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Warum besucht der König von Bahrain die Schweiz?

Bundespräsident Johann Schneider-Ammann empfängt am Donnerstag Hamad Bin Isa Al Khalifa. Experten tun sich schwer damit, über Gesprächsthemen zu spekulieren.

Wenig Details sind über seinen Besuch bekannt: Hamad Bin Isa Al Khalifa, hier während eines Meetings in Manama. (7. April 2016)
Wenig Details sind über seinen Besuch bekannt: Hamad Bin Isa Al Khalifa, hier während eines Meetings in Manama. (7. April 2016)
Keystone

Der König des Golfstaats Bahrain, Hamad Bin Isa Al Khalifa, weilt am Donnerstag zu einem offiziellen Arbeitsbesuch in Bern. Johann Schneider-Ammans Wirtschafts- und Bildungsdepartement hält sich bedeckt mit Details zum Besuch. Angesprochen werden sollen bilaterale Themen, hiess es in der Ankündigung des Besuchs. Es solle der Beitrag der Schweiz zu Frieden und Stabilität in der Golfregion diskutiert werden.

Gab es bis Mitte 2014 nach Auskunft des Aussendepartements EDA kaum Kontakte mit dem Königreich, haben sie sich seither intensiviert. Staatssekretär Yves Rossier traf sich demnach zweimal mit seinem Amtskollegen und war auch einmal zu einem Arbeitsbesuch in Manama.

«Schweiz am Golf»

Auch offizielle Besuche des Königs von Bahrain sind rar. Seit 2012 hat das Königreich aber laut Marc Valeri, Bahrain-Spezialist an der Universität Exeter, seine Diplomatie verstärkt auf Bemühungen um Geschäfte und Investitionen ausgerichtet. Bahrain wolle eine Art «Libanon am Golf» werden, oder sogar eine «Schweiz am Golf».

Mit seinen Offshore-Banken - unter anderen unterhält auch die UBS eine Filiale - versuche das Königreich Kapital von der arabischen Halbinsel anzulocken, sagte Valeri. Es versuche sich in diesem Geschäftsbereich zu profilieren.

Jean-Paul Burdy, Geschichtsprofessor am Institut d'Etudes Politiques de Grenoble, bestätigt, dass das Land sich um wirtschaftliche Unterstützung und ausländische Investitionen bemüht. «Die Wirtschaft läuft nicht gut seit 2011 und es findet eine Kapitalflucht statt», sagte der Bahrain-Spezialist.

Seit die sunnitische Führung vor fünf Jahren einen Aufstand aus der schiitischen Bevölkerungsmehrheit niederschlagen liess, blieb das kleine Königreich gespalten.

Unmut über Interventionen

Ein besonderes Augenmerk gibt Bahrain in Bezug auf die Schweiz auch dem UNO-Menschenrechtsrat, dessen Sitz sich in Genf befindet. Dort kommt es laut Valeri immer wieder zu hitzigen verbalen Austauschen zwischen Regierung und Opposition. Zwar protestiere das Land regelmässig dagegen, dass der Opposition dort eine Bühne gegeben werde. Dieser Protest richte sich aber nicht direkt gegen die Schweiz.

Die Schweiz und 32 weitere Länder prangerten im vergangenen September Menschenrechtsverletzungen in Bahrain an. Die Erklärung habe einen diplomatischen Protest ausgelöst, schrieb der frühere Diplomat François Nordmann am Dienstag in der Westschweizer Zeitung «Le Temps». Sämtliche Golfstaaten hätten sich damals mit Bahrain solidarisiert.

Seither habe die Schweiz mit Gesten versucht, das Vertrauen des Landes wiederzugewinnen, aber auch die Legitimität der Bedenken zur Menschenrechtslage zu unterstreichen, schrieb Nordmann weiter. Erst vor drei Wochen genehmigte der Bundesrat den Export von Kriegsmaterial an den Golf, unter anderem an Bahrain.

Geschichtsprofessor Burdy gibt schliesslich zu bedenken, dass der König - entgegen dem Anschein - nur eine beschränkte Macht im Regime hat. «Der starke Mann ist sein Onkel, Khalifa bin Salman Al-Khalifa, Regierungschef seit 1971.» Er sei der reichste und mächtigste Mann im Land.

SDA/woz

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