Was die Schweizer Schüler auf die Strasse treibt

In ganz Europa demonstrieren die Jungen für den Klimaschutz – die Schweizer unterscheiden sich dabei allerdings, zeigt eine neue Studie.

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Schweizer Schüler und Studentinnen machen sich grössere Sorgen über die Folgen des Klimawandels als ihre Kollegen in anderen europäischen Städten. Sie erwarten überdurchschnittlich häufig, dass die Politikerinnen und Politiker in ihrem Land etwas gegen die drohende Klimakatastrophe unternehmen. Und sie möchten ihre Unterstützung für all jene deutlich machen, die sich politisch, wissenschaftlich oder organisatorisch für das Thema einsetzen.

Insgesamt wurden gegen 9000 Studenten und Schülerinnen in neun europäischen Ländern befragt – in Belgien, Österreich, der Schweiz, Deutschland, Italien, den Niederlanden, Polen, Schweden und Grossbritannien. Die Rücklaufquote betrug 20 Prozent, das ist statistisch signifikant.

Der Tessiner Marco Giugni, der in Genf als Politologieprofessor lehrt und mit seinen Studenten die Umfrage in Lausanne und Genf durchgeführt hat, zieht aus der Befragung der Schweizer Stichprobe mehrere Schlüsse. So fällt bei den Schweizer Demonstranten in den beiden Städten am Genfersee auf, dass sie sich kaum über bestehende Organisationen oder ihre Familie in das Thema haben einbinden lassen (jeweils knapp 7 Prozent der Befragen).

Zornig und frustriert

Interessant ist auch, dass die 16-jährige schwedische Schülerin und Aktivistin Greta Thunberg sie weniger inspiriert hat als die Jugendlichen in anderen Ländern. «Die jungen Schweizer sind aktiver und mehr von sich aus am Problem des Klimawandels interessiert als anderswo», sagt Marco Giugni.

Bei den meisten Prozentwerten stimmen die Antworten der Befragten in Europa mehr oder weniger überein. Die meisten Studenten und Schülerinnen zählen sich zur Mittelschicht und haben eine gute bis sehr gute Ausbildung. Ihre Gefühlslage ist tendenziell düster, ängstlich, frustriert und zornig. Sie trauen den Wissenschaftlern deutlich mehr als den bürgerlichen Mehrheiten in den Parlamenten.

Korrektur der Gegenwart

Wie schnell sich dieses Misstrauen auswirken kann, darauf deuten die kantonalen Wahlen der letzten beiden Wochen hin: In Zürich, Baselland und Luzern machten die Grünen und Grünliberalen erstaunliche Gewinne, während die SVP stark verlor, die nichts von einemangeblichen Klimawandel hält und das Thema auch nicht zu ihren Wahlkampfthemen machen wird.

Morgen Samstag werden sie wieder durch die Strassen ziehen in vielen europäischen Städten, um für eine Korrektur der Gegenwart zu kämpfen, damit ihre Generation eine Zukunft hat. Die ausführlichen Antworten auf den Fragebogen deuten darauf hin, dass hier keine Vasallen linker und grüner Parteien am Marschieren sind, obwohl sich die Befragten eher zur Linken zählen. Dass sie den etablierten Parteien eher wenig trauen, macht weiter deutlich, wie sehr sich die Politik um diese neue, entschlossene Wählerschaft kümmern muss.

Erstellt: 04.04.2019, 22:19 Uhr

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