«Was die FDP macht, ist anmassend»

Beatrice Simon (BDP) fühlt sich von den Freisinnigen hintergangen. Um den bürgerlichen Sitz nicht zu gefährden, habe sie ihre Ständeratskandidatur trotzdem zurückgezogen.

Weil die FDP bockte, verzichtete Beatrice Simon zähneknirschend auf den zweiten Wahlgang.

Weil die FDP bockte, verzichtete Beatrice Simon zähneknirschend auf den zweiten Wahlgang. Bild: Raphael Moser

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Beatrice Simon, wie gross ist die Enttäuschung nach Ihrem Ausscheiden aus dem Ständeratsrennen?
Die Enttäuschung hält sich in Grenzen. Am Ende war es mein persönlicher Entscheid, nicht mehr anzutreten. Ich habe seither viele positive Rückmeldungen von Leuten erhalten, die sich darüber freuen, dass ich nun weiterhin Regierungsrätin bleibe.

Was war entscheidend für Ihren Rückzug?
Das Verhalten der FDP. Wir hatten unter den bürgerlichen Parteien die Abmachung, dass wir am Montag nach den Wahlen zusammenkommen und besprechen, wer im zweiten Wahlgang antritt. Die FDP hat diese Abmachung gebrochen. Sie hat bereits am Sonntagabend gefordert, dass Christa Markwalder im zweiten Wahlgang erneut kandidiert. Dieses Vorpreschen war irritierend und ist für mich unverständlich.

Eine Kandidatur Markwalders schliesst aber nicht aus, dass Sie auch antreten.
Es macht keinen Sinn, wenn drei Bürgerliche gleichzeitig kandidieren. Das würde nur zu einer Verzettelung der Stimmen führen und die Wahlchancen der beiden Linken erhöhen.

Und die SVP wollte nicht verzichten?
Wieso sollte sie auch? Werner Salzmann hat das beste Ergebnis von uns dreien erzielt. Es wäre an der FDP und Christa Markwalder gewesen, sich zurückzuziehen. Mein Ergebnis war deutlich besser als ihres. Die Sturheit der Liberalen hat am Ende ein Zweierticket mit den beiden bestplatzierten Bürgerlichen verhindert.

Dann sind Sie vor den Forderungen der FDP eingeknickt?
Ganz bestimmt nicht. Es war mein eigener bewusster Entscheid, nicht anzutreten. Letztendlich war das auch eine Frage der Vernunft: Ich wollte den bürgerlichen Sitz im Ständerat nicht zusätzlich gefährden. Die BDP hat sich an die Abmachung gehalten, die anderen beiden Parteien nicht.

Sind Sie an dieser Situation nicht auch selbst schuld?
Wieso?

Am Sonntag haben Sie gesagt, Sie hätten von vielen Wählern die Rückmeldung erhalten, dass diese Sie lieber als Regierungsrätin denn als Ständerätin möchten.
Diese Aussage wurde völlig aus dem Kontext gerissen. Ich habe die Reaktion der Wähler als Begründung dafür angeführt, weshalb ich im ersten Wahlgang nicht mehr Stimmen erzielte. Dass ich mich damit aus dem Rennen um den Ständeratssitz nahm, war eine Interpretation, die ich nicht nachvollziehen kann.

Auch die FDP und Christa Markwalder haben Ihre Aussage so verstanden.
Ich finde es anmassend, wenn das von der FDP als Argument verwendet wird, weshalb es besser sei, dass ich nicht mehr antrete. Meine Aussage diente einzig der Erklärung meiner Wählerstimmen im Vergleich zu den Regierungsratswahlen. Ich rechnete am Sonntagabend noch fest damit, dass ich auch im zweiten Wahlgang dabei sein werde.

Sie hatten ursprünglich geäussert, nicht zugunsten eines anderen Bürgerlichen auf den zweiten Wahlgang verzichten zu wollen. Trotzdem machen Sie nun genau das. Und Ihr Versprechen, das Nationalratsmandat anzunehmen, halten Sie auch nicht ein. Setzen Sie damit nicht Ihre politische Glaubwürdigkeit aufs Spiel?
Als ich diese Aussagen machte, war die Ausgangslage noch eine ganz andere als heute. Inzwischen hat die BDP im nationalen Parlament ihre Fraktionsstärke verloren. Als Nationalrätin müsste ich mich deshalb einer anderen Fraktion anschliessen. Das ist keine Option für mich. Ich will als Nationalrätin die Interessen der BDP vertreten und nicht diejenigen einer anderen Partei. Da kann ich im Regierungsrat mehr bewirken.

Aber Ihre Ankündigung, dass Sie 2022 nicht noch einmal für den Regierungsrat kandidieren, gilt?
Diese Aussage gilt unverändert und ich werde bis Ende Mai 2022 Finanzdirektorin sein.

Die Ereignisse um die BDP und Ihre Person in den letzten Tagen haben Ihrem Renommee geschadet. Schwächt das Ihre Position im Regierungsrat?
Nein, ich glaube nicht, dass dies in irgendeiner Form Auswirkungen haben wird.

Welche Zukunft sehen Sie für Ihre Partei?
Wir wollen uns auf den Kanton Bern fokussieren und hier gute Arbeit leisten. Im Grossen Rat besteht die BDP-Fraktion aus 13 Personen und wir sind in der Regierung vertreten. So können wir auch in Zukunft die kantonale Politik aktiv mitprägen.

Erstellt: 22.10.2019, 20:31 Uhr

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