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Von der «Härdöpfler»- zur Wellness-Generation

Jeder Schweizer trinkt pro Jahr acht Liter reinen Alkohol. Vor hundert Jahren war der Konsum doppelt so hoch.

Der durchschnittliche Alkoholkonsum liegt in der Schweiz heute nur noch knapp höher als während und unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg. Damals erreichte die Trinklust ihren Tiefpunkt. Danach ging es - parallel zum steigenden Wohlstand - aufwärts mit dem Bier-, Wein- und Schnapsgenuss. Seit den frühen 80er- Jahren ist der Konsum jedoch wieder rückläufig. Experten verweisen auf den Wellnessboom. Die Leute hätten realisiert, dass alkoholische Getränke sich auf Aussehen und Befinden unvorteilhaft auswirken würden.

Kaum ein Land hat den Alkoholkonsum statistisch so gut dokumentiert wie die Schweiz. Mit der Folge, dass sich bis ins vorletzte Jahrhundert zurückverfolgen lässt, wie tief Schweizerinnen und Schweizer ins Glas guckten. 1880 trank jeder Schweizer mehr als 14 Liter reinen Alkohol. In den 1890er-Jahren waren es sogar mehr als 15 Liter. Konsumiert wurde vor allem Branntwein; doch auch dem Wein und besonders dem Obstwein wurde üppig zugesprochen.

Der Bund griff ein

Der Schnapsboom war die Kehrseite der 1874 eingeführten Handels- und Gewerbefreiheit. Diese hatte zur Folge, dass jeder und jede ohne Vorschriften Alkohol ausschenken durfte. Meist wurde Kartoffelschnaps («Härdöpfler») aufgetischt - oft eigenhändig gebrannt und von bedenklicher Qualität.

Der Bund reagierte, indem er das Alkoholgesetz formulierte, die Kontrolle über die Branntweinproduktion übernahm und den Verkauf besteuerte (1887). Die Einnahmen wurden an die Kantone verteilt. Der Schnapskonsum ging in der Folge markant zurück. Wurden 1880 pro Kopf 12 Liter Spirituosen getrunken, waren es im Jahr 2000 nur noch 4 Liter. Der Weinkonsum sank derweil von 70 auf 43 Liter, der Obstweingenuss gar von 22 auf 3 Liter. Beliebter geworden ist dagegen das Bier. 1880 wurden 36 Liter getrunken, 2000 waren es 59.

Gotthelfs Abrechnung

Die «Kartoffelschnapspest» machte der Schweiz (und nicht nur der Schweiz) schon in den Jahrzehnten vor 1874 zu schaffen. Der Branntwein war billig und die Lebensumstände widrig - da diente der «Härdöpfler» bei der armen Bevölkerung erstens als Mittel, um den Hunger zu stillen, und zweitens als Möglichkeit, die grossen und chronischen Alltagssorgen wenigstens temporär zu vergessen.

Als Reaktion darauf begann sich im Lauf des 19. Jahrhunderts die Antialkoholbewegung zu formieren. Zu ihren ersten Botschaftern gehörten die Schriftsteller Heinrich Zschokke und Jeremias Gotthelf. Zschokke schrieb 1837 «Die Branntweinpest». Im Jahr darauf veröffentlichte Gotthelf seine Geschichte «Wie fünf Mädchen im Branntwein jämmerlich umkamen».

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