Wie Flüchtlinge Arbeit finden sollen

Die Sozialhilfekonferenz fordert Pflichtausbildungen für Flüchtlinge. In maximal einem Jahr sollen sie sich für einen Beruf qualifizieren und die Sprache erlernen.

Hat den Einstieg in den Arbeitsmarkt geschafft: Die Angolanerin Paciencia Mafuta.

Hat den Einstieg in den Arbeitsmarkt geschafft: Die Angolanerin Paciencia Mafuta. Bild: Urs Jaudas

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Die steigende Zahl von Asylsuchenden stellt die Sozialhilfe vor grosse Probleme: Weil viele Flüchtlinge nicht für den Schweizer Arbeitsmarkt qualifiziert sind und deshalb oft erst nach Jahren eine Stelle finden, steigt die Zahl der Sozialhilfebezüger. Die Schweizerische Konferenz für Sozialhilfe (Skos) schlägt nun Massnahmen vor, um die Erwerbsquote der Flüchtlinge zu steigern.

Die wichtigste dieser Massnahmen ist die Einführung von mehrmonatigen bis einjährigen Berufseinstiegskursen. Diese sollen sowohl für anerkannte Flüchtlinge wie für vorläufig Aufgenommene Pflicht sein, sofern diese nicht über eine Ausbildung verfügen, die in der Schweiz anerkannt werden kann.

Gastronomie- und Pflegelehrgang als Vorbild

Vorbild für die Berufseinsteigerkurse ist insbesondere der Riesco-Lehrgang, den die Gastronomiebranche für anerkannte Flüchtlinge anbietet. Der Lehrgang beinhaltet ein Praktikum, theoretische Berufskenntnisse sowie die Vermittlung von Sprache, Schweizer Werten und Lerntechnik und wird von den Kantonen finanziert. Solche niederschwelligen und kurzen Ausbildungen hätten sich bewährt, schreibt die Skos in einem Diskussionspapier, das sie heute veröffentlicht hat.

Teil der Berufseinsteigerkurse soll die Sprachausbildung sein. Die Erfahrung zeige, dass oft sehr viel Zeit verloren gehe, wenn Flüchtlinge zuerst die Sprache erlernen müssten, und erst danach eine Ausbildung absolvieren könnten, schreibt die Skos und weist zudem daraufhin, dass der rein schulische Spracherwerb oft wenig erfolgreich sei.

Verbände in der Pflicht

Die Berufseinsteigerkurse sollen laut der Skos von den Berufs- und Branchenverbänden konzipiert und getragen werden, aber einen schweizweit anerkannten Abschluss ermöglichen. Zudem soll ein erfolgreich absolvierter Berufseinsteigerkurs die anschliessende Absolvierung einer normalen Berufslehre ermöglichen.

Als geeignete Branchen sieht die Skos neben der Pflege und der Gastronomie auch das Baugewerbe, die Reinigungsbranche, Haus- und Landwirtschaft sowie den öffentlichen Dienst an.

Die Einführung solcher Berufseinsteigerkurse würde Gesetzesänderungen auf Bundes- und Kantonsebene bedingen und auch Kosten mit sich bringen. Um dies rasch zu ermöglichen, schlägt die Skos die Einrichtung eines runden Tischs vor.

Die Skos rechnet mit Kosten von rund 125 Millionen Franken pro Jahr für die Berufseinstiegkurse. Dem stünden Einsparungen von rund 25'000 Franken pro Jahr und pro Person gegenüber, die Sozialhilfe beziehe. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 27.11.2015, 12:39 Uhr

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