vor allem in dessen Defence-Division. Im Februar 2015 kündigte ein Ruag-Manager an der Waffenmesse Idex in Abu Dhabi einen neuen Hightech-Minenwerfer an, die Cobra. Keinen Monat später pries derselbe Manager an der Computermesse Cebit in Hannover eine selbst entwickelte digitale Alarmanlage gegen Hacker an. In beiden Fällen hörte sich der Marketingsprech an, als könnten Kunden sofort zugreifen und ein erprobtes Produkt kaufen.

Die Alarmanlage kam nie auf den Markt. Die Entwicklung wurde still und leise eingestellt. Von der Cobra sind heute zwar einige Exemplare in Oman im Einsatz, aber der Hauptkunde, die Schweizer Armee, hat erst jetzt einen Prototyp erhalten. Zugegeben, die Waffe ist komplex, und mit Mowag ist eine zweite Firma involviert. Aber mehrere Jahre Verspätung?

Das Resultat des Ruag-Experiments: Manager, die unter massivem Erfolgsdruck unausgereifte Produkte überverkauften.

Insider sehen das Problem in der Firmenkultur. Ein Kenner nennt die Defence-Sparte liebevoll «Armee-Garage» – reparieren, schmieren, warten. Kein Vergleich zu Ruag Space, die mit 3-D-Druckern Raketenteile fertigt.

Der Sprung vom Staatsbetrieb zur Entwicklerschmiede ist schwierig. Das Resultat des Ruag-Experiments: Manager, die unter massivem Erfolgsdruck von oben unausgereifte Produkte überverkauften. Möglich gemacht von einer politischen Aufsicht, die sich von «Cyber ist die Zukunft!»-Slogans verwirren liess, statt dem Management auf die Finger zu schauen. Immerhin: Mit der Zerschlagung der Ruag in zwei Teile soll die Defence-Sparte wieder mehr zur Armee-Garage werden. Das leuchtet ein.

Und der Minenwerfer? Der Prototyp ist weiterhin fehlerhaft. Damit ist die Gefahr noch nicht gebannt, dass die Armee auf Vaporware gesetzt hat. Auf heisse Luft.

(Redaktion Tamedia)

Erstellt: 24.04.2019, 22:02 Uhr

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