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«Wann wird der Gripen zur Drohne?»

Die Ruag arbeitet an der Entwicklung einer Kampfdrohne mit. Die unbemannten Flugzeuge werden militärisch wichtiger. Experte Albert Stahel kann sich sogar vorstellen, dass der Gripen dereinst umgerüstet wird.

Es war das erste Mal, dass ein Prototyp der europäischen Neuron-Kampfdrohne in die Luft stieg: Am Samstag fand auf einem Testgelände bei Marseille der Jungfernflug des unbemannten Tarnkappen-Kampfflugzeugs statt. Der Testflug dauerte etwa 25 Minuten und sei perfekt verlaufen, wie der Generalauftragnehmer Dassault danach mitteilte. Das ist auch für die Ruag eine gute Nachricht: Der Schweizer Rüstungskonzern engagiert sich neben Frankreich, Italien, Schweden, Spanien und Griechenland mit Entwicklungsgeldern für das 400-Millionen-Euro-Projekt.

«Die Ruag ist mit zwei Teilprojekten an Neuron beteiligt», bestätigt Mediensprecher Jiri Paukert. Einerseits sei man im Bereich der aerodynamischen Entwicklung engagiert, anderseits bei der Entwicklung und Herstellung des Pantographen, einer Nutzlastaufhängevorrichtung. Wie gross die finanzielle Beteiligung der Ruag ist, möchte Paukert nicht kommentieren. Er betont aber, welche Bedeutung es für den Konzern hat, an der Entwicklung der europäischen Drohne mitzuarbeiten: «Wir können durch diese Zusammenarbeit das bereits bestehende Know-how im Bereich dieser wichtigen Zukunftstechnologie stärken.»

«Der Gripen ist entwicklungsfähig»

«Die militärische Zukunft gehört der Drohne», sagt auch Albert A. Stahel, Militär- und Strategieexperte an der Universität Zürich. Und er geht noch einen Schritt weiter: «In zehn Jahren sind die heute im Einsatz stehenden Kampfflugzeugtypen veraltet, weil sie bis dahin von der Drohnentechnologie abgelöst werden.» Steht die Schweiz dann also mit neuen Flugzeugen da, die, kaum fertig produziert, schon wieder überholt wären? Denn die ersten Gripen-Kampfflugzeuge sollen, falls das Geschäft durchkommt, erst 2018 geliefert werden.

Stahel verneint dies: Der Gripen sei – im Gegensatz zum Rafale-Kampfflugzeug aus Frankreich und zum Eurofighter aus Deutschland – entwicklungsfähig. «Er erfüllt die technischen Voraussetzungen, um zu einer Drohne umfunktioniert zu werden.» So sei der Gripen zum Beispiel viel kleiner als die anderen beiden Flugzeugtypen und könnte aufgrund bestehender Konzepte mit Systemen ausgerüstet werden, die eine Einsatzfähigkeit als Drohne ermöglichen würden. Deshalb ist es laut Stahel aus strategischer Perspektive auch richtig, dass der Bundesrat sich für den Gripen entschied. Denn dass die Schweiz den Technologiewandel mitmachen müsse, stehe nicht zur Diskussion. Die richtige Frage müsse lauten: «Wann wird der Gripen zur Drohne?»

Armee testet neue Drohnenmodelle

«Gar nie», ist die Antwort auf diese Frage laut Thomas Hurter, SVP-Nationalrat und Präsident der Gripen-Subkommission. Der Gripen könnte zwar eventuell umgerüstet werden, so Hurter, «aber ein solcher Systemwechsel wäre nicht so einfach, wie sich das vielleicht anhören mag, und darum viel zu teuer.» Es macht in seinen Augen auch wenig Sinn, ein bestehendes Kampfflugzeug zur Drohne umzubauen. «Daraus entsteht immer nur ein Kompromiss und nicht viel mehr.»

Hurter glaubt deshalb auch nicht, dass der Kampfjet in absehbarer Zukunft ganz von der unbemannten Drohne abgelöst wird. In gewissen Bereichen könne sie den Jet zwar ersetzen, zum Beispiel bei Grenzaufklärungen. Doch es gebe nach wie vor Aufgaben, für die ein Pilot an Bord unabdingbar sei, zum Beispiel im luftpolizeilichen Dienst. Die Schweizer Armee werde in Zukunft deshalb auf eine Kombination aus beiden Technologien setzen, glaubt Hurter.

Ab 2017 soll die Armee denn auch sechs neue Drohnen zur Luftaufklärung erhalten: Im Zuge des Rüstungsprogramms 2015 werden die alten Aufklärungsdrohnen 95 durch neue ersetzt. In einem Auswahlverfahren über mehrere Phasen hat die Armasuisse seit Projektbeginn im Juli 2011 bei neun verschiedenen Firmen in England, Frankreich, Israel, Italien, Südafrika und den USA Offerten eingeholt. Im Oktober wurde den Medien ein Modell vom Typ Hermes 900 der israelischen Rüstungsfirma Elbit Systems vorgestellt. Für die sechs neuen Drohnen hat der Armeestab ein Budget von 300 bis 400 Millionen Franken vorgesehen.

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