Wann ist die AHV pleite? 6 Fragen zum Reform-Nein

Plan B gefragt, Bedeutung des Nein für die Frauen, Gefährdung der Pensionskassen: Antworten auf drängende Fragen.

Der Sieger erklärt sich: Hans-Ulrich Bigler vom Gewerbeverband gibt nun die Stossrichtung vor.
Video: SDA-Keystone

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Kann die AHV nun bald die Renten nicht mehr auszahlen?
Nein, die AHV hat noch keine akuten Finanzierungsprobleme. Zurzeit verfügt sie noch über ein Vermögen, das eine ganze Jahresausgabe deckt. Allerdings wird die stark steigende Zahl der Rentner in den nächsten Jahren dazu führen, dass die AHV deutlich mehr Geld ausgibt, als sie einnimmt. Dieses sogenannte Umlageergebnis ist bereits heute negativ. Das Defizit wird 2020 die Milliardengrenze erreichen und danach stetig steigen. Bis 2025 wird das AHV-Vermögen um rund 10 Milliarden schrumpfen. Ohne Reformen – Zusatzeinnahmen oder Einsparungen – ist die AHV voraussichtlich 2030 pleite.

Kann ich als Frau jetzt weiterhin mit 64 in Rente gehen?
Ja, mit der Ablehnung der Rentenreform bleibt das Frauenrentenalter weiterhin bei 64 Jahren. Allerdings wird jeder neue Anlauf zu einer AHV-Revision das Frauenrentenalter 65 enthalten. Deshalb müssen die Frauen damit rechnen, dass die Rentenaltererhöhung einige Jahre später trotzdem kommt.

Sind die Pensionskassen gefährdet?
Die Pensionskassen müssen auch für künftige Rentner Pensionen zu einem überhöhten Umwandlungssatz ausrichten. Dies führt dazu, dass die Renten der obligatorischen beruflichen Vorsorge zu hoch sind gemessen an der Lebenserwartung der Versicherten. Die heutigen Erwerbstätigen müssen deshalb die Renten quersubventionieren. Ein Problem kann das vor allem für jene Pensionskassen werden, die nur das gesetzliche Obligatorium abdecken. Rund 15 Prozent der Erwerbstätigen haben keine überobligatorischen Leistungen. Im schlimmsten Fall gerät eine Pensionskasse in Unterdeckung und muss Sanierungsbeiträge erheben.

Umfrage

Was sorgte Ihrer Meinung nach am meisten für Nein-Stimmen?

70 Franken AHV-Zuschlag

 
30.3%

Erhöhung des Frauen-Rentenalters auf 65

 
13.0%

Senkung des Umwandlungssatzes in der Pensionskasse

 
21.8%

Benachteiligung der Jungen

 
15.5%

Keine Ahnung, Nein ist für mich rätselhaft

 
19.4%

10186 Stimmen


Was passiert mit der Mehrheit der Versicherten, die überobligatorische Pensionskassenleistungen haben?
Diese Pensionskassen haben ihren Umwandlungssatz, der die Höhe der Renten bestimmt, bereits in den letzten Jahren gesenkt, zum Teil massiv. Das ersehen die heutigen Erwerbstätigen in ihrem Pensionskassenausweis, den sie jedes Jahr erhalten. Die Rentenaussichten haben sich in den letzten Jahren massiv verschlechtert. Die Pensionskassen dürfen die Renten so weit senken, wie die gesetzlichen Mindestvorgaben immer noch eingehalten werden.

Was macht die Politik nun?
Die FDP hält einen Plan B bereit, den sie nun in die politische Diskussion einbringt. Gemäss diesem Plan werden AHV und zweite Säule separat saniert. Vordringlich ist die Finanzierung der AHV. Deshalb will die FDP das Frauenrentenalter auf 65 Jahre anheben und die Mehrwertsteuer erhöhen. Um wie viel die FDP die Steuer anheben will, ist noch offen. Das Problem ist, dass es erneut eine Volksabstimmung braucht und eine rasche Neuauflage nur möglich ist, wenn sich das Parlament einigt. Die Linke wird bei einer separaten AHV-Vorlage kaum mitmachen. Ein bürgerlicher Schulterschluss ist hingegen durchaus möglich. Die Frage ist dann, ob sie das Volk überzeugen können.

Bleibt die Mehrwertsteuer nach dem Nein einfach gleich?
Nein, die Mehrwertsteuer sinkt auf den 1. Januar 2018 sogar um 0,3 Prozentpunkte. Der Normalsatz beträgt dann noch 7,7 Prozent. Dies liegt daran, dass die Zusatzfinanzierung von 0,4 Prozentpunkten Mehrwertsteuer der Invalidenversicherung Ende 2017 ausläuft. 0,1 Prozentpunkte fliessen in die Finanzierung des öffentlichen Verkehrs, dies wurde vom Volk bereits beschlossen. Die restlichen 0,3 Prozentpunkte dürfen nicht mehr weiter erhoben werden. Der Konsum wird also nächstes Jahr billiger, sofern die Steuersenkung den Konsumenten weitergegeben wird.

Video: Das sagt Berset nach seiner Niederlage

Hat seine Vorlage nicht durchgebracht: Bundesrat Alain Berset vor den Medien. (24. September 2017) Video: Peter Schneider/Keystone

Video: Das Sieger-Interview

Der Präsident der Jungfreisinnigen, Andri Silberschmidt, äussert sich zum Absturz der Rentenreform. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 24.09.2017, 14:12 Uhr

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