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Wie aus Jugos und Türken Muslime wurden

Muslime sind in den letzten Jahren zu einer Gefahr für die Schweiz stilisiert worden, obwohl nur ein Bruchteil fundamentalistisch eingestellt ist. Eine Studie zeigt auf wer für diese Entwicklung verantwortlich ist.

Der böse Muslim: Das SVP-Plakat für die Minarettinitiative.
Der böse Muslim: Das SVP-Plakat für die Minarettinitiative.
Keystone

Zwar kamen schon ab den 1960er Jahren muslimische Arbeitsmigranten aus der Türkei und Jugoslawien in die Schweiz. Man nahm sie aber hauptsächlich als Türken und Jugos wahr. Ihre Religionszugehörigkeit spielte in der Wahrnehmung dieser Einwanderer noch keine Rolle.

Das änderte sich nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 in den USA, den Anschlägen in Madrid und London 2004/2005 sowie mit dem Streit um die dänischen Mohammed-Karikaturen 2006. Die These Samuel Huntingtons vom «Kampf der Kulturen» (clash of civilizations) zwischen dem Westen und der muslimischen Welt fand vor diesem Hintergrund verstärkte Beachtung.

Patrik Ettinger und Kurt Imhof vom Forschungsbereich Öffentlichkeit und Gesellschaft (fög) der Universität Zürich untersuchen die Wahrnehmung der muslimischen Minderheit anhand der Medienberichterstattung. Auch parlamentarische Vorstösse und Wortmeldungen wurden beleuchtet, wie der Schweizerische Nationalfonds mitteilte.

Eine muslimische Minderheit wird geschaffen

Die Wahrnehmung des Islams als Teil internationaler Konflikte und Kriege wurde zunehmend pauschalisierend auf die Muslime in der Schweiz übertragen, heisst es in der Studie. Einwanderer muslimischen Glaubens wurden kollektiv als Muslime wahrgenommen und als Bedrohung für die Schweiz dargestellt - dies obschon nur ein kleiner Bruchteil von ihnen fundamentalistisch eingestellt ist.

Geschürt wurde diese Perspektive vor allem von der SVP, wie die Analyse der Medien ergab. Sie betonte in Inseraten und Plakaten neben der ethnischen immer mehr die religiöse Herkunft muslimischer Migranten - etwa in Kampagnen zu Abstimmungen über Ausländerfragen oder zur Minarettinitiative. Trotz Kritik seitens anderer Parteien habe keine inhaltliche Auseinandersetzung dazu stattgefunden. «Das trug dazu bei, dass in der öffentlichen Kommunikation eine muslimische Minderheit in der Schweiz geschaffen werden konnte», sagt Ettinger.

Die Verantwortung der Medien

In der Berichterstattung wurden Muslime immer öfter kollektiv als beispielsweise «gewalttätig» oder «unaufgeklärt» beschrieben. Das liege vor allem auch daran, dass Medien extremen, provokanten Positionen mehr Platz einräumten, sagt Ettinger. Die Medien hätten es nicht geschafft, eine differenzierte öffentliche Diskussion - etwa über die Minarettinitiative - zu vermitteln.

Die Studie über die mediale und politische Wahrnehmung der muslimischen Minderheit wurde im Rahmen des Nationalen Forschungsprogramms «Religionsgemeinschaften, Staat und Gesellschaft» (NFP 58) erarbeitet.

SDA/jak

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