Zum Hauptinhalt springen

Wie Kiffer ihren Cannabis-Konsum kontrollieren

Viele Konsumenten regulieren ihren Konsum selbst – mit Erfolg. Das zeigt eine Studie der Universität Bern.

Die Studie zeigt: Wer Strategien anwendet, konsumiert insgesamt weniger Cannabis. Foto: Justin Sullivan, Getty Images
Die Studie zeigt: Wer Strategien anwendet, konsumiert insgesamt weniger Cannabis. Foto: Justin Sullivan, Getty Images

Die meisten Cannabis-Konsumierenden frönen ihrer bis dato illegalen Leidenschaft ohne negative gesundheitliche oder soziale Auswirkungen. Zu diesem Schluss kommt eine am Montag präsentierte Studie der Universität Bern.

Die Studie ist mit 1300 Teilnehmenden nicht repräsentativ, liefert aber laut Studienleiter Hansjörg Znoj vom Institut für Psychologie dennoch aufschlussreiche Erkenntnisse darüber, wie Konsumierende mit der Substanz umgehen.

So zeigte sich, dass eine grosse Mehrheit der Cannabis-Konsumenten erfolgreich Strategien anwendet, um das «Kiffen» im Griff zu behalten. «Die grosse Mehrheit der befragten Konsumierenden zeigt dank Verhaltensstrategien zur Selbstregulation einen unproblematischen Umgang mit Cannabis», sagte die Stadtberner Gemeinderätin Franziska Teuscher (Grüne). Die Stadt Bern ist die Auftraggeberin der Studie.

Die Konsumierenden setzen auf verschiedene Strategien unabhängig von Alter, Geschlecht und Ausbildung. Die fünf am häufigsten eingesetzten Strategien sind:

  • Vermeiden, Cannabis vor wichtigen Aufgaben wie grossen Prüfungen, Vorstellungsgesprächen oder Auftritten, bei denen die Teilnehmenden klar sein müssen und bewertet werden, zu konsumieren
  • Vermeiden, vor der Schule oder Arbeit zu konsumieren
  • Bezug von Cannabis nur von vertrauten Quellen
  • Nach der Einnahme nicht Auto fahren
  • Aufhören Cannabis zu verwenden, wenn Symptome wie Ängstlichkeit oder Paranoia auftreten

Wer häufiger solche Strategien anwendet, konsumiert insgesamt weniger und zeigt weniger Zeichen von Abhängigkeit. Die Studienteilnehmenden, die Strategien anwenden, fühlten sich zudem subjektiv gesünder.

Junge «Kiffer»

Das Anwenden solcher Strategien bedarf allerdings der Fähigkeit, selbstverantwortlich zu handeln und Impulse unter Kontrolle halten zu können. Etwas, das jüngeren und wenig gebildeten Personen mitunter etwas schwerer fällt.

Am meisten aktuell Konsumierende finden sich laut Studie in der Altersgruppe der 13- bis 30-jährigen. So fällt bei der Konsumhäufigkeit der hohe tägliche Konsum bei Personen auf, die sich in einer Lehre oder Ausbildung befinden. Je höher das Ausbildungsniveau, desto seltener ist der Konsum.

Im Rahmen der Studie wurden die Teilnehmenden auch zu ihrer Haltung bezüglich des gesellschaftlichen Umgangs mit Cannabis befragt. Wenig sinnvoll erachteten die Studienteilnehmenden die aktuelle Verbotspolitik. Ebenso wenig Zustimmung erhielt eine vollständige Legalisierung. Anklang fanden Regulierungsmassnahmen wie etwa eine Altersgrenze, ein Werbeverbot oder der Verkauf über Spezialgeschäfte mit geschultem Personal.

«Die Resultate bestätigen, was die Befürwortenden eines Richtungswechsels in der Cannabis-Politik der Schweiz schon lange postulieren», sagte die Stadtberner Gemeinderätin Franziska Teuscher vor den Medien. Das Ende der Verbotspolitik sei angezeigt.

Mit dem Modell des regulierten Verkaufs könnte man auch die etwas mehr als ein Prozent der Konsumenten erreichen, die einen problematischen Konsum aufweisen, führte Teuscher weiter aus. Beim Kontakt mit der Verkaufsstelle sehe man beispielsweise, in welcher Verfassung sich die Konsumierenden befänden, sagte Teuscher.

Die Stadtberner Gemeinderätin forderte eine Entkriminalisierung des Cannabiskonsums. Das Verbot befeure lediglich den Schwarzmarkt. Der Fokus sollte sich nicht auf die Vielen richten, deren Konsum unproblematisch sei, sondern auf das schweizweit rund eine Prozent an Personen, die einen problematischen Konsum an den Tag legten. «Diese Risikogruppe erreichen wir besser, wenn wir Cannabis kontrolliert verkaufen dürfen.»

Bern hofft auf Deblockierung

Eine Studie der Universität Bern zur kontrollierten Abgabe von Cannabis in Apotheken ist derzeit noch blockiert. Auf nationaler Ebene wird über eine Gesetzesänderung diskutiert, um solche Versuche künftig durchführen zu können.

Sie sei zuversichtlich, dass das nach den Wahlen im Herbst 2019 neu zusammengesetzte Eidgenössische Parlament den Weg frei mache, gab Teuscher ihrer Hoffnung Ausdruck. An der Studie zum Cannabisverkauf in Apotheken sind auch weitere Schweizer Städte interessiert.

Die Stadt Bern hat in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder Pionierarbeit in der Drogenpolitik geleistet. 1986 etwa wurde in Bern das weltweit erste staatlich tolerierte «Fixerstübli» eingerichtet - ein geschützter Raum, in dem Drogenabhängige saubere Spritzen beziehen und sich stressfrei den Stoff verabreichen konnten.

(SDA)

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch