Wer wird neuer Armeechef? Diese Militärs prüft Amherd

Die beiden verbleibenden Korpskommandanten kommen für die Nachfolge von Armeechef Rebord kaum infrage.

Ein heisser Kandidat für die Rebord-Nachfolge: Hans-Peter Walser.

Ein heisser Kandidat für die Rebord-Nachfolge: Hans-Peter Walser.

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Theoretisch kann jede Schweizerin oder jeder Schweizer Armeechef werden. Doch faktisch reduziert sich die Auswahl auf jene höheren Stabsoffiziere, die eines bis drei Edelweisse auf den Schultern tragen. Das sind: 2 Korpskommandanten, 18 Divisionäre und 32 Brigadiers. Oder im Geschlechterverhältnis: 51 Männer und eine einzige Frau.

Nur Stunden nach dem Rücktritt von Armeechef Rebord laufen die Spekulationen über den Nachfolger oder die Nachfolgerin bereits heiss. Wir nennen die Namen, die man in der Nachfolgediskussion jetzt kennen muss:

Aldo C. Schellenberg, 60, Korpskommandant: Der Stellvertreter des Armeechefs wäre der natürliche Nachfolger von Philippe Rebord. Auch Rebord war zunächst die Nummer zwei, bevor er vom Bundesrat zum Armeechef ernannt wurde. Einer breiteren Öffentlichkeit wurde Aldo C. Schellenberg bekannt, als er in seiner Zeit als Luftwaffenchef mehrere Abstürze erklären musste. In der neuen Armeestruktur führt er das wichtige Kommando Operationen. Doch schon Rebord, der bei Amtsantritt 59-jährig war, galt als Übergangslösung. Schellenberg wäre bei Amtsantritt sogar 61 Jahre alt und damit eine Übergangslösung der Übergangslösung. Hinzu kommt, dass manche Armeevertreter und Sicherheitspolitiker Schellenberg die oberste Spitzenposition nicht zutrauen. Aus diesen Gründen sind Schellenbergs Chancen auf den Chefposten klein.

Daniel Baumgartner, 57, Korpskommandant: 2016 war auch Daniel Baumgartner im Rennen um die Nachfolge von André Blattmann, unterlag aber gegen Philippe Rebord. In der neuen Armeestruktur ist er Ausbildungschef. Zuletzt ist er im Zuge der Spesenaffäre der Armeespitze in die Schlagzeilen geraten. Administrativ- und Disziplinaruntersuchungen ergaben, dass Alkoholrechnungen bei von ihm ausgerichteten Kaderanlässen «über dem Zulässigen» lagen und dass die Schenkung von Goldmünzen an Mitarbeiter unter seiner Führung «sorgfaltswidrig» erfolgten. Diese Vorgänge haben Baumgartner so zugesetzt, dass er selber Bundesrätin Amherd um seine Versetzung ersucht hat. Er ist nun im Gespräch als neuer Verteidigungsattaché in Washington. Damit ist er als Rebords Nachfolger praktisch aus dem Rennen.

Claude Meier, 54, Divisionär: Der frühere Kampfpilot, Staffel- und Geschwader-Kommandant ist heute Chef des Armeestabs und damit – neben Rebord selber – der wichtigste Stratege der Armee. Schon aufgrund dieser Funktion steht Meier unter den möglichen Nachfolgern in der ersten Reihe. Vom Auftritt her wirkt der studierte Historiker eher als Intellektueller denn als Heerführer. Inner- und ausserhalb der Armee ist er respektiert bis geschätzt und wird von mehreren Sicherheitspolitikern als Papabile für die Rebord-Nachfolge genannt. Meiers Manko ist, dass er nie einen grösseren Verband geführt hat.

Hans-Peter Walser, 55, Divisionär: Gleich mehrere gute Kenner der Armee nennen Hans-Peter Walser als heissen Kandidaten für die Rebord-Nachfolge. Kaum einer der höheren Stabsoffiziere verfügt über eine derart breite Erfahrung wie er – sowohl als Truppenführer als auch als Stratege im Berner Pentagon. Seit 2018 kommandiert Walser von Aarau aus die Territorialdivision 2, welche für die ganze Nordwestschweiz und Teile der Zentralschweiz zuständig ist. Zuvor war er nacheinander Personalchef der Armee, Chef der Armeeplanung und Chef des Armeestabes. Walser wirkt im ersten Kontakt ruhig und fast unscheinbar und zeichnet sich dem Vernehmen nach durch einen guten Umgang mit seinen Untergebenen aus.

Thomas Süssli, 52, Divisionär: Als Chef der Führungsunterstützungsbasis führt Süssli einen der vier zentralen Bereiche der Armee. Bei Sicherheitspolitikern im National- und im Ständerat geniesst er einen guten Ruf. Und er hat eine sehr atypische Karriere vorzuweisen: Bis vor dreieinhalb Jahren war Süssli Milizoffizier und im normalen Leben Bankmanager, zuletzt als Asienchef bei Vontobel. Erst mit der Beförderung zum Brigadier im Jahr 2015 wurde er Berufsoffizier. Darum kommt die Vakanz an der Armeespitze für Süssli dieses Mal eventuell noch zu früh. Umgekehrt ist die Verankerung in der Privatwirtschaft aber auch sein Trumpf, der ihn von den meisten anderen Kandidaten unterscheidet.

Germaine Seewer, 54, Brigadier: Germaine Seewer ist die erste Frau, die in der Schweizer Armee eine Brigade führt – die Führungsunterstützungsbrigade 41 mit Kommandozentrale in Bülach ZH. Da Viola Amherd als Verteidigungsministerin auch Frauen speziell fördern will, könnte es Seewer in eine erste Auswahl schaffen – erst recht, weil sie wie Amherd aus dem Oberwallis stammt. Dass sie am Ende das Rennen macht, wäre aber eine grosse Überraschung.

Jean-Paul Theler, 55, Divisionär: Ebenfalls aus dem Wallis stammt Jean-Paul Theler. Der Divisionär war unter anderem Personalchef der Armee und kommandierte als Vorgänger von Süssli die Führungsunterstützungsbasis. Derzeit ist er direkt dem Armeechef unterstellt und im Rahmen der Streitkräftereform WEA dafür zuständig, das Unterstützungskommando aufzubauen. Die Frage ist, ob die Walliser Herkunft ihm wirklich nützt oder ob er nicht der eine Walliser zu viel wäre – nachdem schon Rebord aus dem Wallis stammt und Amherd bereits andere Schlüsselpositionen im Departement mit Wallisern besetzt hat.

Melchior Stoller, 57, Divisionär: Nach einer längeren Karriere in verschiedenen Kommandofunktionen wurde Stoller 2018 noch von Bundesrat Guy Parmelin zum militärpolitischen Berater ernannt. In dieser Funktion untersteht er direkt der Departementschefin. Für einige VBS-Kenner ist er ein valabler Papabile, andere trauen ihm die Spitzenposition nicht zu.

Sehr gut möglich ist, dass im Verlauf des Findungsprozesses plötzlich noch weitere, etwas weniger bekannte Divisionäre und Brigadiers sich plötzlich als valable Kandidaten erweisen oder sogar aufdrängen können.

Erstellt: 04.04.2019, 20:29 Uhr

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