Weitere Verzögerungen beim Gripen-Kampfjet

Der Gripen-E-Jet sei ab 2018 lieferbar, sagte der Bundesrat, als er 2012 dessen Kauf vorschlug. Nun zeigt sich: Das Flugzeug kann nicht vor 2023 ausgeliefert werden.

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Als «Papierflugzeug» bezeichneten Kritiker den schwedischen Kampfjet Gripen E, über dessen Beschaffung die Schweiz 2014 abstimmte. Tatsächlich war das Modell damals noch nicht fertig entwickelt. Dennoch schlugen Bundesrat und Parlament den Kauf von 22 Jets zum Preis von insgesamt 3,1 Milliarden Franken vor. In der Botschaft von 2012 hatte der Bundesrat festgehalten: «Gemäss der Offerte der schwedischen Regierung wird das erste Gripen-E-Flugzeug Mitte 2018 für die Abnahme bereitgestellt. Der Abschluss der Lieferungen ist für 2021 geplant.»

Bereits dieser Plan wies gegenüber der ursprünglichen Offerte eine Verzögerung von vier Jahren auf. Denn 2011 hatte Flugzeugbauer Saab den Erstflug für Dezember 2014 angekündigt. Die Beschaffung scheiterte schliesslich am 18. Mai 2014 an der Urne: 53,4 Prozent stimmten gegen den Gripen.

Schwedische Bedürfnisse

Trotz des Neins aus der Schweiz bauen die Schweden den Jet für ihre eigene Luftwaffe. Doch der Lieferplan ist erneut ins Stocken geraten. «Die schwedische Luftwaffe plant mit einer ersten Auslieferung des Gripen E für 2023», sagt Luftwaffenchef Mats Helgesson in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift «European Security & Defence Spotlight». Bis das Flugzeug voll einsatzbereit und mit allen Spezifikationen ausgerüstet sei, wird es laut Helgesson sogar bis 2027 dauern. Saab erklärt auf Anfrage die weitere Verzögerung damit, dass man nach dem Schweizer Nein die Jets ganz auf die schwedischen Bedürfnisse ausrichte. Das führe zum Auslieferungstermin 2023.

«Diese erneute Verzögerung überrascht mich nicht», sagt SVP-Nationalrat Thomas Hurter. Der ehemalige Kampfjetpilot hat als Präsident einer Subkommission die Gripen-Evaluation durchleuchtet. Laut ihm hängt die Verzögerung auch damit zusammen, dass die bestellten Stückzahlen des Jets immer wieder nach unten angepasst werden mussten. «Ein Kampfflugzeug kann nur erfolgreich sein, wenn es in genügender Stückzahl verkauft wird», sagt Hurter. Die Schweiz dürfe deshalb nur einen Jet kaufen, der erprobt und auf dem Markt sei: «Wir müssen die finanziellen und technischen Risiken möglichst reduzieren.»

Ungeachtet der Verzögerungen hat sich Saab bereits in Position gebracht, um auch bei der nächsten Kampfjet-Evaluation mitbieten zu können. So hat der schwedische Konzern mit dem Schweizer Drohnenbauer UMS ein Joint Venture gegründet. Leiter ist Ex-Rüstungschef Jakob Baumann – mit besten Kontakten ins Verteidigungsdepartement.

Eine Expertengruppe und ein politisches Begleitgremium haben derweil mit den Vorbereitungsarbeiten für die neue Kampfjet-Evaluation begonnen. Diese soll 2017 beginnen. Der Typenentscheid ist für 2020 geplant. Ab 2025 sollen die neuen Flugzeuge geliefert werden. Aller Voraussicht nach dürfte bis dann auch der Gripen E in der Luft sein.

Erstellt: 26.05.2016, 23:12 Uhr

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