Wer auf dem Pausenhof nicht Deutsch spricht, muss zahlen

Bei 70 Prozent Schülern mit Migrationshintergrund hört man auf dem Schulhof nicht immer Deutsch. Die Methode dagegen liegt rechtlich im Graubereich.

In einer Klasse in Egerkingen kommt es zwischen Schülern mit und ohne Migrationshintergrund zu Konflikten: Aussenseite des Schulhauses Mühlematt.(Screenshot: Tele M1)

In einer Klasse in Egerkingen kommt es zwischen Schülern mit und ohne Migrationshintergrund zu Konflikten: Aussenseite des Schulhauses Mühlematt.(Screenshot: Tele M1)

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«Während der gesamten Schulzeiten und auf dem ganzen Schulareal ist die Umgangssprache Deutsch» – so lautet eine der Regeln in der überarbeiteten Schulordnung der Egerkinger Primarschule. Die neuen Ausführbestimmungen hat der Egerkinger Gemeinderat an einer Sitzung definiert, wie das «Oltner Tagblatt» schreibt.

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Um die Vorgaben durchzusetzen, werden jene, die nicht Deutsch sprechen, bestraft: Beim ersten Vergehen folgt ein mündlicher Verweis, bei einem weiteren ein schriftlicher Verweis an die Eltern, einschliesslich der Aufforderung, dass das Kind einen kostenpflichtigen Deutschkurs besuchen muss. Mit dem dritten und letzten Verweis werden die Eltern dann zur Kasse gebeten. Ein Deutschkurs à 10 Lektionen wird verfügt. Kostenpunkt: 550 Franken.

Pragmatismus wird erwartet

Den Anstoss für die Regelung gab laut «Oltner Tagblatt», dass in manchen Klassen knapp 70 Prozent der Kinder einen Migrationshintergrund haben. Dies führe dazu, dass sich mehrheitlich die deutschsprachigen Schüler ihren Mitschülern anpassen müssten, so die Einschätzung des Gemeinderats. Gemeindepräsidentin Johanna Bartholdi gibt zu, dass sich die Anordnung in einem rechtlichen Graubereich befindet.

«Ein gewisses Mass an Pragmatismus können wir von den Lehrern erwarten. Es geht vor allem um Situationen, wo von einzelnen Gruppen bewusst gegen die deutschsprachigen Kinder gearbeitet wird», erklärt die Gemeindepräsidentin im «Oltner Tagblatt».

Mobbing zwischen Anderssprachigen

Ein solches Beispiel liefert laut einem Bericht von Tele M1 eine Klasse des Schulhauses Mühlematt. Dort scheint die Situation zwischen Schweizer Schulkindern und solchen mit Migrationshintergrund besonders angespannt, wie der Lokalsender berichtet.

Zwei Mütter erzählen, dass ihre Kinder dermassen gemobbt werden, dass sie sich mittlerweile nach einer alternativen Schule in einem Nachbarsdorf umsähen. Schulleiter Hanspeter Stöckli relativiert auf Tele M1 die Lage jedoch. Es gebe Kinder jener Klasse, die allgemein schlecht sozialisiert seien – auch schweizerische.

Erstellt: 28.01.2016, 12:28 Uhr

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