An wie vielen Banknoten klebt Koks?

Eine Untersuchung der Zollverwaltung zeigt, wie viel Bargeld mit Kokain oder anderen Rauschgiften verunreinigt ist.

Eine Möglichkeit, wie Spuren von Drogen auf Banknoten kommen: Kokainkonsum.

Eine Möglichkeit, wie Spuren von Drogen auf Banknoten kommen: Kokainkonsum. Bild: Keystone

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Im vergangenen Jahr hat die Eidgenössische Zollverwaltung (EZV) insgesamt 3,1 Millionen Franken Bargeld beschlagnahmt, das mutmasslich in einem Zusammenhang mit Betäubungsmitteldelikten steht. Für die Untersuchung von solchem Geld verwendet sie sogenannte Ionen-Mobilitäts-Spektrometer (IMS) und stellt oft Spuren von Drogen fest. Beschuldigte Personen behaupten jedoch immer wieder, dass alle Banknoten, insbesondere die schweizerischen, ohnehin mit Kokain kontaminiert seien.

«Ich habe an Bahnhöfen und in Bars Geld gewechselt und die dort erhaltenen Noten geprüft.»Verfasser der Diplomarbeit

Diese Behauptung wollte ein Mitarbeiter der EZV widerlegen. Er nahm für seine Diplomarbeit für die eidgenössische höhere Fachprüfung als Grenzwächter mehrere Hundert IMS-Tests vor. «Ich habe dabei Noten an Orten organisiert, an denen mit einem höheren Anteil kontaminierter Noten zu rechnen ist. So habe ich an Bahnhöfen und in Bars Geld gewechselt und die dort erhaltenen Noten geprüft», sagte er gegenüber «Forum Z.», dem Magazin des Schweizer Zolls. Danach schickte der Mitarbeiter 150 Proben ans Institut für Rechtsmedizin der Universität Bern, das die Messungen noch mit einem anderen Verfahren durchführte.

Das Resultat: 16 Prozent der Banknoten wiesen Spuren von Kokain oder anderen Rauschgiften auf. Laut dem für die Diplomarbeit verwendeten Verfahren gilt Bargeld dann als mit Drogen kontaminiert, wenn 80 Prozent der geprüften Noten aus einem Geldbündel positiv getestet werden.

Diplomarbeit wird «aus einsatztaktischen Gründen» nicht herausgegeben

Dem Mitarbeiter ging es primär darum, die Zuverlässigkeit der IMS-Geräte zu eruieren. Aufgrund seiner Arbeit konnte zur Prüfung von Banknoten ein standardisiertes Verfahren festgelegt werden, das nun in der gesamten EZV angewendet wird. «Ich bin froh, dass wir ein Verfahren entwickeln konnten, das funktioniert und nun auf breiter Basis angewendet wird», sagt der Verfasser. Wie dieses aussieht, ist unklar. Denn die EZV will die Diplomarbeit «aus einsatztaktischen Gründen» nicht herausgeben, wie sie auf Anfrage erläutert.

Die Untersuchung bestätige die EZV aber darin, Geld, das die definierten Schwellwerte überschreitet, sicherzustellen und der zuständigen Staatsanwaltschaft zu übergeben, sagt der Mitarbeiter. Für ihn ist das Thema nach Abgabe seiner Diplomarbeit noch nicht abgeschlossen. Momentan untersucht er Euro-Noten, um auch dazu empirische Daten zu sammeln und allfällige Unterschiede zu den Franken-Noten festzustellen. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 12.10.2017, 10:57 Uhr

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