Welsche Männerpower soll für linken Erfolg sorgen

Die SP wagt das Experiment: Sie will mit zwei Romands an der Parteispitze die nächsten nationalen Wahlen bestreiten. Frühere Bedenken scheinen entschwunden.

Ausblick auf die Wahlen 2017: SP-Präsident Christian Levrat und Fraktionschef Roger Nordmann äussern sich zur Zukunftsstrategie der SP. (17. Mai 2016)

Ausblick auf die Wahlen 2017: SP-Präsident Christian Levrat und Fraktionschef Roger Nordmann äussern sich zur Zukunftsstrategie der SP. (17. Mai 2016) Bild: Lukas Lehmann/Keystone

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«Wer führt die SP in die Wahlen 2019?» So geheimnisvoll kündigten die Sozialdemokraten am Dienstagvormittag auf Twitter die anstehende Medienorientierung zu ihrer Wahlstrategie an. Ein Onlinemedium spekulierte daraufhin prompt über einen anstehenden Rücktritt von Parteipräsident Christian Levrat. Fraglos kein ganz abwegiger Gedanke: Unter den Schweizer Parteipräsidenten ist Levrat, der 2008 erstmals gewählt wurde, der mit Abstand dienstälteste.

Und was noch mehr zählt: Mit ihm und Roger Nordmann, dem Chef der sozialdemokratischen Bundeshausfraktion, besetzen derzeit zwei Männer aus der Romandie die beiden wichtigsten Posten der Partei. «Innerhalb der SP haben wir einen Konsens, dass zwei Romands in beiden Führungsfunktionen nicht sinnvoll wären. Als Welscher in der Deutschschweiz hat man gewisse Nachteile.» Gesagt hat das Christian Levrat selber, in einem Interview vom letzten Oktober mit dem «Tages-Anzeiger», kurz vor der Neubesetzung der Fraktionsspitze.

Breit aufgestelltes SP-Präsidium

Levrat konnte Nordmanns Wahl zum Fraktionschef dann allerdings nicht verhindern. Und nun steht fest: Die Bedenken bezüglich einer welschen Doppelführung sind offenbar verschwunden. Levrat selber kandidiert im Dezember nämlich für eine weitere vierjährige Amtszeit als Präsident, wie er an der Medienkonferenz vom Nachmittag bekannt gab.

«Das SP-Präsidium ist sehr breit aufgestellt, sowohl von den Geschlechtern als auch von den Regionen her» – so Levrats Begründung, weshalb er das frankofon-maskuline Übergewicht an der Parteispitze für vertretbar hält. Levrat und Nordmann traten denn auch demonstrativ mit den Parteivizes an ihrer Seite auf. Hier ist die Ostschweiz mit Barbara Gysi (SG), die Nordschweiz mit Beat Jans (BS) und das Tessin mit Marina Carobbio vertreten.

Noch keine Frau in Sicht

Widerstand gegen eine erneute Inthronisierung Levrats zeichnet sich bislang nicht ab, obschon die SP sonst zumindest auf Geschlechterproporz sehr hohen Wert legt. Vom TA angefragte Ostschweizer Nationalrätinnen wie Edith Graf-Litscher (TG) und Silva Semadeni (GR) begrüssen Levrats Entscheid. Die Friedfertigkeit dürfte auch den Umstand widerspiegeln, dass es eine weibliche Nachwuchskraft von präsidialer Statur erst noch aufzubauen gälte.

Was die politischen Inhalte betrifft, so will die SP in dieser Legislatur verstärkt aus der Oppositionsrolle heraus agieren. Ihre Vertreter kündigten gestern an, Vorlagen des nach rechts gerutschten Parlaments wann immer nötig mit dem Referendum zu bekämpfen. Konkret aufgegleist ist derzeit allerdings nur ein Projekt: das Referendum gegen die Unternehmenssteuerreform.

Erstellt: 17.05.2016, 20:32 Uhr

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