Streit um die ACS-Spitze – Ex-Präsident wehrt sich

Die Sektionen des Automobilclubs haben Christian Wasserfallen zum neuen Präsidenten gewählt. Der bisherige ACS-Chef will die Wahl nicht anerkennen.

Von 13 Sektionen gewählt: Christian Wasserfallen, hier bei einer Abstimmungsveranstaltung im Hotel Bellevue in Bern. (28. Februar 2016)

Von 13 Sektionen gewählt: Christian Wasserfallen, hier bei einer Abstimmungsveranstaltung im Hotel Bellevue in Bern. (28. Februar 2016) Bild: Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Der Machtkampf im Automobil Club der Schweiz (ACS) ist am Donnerstag endgültig eskaliert: Nach der umstrittenen Wahl von Christian Wasserfallen zum neuen Vorsitzenden, steht der Verband nun mit zwei Präsidenten da. Und beide sehen das Recht auf ihrer Seite.

An einer Delegiertenversammlung (DV) in Yverdon-les-Bains VD, die ursprünglich vom alten ACS-Direktionskomitee auf September verschoben worden war, nahmen 13 von 19 Sektionen teil. Die 75 anwesenden Delegierten wählten FDP-Nationalrat Wasserfallen einstimmig bei zwei Enthaltungen zu ihrem neuen Präsidenten.

Zwei konkurrenzierende Vorstände

Gleichzeitig bestimmten sie sechs von sieben Mitglieder des Direktionskomitees neu. Weil das alte Komitee nach Angaben des bis anhin alleine amtierenden ACS-Präsidenten Mathias Ammann weiter hinter ihm steht, verfügt der Verband nun wohl auch über zwei konkurrenzierende Vorstände.

Trotzdem liessen die anwesenden Sektionen im Anschluss an die Versammlung verlauten, der ACS sei nun wieder handlungsfähig. Die grosse Mehrheit habe ihren Willen manifestiert, die Querelen der vergangenen Tage hinter sich zu lassen, hiess es in der Mitteilung mit dem offiziellen Briefkopf des Verbandes.

«Rechtswidrige DV»

Doch das Gegenteil scheint der Fall zu sein. Denn Ammann erkennt Wasserfallens Wahl nicht an. Gemäss Statuten sei das Treffen vom Donnerstag keine Delegiertenversammlung (DV) gewesen, sagte er auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda.

Nach übereinstimmender Ansicht ihrer Anwälte könne nur die Direktion eine DV einberufen und auch verschieben. Deshalb seien die Beschlüsse der Vertreter der 13 Sektionen nicht rechtskräftig. «Wir sind nach wie vor die gewählten Organe, die auch im Handelsregister eingetragen sind», sagte Ammann.

«Nichts zu diskutieren»

Das sei lediglich dessen persönliche Meinung, sagte Wasserfallen dazu auf Anfrage. Denn rechtlich gebe es «nichts zu diskutieren». Zur DV sei ordnungsgemäss eingeladen worden. Gegen die Verschiebung habe eine Sektion dann Rekurs eingelegt, der auch an der DV behandelt worden sei.

Danach sei die Versammlung ordentlich durchgeführt und er «rechtmässig» zum neuen Präsidenten gewählt worden. Da in Yverdon-les-Bains weder Ammann noch sein Stellvertreter anwesend waren, wurde die Versammlung von Direktionsmitglied Ruth Enzler geleitet.

Viele Anschuldigungen

Der Eklat im ACS hatte sich bereits vergangene Woche abgezeichnet, als Direktor Stefan Holenstein per sofort entlassen wurde. In den letzten Tagen und Wochen hätten sich die Hinweise vermehrt, dass Holenstein arbeitsrechtliche Vorschriften nicht eingehalten habe, begründete Präsident Ammann den Schritt.

Gleichzeitig zeigten der Präsident der ACS-Sektion Graubünden und die ACS-Sektion Zürich den Zentralpräsidenten wegen Urkundenfälschung und ungetreuer Geschäftsbesorgung an. Ammann wird vorgeworfen, ein rechtswidriges Spesenregelment erlassen zu haben.

Holenstein und Ammann wiesen die jeweiligen Vorwürfe zurück. Ammann sprach vor den Medien von «Intrigen» und «Putschversuchen». Hinter seinem Rücken sei ein «Staatsstreich» vorbereitet worden, um ihn aus dem Amt zu drängen. Unter dem Codename «Projekt Louis XIV» sei Wasserfallen als sein Nachfolger aufgebaut worden.

Untersuchungen gefordert

Als Konsequenz der Affäre entschied das Direktionskomitee, die DV auf den 16. September zu verschieben. In der Zwischenzeit sollte eine Geschäftsprüfungskommission die Vorwürfe prüfen und den Delegierten im Herbst die Ergebnisse vorlegen.

13 Sektionen bestanden aber darauf, die Versammlung wie geplant am 23. Juni durchzuführen. Sie liessen es nicht zu, dass «demokratische Grundregeln ausgehebelt werden», teilte die ACS-Sektion Zürich mit.

Die DV fand denn auch statt und die Delegierten ermächtigten dabei den neuen Vorstand, «alle Vorgänge im Zusammenhang mit den Ereignissen der letzten Wochen von einer unabhängigen Stelle untersuchen zu lassen».

Schluss mit Streit?

In einer Resolution riefen sie ausserdem alle Sektionen auf, die Reihen zu schliessen. Ein Neuanfang sei gemacht. «Schluss mit dem Streit. Jetzt ist es Zeit für das Gespräch», hiess es darin.

Ammann bekräftigte, er werde sein Büro auf keinen Fall räumen. Aber er nehme zur Kenntnis, dass es im Verband Handlungsbedarf gebe. Er werde deshalb mit den «abtrünnigen Sektionen» das Gespräch suchen, um einen «pragmatischen» Ausweg aus der Krise zu finden.

Wenigstens in einem Punkt waren sich die Rivalen am Donnerstag einig: Beide «ACS-Präsidenten» hoffen, dass für eine Lösung der Situation keine rechtlichen Schritte nötig sein werden. (woz/sda)

Erstellt: 23.06.2016, 16:34 Uhr

Artikel zum Thema

ACS-Sektionen sägen an Stuhl von Präsident Ammann

Nach dem ACS-Eklat spricht Zentralpräsident Mathias Ammann von Intrigen und Putschversuchen. Michael Gehrken übernimmt als Generaldirektor ad interim. Mehr...

Frontalkollision im Automobilclub

Der ACS-Vorstand kämpft nun gegen seine eigenen Sektionen. Trotz Verschiebung der neuen Delegiertenversammlung, wollen diese durchgreifen. Mehr...

Wasserfallen möchte nun lieber Regierungsrat werden

Top-Favorit Christian Wasserfallen zieht sich als Kandidat für das FDP-Präsidium zurück. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Blog

Blogs

History Reloaded Vom Liebling Hitlers zum Verräter

Mamablog Aufklärung schützt vor sexueller Gewalt

Paid Post

Blasenentzündung? Ein schneller Test bringt Klarheit

Sie bemerken Anzeichen einer Blasenentzündung? Ein unkomplizierter Test schafft Klarheit und verhindert eine Antibiotika-Behandlung.

Die Welt in Bildern

Kampf gegen das Aussichtslose: In Kalifornien versuchen die Feuerwehrleute immer noch das Ausmass der Buschfeuer einzugrenzen. (11. Oktober 2019)
(Bild: David Swanson) Mehr...