Zum Hauptinhalt springen

Wenn sich junge Ausländer anonym bewerben, kommen sie eher ans Ziel

Ein Jugendlicher mit fremdem Namen ist bei der Lehrstellensuche klar benachteiligt. Dies zeigt ein Projekt des KV Zürich.

«Ach, wie gut, dass niemand weiss, dass ich «-itsch» im Namen heiss», würde heute Rumpelstilzchen singen. Denn Studien haben ergeben, dass Jugendliche mit einem ausländisch klingenden Namen wie «Delic» oder «Goekhan» viermal schlechtere Chancen haben, eine Lehrstelle zu finden, als Schweizer Jugendliche. Der KV Schweiz (Kaufmännische Verband) hat deshalb vor einem Jahr das Pilotprojekt «Smart selection» ins Leben gerufen, um Erfahrungen mit anonymen Bewerbungen für den Lehrstellenmarkt zu sammeln. Am Montag orientierte er die Medien über das Resultat. Ralf Margreiter, Ressortleiter Jugend beim KV, fasste zusammen: «Sind die Daten anonym, hat die Herkunft keinen Einfluss auf die Erfolgschancen. Im Zentrum stehen Kompetenz und Motivation.» Bei den Jugendlichen aus dem Balkan und aus Südeuropa, welche einen Sek-A-Abschluss haben, kam es sogar klar zu mehr Vorstellungsgesprächen als bei Schweizer Jugendlichen, wohl weil sie sich aufgrund ihrer Situation mehr anstrengen.

2300 Jugendliche nahmen teil

Zentrales Instrument des Projekts war die Online-Plattform www.we-are-ready.ch mit anonymen Profilen von Lehrstellensuchenden. Lehrbetriebe konnten dort passende Bewerber- und Bewerberinnen suchen und direkt kontaktieren. Erst nach dieser ersten Kontaktnahme werden Namen, Geschlecht und Herkunft bekannt gegeben. In Zürich haben sich 2300 Jugendliche und 200 Lehrbetriebe registriert, wobei die Auswertung ergab, dass die proportionalen Anteile von Ausländern und Schweizern bei den Bewerbungen ähnlich sind wie in der Oberstufe. «Es ist also keine «Ghetto-Plattform» entstanden, wie anfänglich vereinzelt befürchtet wurde», führte Projektmitarbeiterin Eva Heinimann aus.

Der KV fordert aufgrund dieser Ergebnisse die verantwortlichen Stellen auf, vermehrt auf anonymisierte Bewerbungsprofile zu setzen. «Denn die heutige Chancenungleichheit zwischen einheimischen und ausländischen Jugendlichen beinhaltet Zündstoff», warnt KV-Schweiz Präsident Mario Fehr. Der SP-Nationalrat ist überzeugt, dass Bemühungen um fairere Bedingungen bei der Lehrstellensuche ein tauglicheres Mittel gegen Jugendgewalt darstelle als mehr Repression und Gefängnisplätze.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch