Was fürchtet Herr Glarner?

Der SVP-Politiker Andreas Glarner zeigt sich als schlechter Verlierer.

Andreas Glarner drohte einer Studentin mit einer Anzeige.

Andreas Glarner drohte einer Studentin mit einer Anzeige. Bild: Gaëtan Bally/Keystone

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Andreas Glarner, SVP-Gemeindeammann im aargauischen Oberwil-Lieli, warb in seinen Wahlkämpfen mit blutigen Messern, Kalaschnikow schwingenden Terroristen, Sprengstoffgürteln und Burkas. Was er offensichtlich als die wichtigsten Probleme des Kantons Aargau betrachtete.

In den Nationalrat brachte ihn ein Coup: Er setzte durch, dass seine Gemeinde jährlich lieber 290'000 Franken Entschädigung zahlte, statt eine Handvoll Flüchtlinge aufzunehmen. Das brachte ihn erst in die Schlagzeilen, dann ins Parlament.

Doch darauf machte ihm eine 24-jährige Studentin einen Strich durch die Rechnung. Johanna Gündel war empört über die Herzlosigkeit von Glarners Politik und griff die Entschädigungszahlung an der Gemeindeversammlung an. Die Bürger von Oberwil-Lieli folgten ihr. Sie stimmten mit 176:149 gegen die Entschädigung. Und für Flüchtlinge. Johanna Gündel freute sich: «Die Frage war, ob Oberwil-Lieli ein Herz hat.»

Das anonyme Flugblatt

Nun hat die Abstimmung ein Vor- und ein Nachspiel. Das Nachspiel: Der Gemeinderat drohte der Studentin mit Anzeige. Sie solle ihre Bemerkung, dass in Oberwil-Lieli die reichen Steuerzahler bevorzugt werden, öffentlich widerrufen. Sonst würde man sie vor Gericht einklagen.

Und das Vorspiel: Vor der Abstimmung erschien ein anonymes Flugblatt in der Lokalzeitung. In diesem wurden die «Gutmenschen» im Namen der «schweigenden Mehrheit» angegriffen. Und über die Flüchtlinge wurde gesagt, dass diese Trickser, Versager oder Schlimmeres seien: entweder wohlhabende Wirtschaftsflüchtlinge oder Analphabeten oder getarnte Terroristen. Und dass sie Oberwil-Lieli ruinieren könnten.

Im Vorfeld hatte Glarner betont, dass er in seiner Rolle als Gemeindeammann «nicht mobilisiert» habe. Doch nun stellte sich heraus, dass er log. Er verfasste das anonyme Flugblatt nicht nur mit, sondern gab auch den Druck in Auftrag.

Was also fürchtet der knallharte Politiker Glarner? Offensichtlich, dass die Flüchtlinge ihm ähnlich sind.

Erstellt: 15.12.2015, 21:50 Uhr

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