«Es ist sinnvoll, schon in der dritten Klasse mit Physik anzufangen»

Weshalb haben die Esten die besseren Pisa-Noten als die Schweizer? Lernforscherin Elsbeth Stern von der ETH erklärt.

Schweizer Schulkinder sind beim Lesen und Rechnen deutlich ins Hintertreffen geraten. Foto: Gaëtan Bally

Schweizer Schulkinder sind beim Lesen und Rechnen deutlich ins Hintertreffen geraten. Foto: Gaëtan Bally

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Auf einer IQ-Weltkarte fallen die Chinesen mit sehr hohen Werten auf. Sind sie ­intelligenter als die Europäer?
Es gibt keine Belege für ­ethnische Unterschiede in den ­biologischen Grundlagen der Intelligenz. Menschen aus dem ostasiatischen Raum haben kein anderes Gehirn als wir und können Informationen auch nicht per se effizienter verarbeiten. In manchen Intelligenztests schneiden Chinesen jedoch sehr gut ab, insbesondere in solchen zur Visualisierung von Information. Das kann auf die sehr ausgiebige Übung der Chinesen mit ihrem Symbolschriftsystem zu tun haben.

Wie erklären Sie sich, dass Estland jetzt so gute Noten erhielt?
In einem kleinen Land können gute Ideen schneller umgesetzt werden. Allein aus statistischen Gründen findet man aber auch, dass es bei Messungen in kleineren Gruppen eher zu Extremwerten kommt – im Guten wie im Schlechten.

Ist es für Schüler besser, ihre Recherchen statt im Internet in einem Lehrbuch zu machen, in dem es nicht so viele ­Antworten auf eine Frage gibt?
Man muss stets berücksichtigen, dass die Informationen dort nicht gottgegeben und daher auch mit Vorsicht zu verwenden sind. Das Beispiel Estland zeigt, dass die Digitalisierung des Unterrichts offenbar keine Nachteile hat. Es hängt aber auch immer viel davon ab, wie gut Lehrpersonen ihren Schülern den Unterrichtsstoff vermitteln.

Die Schweiz ist in Mathe gut, in den Naturwissenschaften und beim Lesen etwas schlechter. Wie erklären Sie sich dies?
Die Sekundarlehrer für Mathematik machen einen guten Job, was sich aber nicht automatisch auf die Leistung am Gymnasium auswirkt, wie andere Studien zeigen. Bei den Naturwissenschaften ist es sicher ein Problem, dass in der Schweiz viel zu spät damit begonnen wird. Wir haben in einer Studie mit 13'000 Schülern und Schülerinnen gezeigt, dass es sehr sinnvoll ist, bereits in der Primarschule ab der dritten Klasse mit dem Physikunterricht zu beginnen. Mädchen und Jungen haben dabei gleich viel dazugelernt. Bei der Lesekompetenz muss die Schweiz unbedingt aufholen, weil diese eine wichtige Grundvoraussetzung für alle anderen Fächer ist.


Eine Beispiel-Frage aus der Pisa-Studie

Die Schülerinnen und Schüler müssen Aufgaben wie diese lösen:

Du besuchst deine Verwandten, die vor Kurzem auf einen Bauernhof gezogen sind, um Hühner zu züchten. Du fragst deine Tante: «Wie hast du gelernt, Hühner zu züchten?»

Sie sagt: «Wir haben mit vielen Leuten gesprochen, die Hühner züchten. Ausserdem gibt es viele Informationen dazu im Internet. Es gibt zum Beispiel ein Forum über Hühnergesundheit, das ich gerne besuche. Es war vor Kurzem sehr hilfreich für mich, als sich eine meiner Hennen am Bein verletzte. Ich zeige dir die Unterhaltung, die ich hatte.»

Beziehe dich auf das Forum Hühnergesundheit und beantworte die Fragen.

Den Wortwechsel aus dem Forum finden Sie nachfolgend (Klicken zum Vergrössern), die einzelnen Fragen folgen weiter unten.

Die Fragen dazu:

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Was möchte Inge_88 wissen?






Umfrage

Warum beschliesst Inge_88, ihre Frage in einem Internetforum zu posten?






Umfrage

Wer hat bereits positive Erfahrungen gemacht, als er oder sie einer verletzten Henne Aspirin gegeben hat?






Zum Hühnerforum gibt es vier weitere Frage, wer möchte, kann sie sich hier anschauen bzw. die komplette Übung machen.

Erstellt: 03.12.2019, 20:03 Uhr

Elsbeth Stern

«Die Schweiz beginnt zu spät mit Naturwissenschaften»: Elsbeth Stern ist Professorin für ­empirische Lern- und Lehrforschung an der ETH Zürich. Foto: Urs Jaudas

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