Zum Hauptinhalt springen

317 Millionen Franken aus dem Nichts

Experten haben das ursprüngliche Budget von Sion 2026 zerzaust und gewarnt, dass das Defizit viel höher ausfallen könnte. Der Bundesrat schloss sich dieser Einschätzung an.

Der Bundesrat hat für die Olympischen Winterspiele 2026 fast eine Milliarde Franken genehmigt. (Video: Tamedia/SDA)

Es ist ein dünnes Dokument. 33 Seiten, grosszügig bedruckt, aufwendig illustriert. Aber dieses Papier könnte den Bund bis zu 317 Millionen Franken kosten.

Die Rede ist vom externen Gutachten, das die Wirtschaftsprüfungsfirma PWC im September zum ersten Budget von Sion 2026 erstellt und das Verteidigungsdepartement heute auf Anfrage veröffentlicht hat. PWC kommt darin zum Ergebnis, dass die vom Komitee Sion 2026 ursprünglich vorgesehenen Ausgaben deutlich zu tief und die prognostizierten Einnahmen viel zu optimistisch sind. Mit anderen Worten: Das Komitee Sion 2026 hat mit einem Schönwetter-Budget operiert.

Die Differenz ist erklecklich. Während das Komitee Sion 2026 bei den Winterspielen von einem Defizit von 510 Millionen Franken ausging, ergaben die Berechnungen von PWC eine Finanzierungslücke von 827 Millionen Franken.

Wie kam es zu den unterschiedlichen Prognosen?

Für die öffentlichen Finanzen sind die Auswirkungen enorm. Der Bundesrat hat am Mittwoch für Sion 2026 eine limitierte Defizitgarantie von exakt 827 Millionen Franken bewilligt. Er hat sich also vollständig der Einschätzung von PWC angeschlossen. Kommen die Winterspiele nach Sion, so steht der Bund nun mit 317 Millionen Franken mehr im Risiko.

Zweimal hat die Schweiz bislang Olympische Spiele organisiert – 1928 und 1948 in St. Moritz. Kein Wunder, war es Liebe auf den ersten Blick: Der Kurort im Engadin war einst das Epizentrum des Wintersports. Der «Olympiastein» erinnert an die Pionierleistung der Eidgenossenschaft.
Zweimal hat die Schweiz bislang Olympische Spiele organisiert – 1928 und 1948 in St. Moritz. Kein Wunder, war es Liebe auf den ersten Blick: Der Kurort im Engadin war einst das Epizentrum des Wintersports. Der «Olympiastein» erinnert an die Pionierleistung der Eidgenossenschaft.
Keystone
Auf dem Natureisfeld «Badrutts Park» wurde 1924 das Olympische Eishockeyturnier ausgetragen. Es wurden gleichzeitig WM- und EM-Medaillen vergeben. Die Gastgeber gewannen Olympiabronze.
Auf dem Natureisfeld «Badrutts Park» wurde 1924 das Olympische Eishockeyturnier ausgetragen. Es wurden gleichzeitig WM- und EM-Medaillen vergeben. Die Gastgeber gewannen Olympiabronze.
Wikimedia
Bleibt von ursprünglich fünf möglichen Kandidaten noch Sion übrig als potenzieller Austragungsort für die Winterspiele 2026 – mit Wettkampfstätten in den Kantonen Wallis, Freiburg, Waadt, Bern sowie der Aussenstation St. Moritz. Angeführt wird die Kandidatur von OK-Präsident Jean-Philippe Rochat, einem Anwalt, SP-Ständerat Hans Stöckli sowie FC-Sion-Präsident Christian Constantin.
Bleibt von ursprünglich fünf möglichen Kandidaten noch Sion übrig als potenzieller Austragungsort für die Winterspiele 2026 – mit Wettkampfstätten in den Kantonen Wallis, Freiburg, Waadt, Bern sowie der Aussenstation St. Moritz. Angeführt wird die Kandidatur von OK-Präsident Jean-Philippe Rochat, einem Anwalt, SP-Ständerat Hans Stöckli sowie FC-Sion-Präsident Christian Constantin.
Keystone
1 / 14

Wie also erklären sich die massiven Unterschiede zwischen den Prognosen? Das erste Budget von Sion 2026 habe die Wirtschaftsprüferin Deloitte erstellt, erklärt Hans Stöckli, Vizepräsident des Komitees. Die PWC-Expertise habe das Komitee dann veranlasst, das ursprüngliche Budget anzupassen. «Wir sind in fast allen Punkten der PWC gefolgt», so Stöckli. Der Antrag an den Bundesrat habe dann das revidierte Budget mit dem Fehlbetrag von 827 Millionen Franken enthalten. «Wir wollten auf der sicheren Seite sein und haben deshalb das vorsichtigere Budget eingereicht», so Stöckli.

Das Bundesamt für Sport (Baspo), welches das PWC-Gutachten in Auftrag gegeben hat und für die Behandlung des Olympia-Antrags zuständig ist, betont ebenfalls die Wichtigkeit von konservativen Schätzwerten. PWC habe sowohl bei den Einnahmen wie auch bei den Ausgaben das Vorsichtsprinzip angewendet, teilt ein Sprecher mit. Einem Budget, das neun Jahre im Voraus erstellt werden müsse, lägen immer die bestmöglichen Annahmen zugrunde. «Es ist für den Bundesrat angezeigt, sich auf die jeweils vorsichtigsten Berechnungen abzustützen.»

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch