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Weniger Suizide nach Armeereform

Mit der Armeereform XXI sank die Zahl der Schusswaffen in Schweizer Kellern und Besenschränken – und mit ihr auch die Suizide bei jungen Männern, wie eine neue Studie zeigt.

Seit der Armeereform im Jahr 2003 sind die Suizide durch Schusswaffen bei jungen Schweizer Männern gesunken. Zu diesem Schluss kommen Berner Psychiater in einer Studie. Dies belege, dass der eingeschränkte Zugang zu Suizidmitteln die Zahl der Selbstmorde reduzieren kann, erklären sie.

Die Wissenschaftler hatten die Zahl der Suizide bei 18- bis 43-jährigen Männern vor und nach der Armeereform XXI untersucht, wie die Fribourger Zeitung «La Liberté» berichtete. Im Zuge dieser Reform wurde die Schweizer Armee von 400'000 auf 200'000 Soldaten halbiert und das Austrittsalter von 43 auf 33 Jahre reduziert.

Damit sank auch die Zahl der Feuerwaffen, die die Soldaten zu Hause aufbewahrten. Die Folge: Die Suizidrate durch Feuerwaffen bei dieser Altersgruppe von Männern sank um ein Drittel, nämlich von 9,9 pro 100'000 Einwohner pro Jahr auf 7,3 pro 100'000 pro Jahr. Die Abnahme hielt im untersuchten Zeitraum von 2003 bis 2008 an. Bei Männern über 43 Jahren und bei Frauen war in dieser Zeitspanne keine vergleichbare Abnahme zu beobachten.

Anhaltende Abnahme

Es sei bekannt, dass die Suizidrate vom Zugang zu Suizidmethoden abhängt, erklärte Studienleiter Thomas Reisch vom Psychiatriezentrum Münsingen (BE) der Nachrichtenagentur sda. «Dank der grossen Datenbasis der Armeereform konnte unsere Studie nun erstmals zeigen, wie gross dieser Effekt ist und dass er langfristig anhält.»

Die suizidwilligen jungen Männer stiegen auch nicht einfach auf andere Methoden um: In der untersuchten Gruppe führte nur ein Anteil von 22 Prozent den Suizid mit anderen Mitteln aus – vorwiegend indem sie sich unter einen Zug warfen. Allerdings hatte diese Methode der Selbsttötung im untersuchten Zeitraum auch bei anderen Personengruppen zugenommen.

Armeereform rettete 160 Männer

Obwohl die Armeereform nicht die Suizidprävention zum Ziel hatte, rettete sie folglich 78 Prozent der jungen Männer, die sich ansonsten mit einer Schusswaffe getötet hätten, das Leben, erklärte Reisch. Auf die Bevölkerung hochgerechnet seien das etwa 160 junge Männer. Dieser Effekt sei messbar gewesen, obwohl im Untersuchungszeitraum die Suizidrate in der Bevölkerung generell gesunken ist, schreiben die Forscher.

Dass die Suizidrate abnimmt, wenn der Zugang zu bestimmten Suizidmethoden wegfällt, konnte schon früher beobachtet werden, etwa als Haushaltsgas oder Autoabgase (durch Katalysatoren) entgiftet wurden. Die neue Studie stützte sich auf Daten des Bundesamts für Statistik und erschien im Juli 2013 im Fachjournal «American Journal of Psychiatry».

Dass die Studie in einem US-amerikanischen Fachjournal erschien, ist pikant: Dort würde eine ähnliche Reduktion von Feuerwaffen in Haushalten wie in der Schweiz im Schnitt 1600 Leben pro Jahr retten, wie die US-Psychiater John Mann und Robert Gibbons in einem Begleitkommentar zur Studie vorrechneten.

(SDA)

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