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Wähler wetten auf unbekannte Pferde

Gewinner der Zürcher Wahlen sind die neuen Mitteparteien. Noch ist aber kaum bekannt, wer deren Politik umsetzen wird. Ein Kommentar von Redaktion Tamedia-Reporterin Claudia Blumer.

Die Grünliberalen sind in den vergangenen Jahren zur erfolgversprechenden Trendpartei der progressiven Linkswähler geworden. Doch diesen erdrutschartigen Gewinn hatte sich wohl selbst Parteipräsident Martin Bäumle in den kühnsten Träumen nicht erhofft. Die Grünliberalen haben im Kanton Zürich fast um das Doppelte ihres bisherigen Wähleranteils zugelegt und überholen damit die Grünen, die bei den letzten Wahlen auf die Überholspur wechselten und seither einen Bundesratssitz fordern. Nach den Verlustprognosen müssen die Grünen nun froh sein, ihren Wähleranteil überhaupt halten zu können. Umweltfreundlich und wirtschaftlich scheint heute die Zaubermischung für politischen Erfolg zu sein.

Für die Grünliberalen ein Traumresultat – für die CVP ein Albtraum. Sie verliert mit der Abwahl von Hans Hollenstein einen Regierungssitz und büsst proportional am meisten Parlamentssitze ein. Auch die FDP und die EVP verlieren massgeblich. Doch insgesamt hat die Mitte ihren Wähleranteil behalten, die Verluste der alten Parteien werden durch die Gewinne der neuen, Grünliberale und BDP, wettgemacht. Offenbar trauen die Wähler den neuen Mitteparteien mehr zu, obwohl sie damit auf unbekannte Pferde wetten - die Grünliberalen müssen geeignetes Personal erst noch rekrutieren, wer deren Politik umsetzt, ist ungewiss. Die Polparteien SP und SVP haben beide verloren, wenn auch nur wenig. Doch aus der Sicht der SP ist das Resultat nach dem massiven Verlust von 2007 dennoch enttäuschend. Die Partei hatte gehofft, ihren Sinkflug im Wahljahr 2011 endlich stoppen zu können.

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