Was die Kriegsgeschäfte-Initiative für Pensionskassen bedeutet

Die heute eingereichte Initiative will Pensionskassen verbieten, in Rüstungsfirmen zu investieren. Experte Stefan Thurnherr sieht höhere Kosten auf die Kassen zukommen.

Personen mit Fahnen und Unterschriftenbögen posieren heute auf dem Bundesplatz während der Einreichung der Kriegsgeschäfte-Initiative der GSoA bei der Bundeskanzlei Bild: Anthony Anex/ Keystone

Personen mit Fahnen und Unterschriftenbögen posieren heute auf dem Bundesplatz während der Einreichung der Kriegsgeschäfte-Initiative der GSoA bei der Bundeskanzlei Bild: Anthony Anex/ Keystone

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Heute haben die Gruppe für eine Schweiz ohne Armee (GSoA) und die Jungen Grünen mit über 100'000 gültigen Unterschriften ihre Initiative eingereicht. Die GSoA hatte die Initiative «Für ein Verbot der Finanzierung von Kriegsmaterialproduzenten» im April 2017 lanciert. Das Bündnis für ein Verbot von Kriegsgeschäften, das rund 40 Organisationen umfasst, will Nationalbank, Stiftungen und Pensionskassen verbieten, in Kriegsmaterialproduzenten zu investieren. Als solche gelten Unternehmen, die mehr als 5 Prozent ihres Jahresumsatzes mit der Herstellung von Rüstungsgütern erzielen. Laut den Initianten würde das Volksbegehren weder die Rentabilität der Pensionskassengelder gefährden noch die Pensionskassen vor Schwierigkeiten bei der Anpassung ihrer Anlagestrategie stellen. Wie sieht das Stefan Thurnherr, Pensionskassenexperte beim VZ Vermögenszentrum?

Was halten Sie persönlich von Investments in Rüstungsfirmen?
Ich bin aus ethischen Gründen dagegen, in Rüstungsfirmen zu investieren. Aber die Initiative fokussiert ausschliesslich auf die Rüstung. Aus meiner Sicht stellt sich grundsätzlich die Frage nach der Nachhaltigkeit. Und Rüstungsfirmen sind nur ein Aspekt einer Anlagestrategie, die die soziale und ökologische Verantwortung wahrnehmen will.

Rät das VZ Ihren Pensionskassenkunden von Investitionen in Rüstungsfirmen ab?
Das ist kaum nötig. Unsere Erfahrungen zeigen, dass bereits heute für die meisten grossen Pensionskassen Nachhaltigkeit ein ganz wichtiges Thema ist. Anders als früher handelt es sich nicht mehr nur um Lippenbekenntnisse.

Kriegsgeschäfte seien nicht rentabler als andere Investitionen, behaupten die Initianten. Stimmt das?
Ja, wer nachhaltig investiert, muss keine Abstriche bei der Rendite machen. Allerdings ist es für die grossen Pensionskassen mit einem Anlagevermögen von 1 Milliarde Franken und mehr viel einfacher, nachhaltig zu investieren. Die kleinen und mittleren Vorsorgeeinrichtungen und Stiftungen haben es viel schwieriger, da sie sich es nicht leisten können, gezielt in bestimmte Unternehmen zu investieren. Sie legen unter anderem aus Kostengründen ihr Vermögen in sogenannten ETF oder Indexfonds an, deren Aktien und Obligationen einen bestimmten Markt so genau wie möglich abzubilden versuchen.

Gibt es keine nachhaltigen Fonds?
Es gibt noch keine Fonds, die gezielt nur Rüstungsfirmen ausschliessen. Es gibt aber bereits eine vernünftig breite Produktepalette an nachhaltigen ETF oder Indexfonds. Und wir gehen davon aus, dass das Angebot in den nächsten 12 bis 18 Monaten deutlich ausgebaut wird.

…und diese wären genauso rentabel wie herkömmliche Fonds?
Richtig. Dazu gibt es verschiedene Studien, die nachweisen, dass nachhaltiges Anlegen nicht mit Renditeabstrichen verbunden ist.

Braucht es dann überhaupt noch die Initiative?
Das ist eine politische Frage. Aus der Sicht der Pensionskassen wird die Initiative kontrovers diskutiert, weil für kleine und mittlere Vorsorgeeinrichtungen, Stand heute, die Umsetzung mit mehr Aufwand und etwas höheren Kosten verbunden wäre.

Mit welchen Mehrkosten müsste eine kleine oder mittlere Pensionskasse denn rechnen, wenn sie heute gezielt Waffenfirmen ausschliessen möchte?
Sie zahlen für die zusätzliche Beratung und die höheren Indexfondskosten einen Aufpreis von drei bis fünf Basispunkten. Also 0,03 bis 0,05 Prozent vom Anlagevermögen.

Bei 50 Millionen Franken wären dies also rund 15'000 Franken?
Richtig.

Das ist nicht die Welt.
Auch wenn man die Initiative ablehnen mag, wird sich das Thema früher oder später durchsetzen. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 21.06.2018, 19:42 Uhr

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