Was ist nur mit den Ärmeln von Doris los?

Die zugenähten Ärmel der Doris L., ein leicht gelangweilter Ueli M. (wer hätte das gedacht?) und ein Sprecher, der für einmal wirklich spricht: Das war das Bundesratsreisli 2017.

Hallo! Der Bundesrat reist durch die Schweiz, und Guy Parmelin schaut nach, welche Zeit gerade ist.

Hallo! Der Bundesrat reist durch die Schweiz, und Guy Parmelin schaut nach, welche Zeit gerade ist. Bild: Keystone

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Es ist seine «finest hour», sein jährlicher Höhepunkt, sein Glanzstück. Er, der sonst nie etwas sagt oder kommentiert oder bekannt gibt; er, der lieber mit seiner Augenbraue kommuniziert (zuckend, still) als mit Worten; er, dessen Jobbeschreibung «Bundesratssprecher» ist, sagt für einmal wirklich etwas.

Und wenn er einmal angefangen hat, dann ist er kaum mehr zu bremsen. Bundesratssprecher André Simonazzi twittert seit zwei Tagen wie ein Wahnsinniger. Mit Hashtags und Links und Bildern und allerlei verrückten Sachen begleitet er den Bundesrat auf seinem Reislein durch die Schweiz.

Ihn selber sieht man dabei leider nie. Die Frage, ob auch Simonazzi in einem karierten Kurzarmhemd den Aargau «entdeckt», muss leider unbeantwortet bleiben. Dafür liefert er uns mit seinen Tweets ein recht stimmiges Bild unserer Regierung. Die darin aufgeworfenen Fragen beantwortet Simonazzi leider nicht – aber das wäre auch nicht seine Art.

Die 60. Bundesratsreise durch den Aargau, Luzern und Obwalden beginnt mit einem Petit déjeuner im Zug. Noch weiss niemand, wie klein Bundeskanzler Walter Thurnherr tatsächlich ist (Sitzen hilft), Ueli Maurer ist schon leicht angesäuert, die Karohemden-Fraktion aus der Romandie wird offenbar zum ersten Mal im Leben fotografiert, und mit den Ärmeln von Doris Leuthard ist alles in Ordnung. Noch.

Zwischenhalt an der Fachhochschule Nordwestschweiz. Der High-Five sitzt (das macht sie besser als er), mit den Ärmeln von Doris Leuthard ist alles in Ordnung. Noch.

Mittagessen! Wichtige Fragen, die noch unbeantwortet bleiben: Ist Guy Parmelin wieder in kurzen Hosen unterwegs? So wie bei seiner ersten Bundesratsreise vor einem Jahr, wo er als Seniorenwanderer seine neuen Kollegen fotobombte? Was sind das für Anstecker, die Parmelin und Maurer tragen und sonst niemand? Wie klein ist Walter Thurnherr tatsächlich? Und vor allem: Was ist mit den Ärmeln von Doris Leuthard geschehen?

«Gute Stimmung bei der Besichtigung der Hutfabrik im Freiamt!», twittert Simonazzi und braucht ein Ausrufezeichen. Der falsche Mann trägt einen Napoleon-Hut (der war jetzt etwas billig), die Hosen von Parmelin deuten eher Richtung Langvariante (Dreiviertel könnten wir uns bei ihm auch noch vorstellen. Wenigstens hat er wieder sein Handytäschlein dabei. Der Mann ist schmerzfrei), und das mit den Ärmeln von Doris Leuthard scheint nun wirklich ein Thema zu werden. Zugenäht?

Ist auf jeden Fall ein starkes Indiz.

Tag 2, und Ueli Maurer hängt es jetzt definitiv aus. Ohne die Unterstützung seines Armes würde sein Kinn wohl auf die Tischplatte knallen. Dabei gäbe es in der «Verkehrsmanagement-Zentrale des Bundes in Emmenbrücke» doch so viel Spannendes zu entdecken!

Vielleicht kommt Maurer auch aus dem falschen Kanton. Man schaue sich nur Doris Leuthard an. Wie sie lacht und strahlt und funkelt. So viele Tunnels. So viele Strassen. So viele Bildschirme. Und Ärmel habe ich auch wieder!

Auf dem Schiff merkt man dann: Die Ärmel-Entwarnung kam leider zu früh – es funktioniert auch mit einem Pullover (oder eben nicht). Guy Parmelin hat es wirklich lustig und lange Hosen an. Was natürlich zusammenhängen könnte. Und Walter Thurnherr? Diese Frage zumindest ist nun definitiv beantwortet.

Und zum Abschluss Schiff 2: Die Ärmelmode von Doris Leuthard scheint nicht mehr aufzuhalten zu sein. Der Luzerner Regierungspräsident Guido Graf hat sich die Ärmel seines Jackets kurz entschlossen ebenfalls zunähen lassen (etwas anbiedernd, finden Sie nicht, Herr Graf?), Didier Burkhalter beugt sich zum Vizekanzler hinunter und erzählt ihm eine Geschichte aus der Welt der internationalen Spitzendiplomatie, und Ueli Maurer ist von dieser ganzen Reise dermassen angeödet, dass er auf seiner imaginären Mundharmonika ein trauriges Seemannslied anstimmt.

Halten Sie durch, Ueli Maurer. Und auf ein fröhliches Twittern weiterhin, Herr Simonazzi! (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 07.07.2017, 12:33 Uhr

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