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Weniger Andrang von Flüchtlingen in Chiasso

Die hohe Zahl an Wegweisungen an der Südgrenze und die in Como festsitzenden Menschen sorgten für Schlagzeilen. Nun hat sich die Anzahl der Flüchtlinge rasant halbiert.

Auswirkung der Negativ-Schlagzeilen blieb nicht aus: Grenzwächter begleiten Flüchtlinge auf dem Bahnhof in Chiasso. (12. Juli 2016)
Auswirkung der Negativ-Schlagzeilen blieb nicht aus: Grenzwächter begleiten Flüchtlinge auf dem Bahnhof in Chiasso. (12. Juli 2016)
Francesca Agosta, Keystone

Der Andrang von Flüchtlingen an der Grenze in Chiasso hat vergangene Woche stark abgenommen. Die Zahl der Fälle, die Grenzwächter als «rechtswidrige Aufenthalter» registrierten, sank auf 893. In zwei Wochen halbierten sich die Fallzahlen.

In der Vorwoche, der dritten Augustwoche, hatten die Grenzwächter mit 1386 Fällen noch fast 500 mehr verzeichnet. Doch bereits diese Zahl war um 400 Fälle tiefer gewesen als eine Woche davor, der zweiten Augustwoche.

In dieser hatte der Flüchtlingsandrang an der Schweizer Südgrenze mit 1767 Fällen von angehaltenen «rechtswidrigen Aufenthaltern» gemäss Zahlen des Grenzwachtkorps (GWK) seinen bisherigen Höhepunkt in diesem Jahr erreicht.

Über 500 Personen nach Italien zurückgeschickt

Nur zwei Wochen später waren es mit den verzeichneten 893 Fällen nur noch rund die Hälfte. In 549 Fällen wurden die Personen, die versucht hatten, die Schweizer Grenze zu übertreten, gleich wieder nach Italien zurückgeschickt, wie aus den heute veröffentlichten provisorischen Zahlen des GWK für die Grenzregion IV (Tessin) hervorgeht.

Weggewiesen werde, wer Einreise- und/oder Aufenthaltsvoraussetzungen für die Schweiz und/oder den Schengen-Raum nicht erfülle, schrieb das GWK.

In der Grenzregion V, die das Wallis und die Waadt umfasst, wurden 147 «rechtswidrige Aufenthalter» gezählt, einer mehr als in der Vorwoche. In den übrigen Grenzkantonen wurden kaum illegale Aufenthalter aufgegriffen.

Die hohe Zahl an Wegweisungen an der Südgrenze und die im italienischen Como festsitzenden Migranten hatten in den vergangenen Wochen für Schlagzeilen gesorgt.

Ueli Maurers Reaktion

Nach harscher Kritik in Politik und Medien verteidigte schliesslich Bundesrat Ueli Maurer nach langem Schweigen das Vorgehen der Schweizer Grenzwächter im Tessin. Diese wendeten nur das Gesetz an, wenn sie Asylsuchende auf der Durchreise nach Italien zurückschickten.

«Es läuft alles korrekt ab», sagte Maurer in einem Interview, das in mehreren Deutschschweizer Medien erschien. Es werde auch niemand daran gehindert, Asyl in der Schweiz zu beantragen. In seiner Mitteilung wies das GWK erneut darauf hin, dass «nicht alle rechtswidrigen Aufenthalter» um Asyl ersuchen würden.

Wer kein Asyl beantragt, aber nicht am gleichen Tag wieder nach Italien zurückgeführt werden kann, muss womöglich die Nacht im am Sonntag neu eröffneten Rückführungszentrum verbringen. Das Zentrum in Rancate TI, das für bis zu 150 Personen Platz bietet, soll den Ansturm bewältigen helfen.

Mitte August hatte der Tessiner Sicherheitsdirektor Norman Gobbi (Lega) auch den Einsatz von Militärpolizei an der Grenze gefordert, um der Lage an der Südgrenze Herr zu werden. Das Grenzwachtkorps hatte zusätzliche Kräfte aus anderen Regionen ins Tessin entsandt und stets erklärt, man habe die Lage im Griff.

SDA/nag

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