«Von den sogenannten Superlöhnen bleibt nicht mehr so viel»

Serge Gaillard kritisierte die Gehälter der Spitzenbeamten. Sind die Löhne beim Bund gar höher als im Bankensektor? Dazu der Generalsekretär des Kadervereins.

Christian Furrer verwahrt sich dagegen, dass Spitzenbeamte des Bundes zu viel verdienen. Foto: PD

Christian Furrer verwahrt sich dagegen, dass Spitzenbeamte des Bundes zu viel verdienen. Foto: PD

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Herr Furrer, Sie sind Generalsekretär des Kadervereins des Bundes. Verdienen die hohen Beamten in Bern zu viel?
Nein, das würde ich so nicht sagen. Sie verdienen sicher gut.

Serge Gaillard, der Direktor der Finanzverwaltung, ist anderer Meinung. Er kritisiert, dass die Löhne der höchsten Beamten stärker steigen als jene der normalen Staatsangestellten.
Diese Kritik irritiert mich. Herr Gaillard hat 2016 an der Überprüfung des Lohnsystems des Bundes mitgewirkt. Er hätte notwendige Korrekturen damals einbringen können. Das ist aber nicht geschehen. Auch Bundesrat Ueli Maurer hätte überrissenen Löhnen bestimmt einen Riegel geschoben.

Inhaltlich stimmt Gaillards Kritik?
Vor drei Jahren gab es eine externe Überprüfung der Löhne beim Bund. Das Gutachten kam zum Schluss, dass das heutige System angemessen und ausbalanciert ist. Das Verhältnis zwischen dem tiefsten und dem höchsten Lohn beträgt 1 zu 6,5. Die Spreizung ist also im Rahmen dessen, was auch die 1:12-Initiative der Juso für akzeptabel hält. Von Abzocke kann man da wirklich nicht reden.

Gaillard kritisiert unter anderem die Anhebung der höchsten Kaderlöhne um 5 Prozent. Wie lässt sich eine solche Massnahme rechtfertigen?
Diese Massnahme wurde 2008 von Bundesrat Hans-Rudolf Merz umgesetzt. Ziel war es, einige Lohn-Nullrunden in den Jahren zuvor auszugleichen. Zudem hatte der Bund damals Mühe, Personal für das oberste Kader zu finden. Diese Rekrutierungsprobleme sind heute weitgehend Geschichte.

Kein Wunder. Ein Amtsdirektor wie Serge Gaillard verdient pro Jahr bis zu 350'000 Franken.
Herr Gaillard sagt ja selbst, dass ein Drittel seines Lohnes für die Steuern weggeht. Weitere 20 Prozent gehen an die Sozialversicherungen. Unter dem Strich bleibt Herrn Gaillard dann auch nicht mehr so viel. Bei diesen sogenannten Superlöhnen muss man schon die Relationen sehen.

Kritik gibt es auch am Durchschnittslohn beim Bund. Er ist innert zehn Jahren von 108'000 auf 122'000 Franken gestiegen. Ist das nicht sehr grosszügig?
Der Durchschnittslohn ist hoch, das ist unbestritten. Die SVP moniert ja gerne, dass die Löhne beim Bund sogar höher seien als im Bankensektor. Es ist allerdings ungewiss, ob bei diesem Vergleich die Spitzensaläre der Banker und die Boni eingerechnet sind.

«Vor 20 Jahren arbeiteten noch viele KV-Absolventen beim Bund. Heute sind es eher Hochschulabsolventen.»

Die Lohnsteigerung ist aber dennoch beeindruckend.
Ja. Aber es gibt Gründe dafür, zum Beispiel die Akademisierung des Personalbestandes. Vor 20 Jahren arbeiteten noch viele KV-Absolventen beim Bund. Heute sind es eher Hochschulabsolventen. In den oberen Lohnklassen haben schon 77 Prozent der Mitarbeiter eine Hochschulausbildung. Zudem vergleicht die SVP die Löhne beim Bund gerne mit den Gehältern in einem KMU. Dieser Vergleich hinkt.

Warum?
Er bildet nicht die wahre Konkurrenzsituation auf dem Arbeitsmarkt ab. Bei den Akademikern und auch bei Informatikern, Steuerspezialisten und Revisoren steht der Bund in einem harten Wettbewerb mit grossen Unternehmen der Privatwirtschaft. Bundesrat Ueli Maurer hat selbst gesagt, dass man hier Spitzenlöhne zahlen müsse. Sonst könne man zum Beispiel mit den grossen Treuhandfirmen und Steueranwälten fachlich nicht auf Augenhöhe verhandeln. Dass der Staatssekretär für internationale Finanzfragen kürzlich zur Bankiervereinigung abgesprungen ist, zeigt doch, dass ein Seitenwechsel finanziell sehr attraktiv sein kann.

Auch dieser Vergleich ist problematisch. Wenn die Steuerzahler für die Löhne aufkommen, müssen Gehälter sozial akzeptiert sein.
Das stimmt. Ich habe aber den Eindruck, dass dies aktuell der Fall ist.

In verschiedenen Städten gab es Volksinitiativen zur Reduktion der Gehälter von Politikern. Das zeigt doch, dass es in der Bevölkerung Unmut gibt.
Ja, das trifft zu. Auf Bundesebene wird ja auch immer wieder die Ruhegehaltsregelung der Bundesräte kritisiert.

Beunruhigt Sie das nicht?
Das ist insgesamt trotz allem ein Detail. Viele Kantone haben die Ruhegehälter abgeschafft.

Sie haben keine Angst vor einer Initiative «Keine Löhne beim Bund über 300'000 Franken»?
Ich spüre im Moment keine akute Kritik in diese Richtung. Das Lohnsystem gibt es schon seit bald 20 Jahren. Es ist insgesamt ausgewogen. Und es ist gut akzeptiert.

Erstellt: 08.08.2019, 18:18 Uhr

Zur Person

Christian Furrer ist der Generalsekretär des Kadervereins des Bundes. Der Jurist wirkte von 1996 bis 2006 als Direktor des Bundesamtes für Wasser und Geologie. Zuvor war er Generalsekretär im damaligen Verkehrs- und Energiewirtschaftsdepartement.

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