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Wenn der Schrecken über einen hinein bricht

SBB-Angestellte, die ein schreckliches Erlebnis zu verarbeiten haben, waren früher auf sich alleine gestellt. Heute kümmert sich ein Stab von Notfall-Psychologen, Therapeuten und Betreuern um jeden Fall.

Ein Lokführer, der mit seinem Zug in ein Unglück verwickelt ist, oder einen Selbstmörder überfährt, kommt wegen des Ereignisses in den ersten Minuten und Stunden gar nicht dazu, das Geschehene zu verarbeiten. Erst, wenn die technischen Abläufe vorbei sind, die Verantwortung übergeben ist, der Schrecken aus den Gliedern, sinkt das Bewusstsein um das Passierte ein. Gewissensbisse, Schuldgefühle, Ohnmachtsängste - früher war der Bahnangestellte mit seiner Not allein. Musste selber mit dem Erlebten fertig werden, die Arbeit weiter führen oder am nächsten Tag bereits wieder zum Dienst antreten.

Heute kümmert sich das Kompetenz- und Service-Center «Care» der SBB um die geschockte Person. Christoph Mayer ist Lokführer mit Zusatzausbildung Nachbetreuung: «Die psychologische Erstintervention besteht darin, dass ein Kollege oder Vorgesetzter sich um die Person kümmert.» Nicht etwa ein professioneller Notfall-Psychologe: «Ein Lokführer oder Fahrdienstleiter spricht einfach die selbe Sprache. Das ist wichtig nach einer Extremsituation. Einer solchen Person öffnet man sich viel eher.» Diese Person vermittelt Nähe und begleitet den Kollegen auch bis nach Hause, wo sich im Idealfall die Familie um ihn kümmert. Wenn keine Familie da ist, werden Freunde oder Verwandte aufgeboten.

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