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Wer zahlt für die Vandalen?

Immer mehr Polizisten müssen für die Sicherheit in den Schweizer Stadien sorgen – und Hooligans daran hindern, Zerstörungen anzurichten. Doch die Rechnung will niemand zahlen.

Gewaltbereit – und kostspielig: Gewalttäter nach dem Superleague-Spiel Sion gegen Basel am 2. August 2008.
Gewaltbereit – und kostspielig: Gewalttäter nach dem Superleague-Spiel Sion gegen Basel am 2. August 2008.
Keystone

Bund und Kantone möchten die Klubs stärker in die Pflicht nehmen und stossen dabei auf Widerstand. Im Schweizer Fussball werden beträchtliche Summen umgesetzt, die Top-Klubs verfügen über Budgets im zweistelligen Millionenbereich. Angesichts solcher Summen könnten die Vereine durchaus mehr für die Sicherheit rund um die Stadien tun, finden manche Politiker. Schliesslich sei ein Fussballklub ein privater Veranstalter und könne nicht erwarten, dass der Steuerzahler die hohen Sicherheitskosten einfach übernehme, sagte der bernische Polizeidirektor Hans-Jürg Käser am Samstag in der «Tagesschau» des Schweizer Fernsehens.

Im Kanton Bern sind die Sicherheitskosten für Sportanlässe exorbitant gestiegen. Im Jahr 2002 wurden nur 200'000 Franken dafür aufgewendet, letztes Jahr waren es mehr als vier Millionen Franken. Anderswo ist die Tendenz ähnlich.

30'000 Polizisten gegen die Gewalt

Schweizweit standen letzte Saison fast 30'000 Polizisten im Einsatz, um die Sicherheit an Fussball- und Eishockey-Spielen der obersten Ligen zu gewährleisten. Diese Zahl hat das Bundesamt für Polizei (fedpol) ermittelt, wie das fedpol zu einem Bericht der «SonntagsZeitung» bestätigte. Für einen Fussballmatch der Super League brauchte es demnach im Schnitt 101 Polizeikräfte. In Hochrisikospielen sind es weit mehr; so standen bei der «Finalissima» YB-Basel rund 600 Polizisten im Einsatz. Ein Hochrisikospiel verursacht Kosten von etwa einer Viertelmillion Franken.

Angesichts solcher Zahlen drängen die kantonalen Polizeidirektoren die zehn Super-League-Klubs dazu, bis Ende Juni eine Vereinbarung mit den Behörden zu unterzeichnen. Darin sollen sich die Vereine verpflichten, mehr für die Sicherheit zu tun – oder aber deutlich mehr an die Kosten für die Polizeieinsätze zu zahlen. Die Begeisterung der Klubs hält sich allerdings in Grenzen - die Verhandlungen mit den Behörden verlaufen nach Informationen der Nachrichtenagentur SDA vielerorts harzig.

Ein Vertrag mit der Stadt Bern

YB zum Beispiel will die Vereinbarung nicht unterzeichnen. Schliesslich habe man einen laufenden Sicherheitsvertrag mit der Stadt Bern, sagt Sprecher Albert Staudenmann. YB muss - wie der SC Bern - jährlich nur eine Pauschale von 60'000 Franken zahlen, der Rest geht zu Lasten der öffentlichen Hand. Die Stadt Bern steht nach wie vor hinter dem Vertrag, wie Stadtpräsident Alexander Tschäppät und Sicherheitsdirektor Reto Nause am Wochenende signalisierten.

Das könnte ihnen aber Ärger mit dem Kanton bescheren. Denn der bernische Polizeidirektor Käser mahnte die Stadt Bern und YB, die Kostenfrage neu aufzurollen. Andererseits behalte er sich vor, den Ressourcenvertrag Kanton-Stadt zu künden, wie Käser einen Bericht im «Bund» bestätigte. Der Ressourcenvertrag regelt, welche Leistungen die Kantonspolizei auf Stadtgebiet erbringt. Die Stadt zahlt dafür pauschal 28 Millionen Franken.

YB gegen eine Schuldzuweisung

YB wehrte sich derweil gegen die «Schwarzpeter-Rolle». «Wir investieren schon heute viel in die Sicherheit», sagte YB-Sprecher Staudenmann der SDA. Zusätzlich werde man jetzt den Fan-Trennungs- Zaun ausserhalb des Stadions verlängern; alleine dies koste über 100'000 Franken – ein Beitrag, den YB freiwillig zahle.

SDA/raa

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