Wie Lauber es schaffte, seinen Kopf aus der Schlinge zu ziehen

Der Bundesanwalt hat vor den Fraktionen zum Fall Fifa Einsicht gezeigt. Das dürfte seine knappe Wiederwahl begünstigt haben.

Den Boden für seinen Sieg hat er in den Partei-Hearings gelegt: Bundesanwalt Michael Lauber. Foto: Peter Klaunzer (Keystone)

Den Boden für seinen Sieg hat er in den Partei-Hearings gelegt: Bundesanwalt Michael Lauber. Foto: Peter Klaunzer (Keystone)

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Er hat um seine Wiederwahl gekämpft, mit aller Kraft. Trotz einer drohenden Schmach war Bundesanwalt Michael Lauber beim Wahlprozedere selbst im Nationalratssaal auf der Tribüne anwesend. Links und rechts neben sich seine beiden Stellvertreter Ruedi Montanari und Jacques Rayroud, eine Reihe weiter vorne der Generalstaatsanwalt des Kantons Bern, Michel-André Fels, die Chefin des Bundesamtes für Polizei (Fedpol), Nicoletta Della Valle, und der Chef der Bundeskriminalpolizei, Yanis Callandret.

Das Signal war klar: «Seht her, die Bundesbehörden und die Kantone stehen hinter mir.» Um 9.30 Uhr stand dann fest: Lauber wird die Bundesanwaltschaft (BA) bis 2023 leiten – dank 129 von 243 gültigen Stimmen, sieben über dem absoluten Mehr.

Den Boden für seinen Sieg hat Lauber allerdings schon früher gelegt: in den Bundeshausfraktionen. Sie haben ihn in den letzten Tagen angehört und mussten eine knifflige Frage klären: Waren die Verfehlungen und das ungeschickte Verhalten von Bundesanwalt Michael Lauber so gravierend, dass es für eine Abwahl ausreicht? Keine einzige Partei konnte diese Frage mit einem klaren Ja beantworten. SP, SVP und FDP plädierten mit zum Teil knappem Mehr für eine Wiederwahl, alle anderen gaben gar keine Empfehlung ab.

«Lauber hat bei der Anhörung einen überzeugenden Auftritt hingelegt.» Lukas Reimann, SVP-Nationalrat

Dabei sah es lange so aus, als ob er nicht mit einer solchen Unterstützung rechnen konnte. Seine informellen, nicht protokollierten Treffen mit dem Fifa-Präsidenten Gianni Infantino hatten zur Folge, dass die Aufsichtsbehörde am 10. Mai eine Disziplinaruntersuchung initiierte. Und Anfang September der Tiefschlag: Die parlamentarische Gerichtskommission empfahl Lauber mit 9 zu 6 Stimmen nicht zur Wiederwahl.

«Lauber hat bei der Anhörung einen überzeugenden Auftritt hingelegt», sagt SVP-Nationalrat Lukas Reimann, Damit habe er wohl einige Unentschlossene noch auf seine Seite ziehen können. Mehrere SP-Exponenten sprechen von einem ähnlichen Resultat der Anhörung in ihrer Fraktion. «Viele von uns sind ergebnisoffen an die Sitzung gegangen», bestätigt etwa Nationalrat Philipp Hadorn. Dabei habe Lauber eine gewisse Einsicht an den Tag gelegt: Er habe auch aufgezeigt, was nicht gut gelaufen sei, und was er heute anders machen würde. FDP-Nationalrat Christian Wasserfallen spricht sogar davon, dass Lauber Fehler eingestanden habe, insbesondere in der Kommunikation.

Damit scheint der Bundesanwalt seine Strategie nach der Nichtwiederwahl-Empfehlung der Gerichtskommission angepasst zu haben. So betonte BDP-Nationalrat Lorenz Hess, Mitglied dieser Kommission, dass sie zu keinem Zeitpunkt festgestellt hätten, dass Lauber sein Handeln kritisch hinterfragt habe. Gemäss etlichen Parlamentariern aus verschiedenen Parteien hat er nun genau das getan.

Emotionales Votum aus der FDP

Schliesslich wird das Szenario einer Abwahl Laubers viele Nationalräte abgeschreckt haben. Nicht nur, dass die Kontinuität bei der Behandlung komplizierter Fälle gelitten hätte und weit und breit kein möglicher Nachfolger in den Startlöchern stand. Es wäre laut GLP-Präsident Jürg Grossen auch ein fatales Zeichen gewesen, wenn man wegen eines relativ kleinen Fehlers einen derart folgenschweren Entscheid gefällt hätte. Zumal die Verdienste von Lauber beträchtlich und weitgehend unbestritten seien.

Dies betonte auch FDP-Nationalrat Christian Lüscher in einem emotional vorgetragenen Votum. Lauber habe in der Bundesanwaltschaft aufgeräumt und Controllings und Coachings eingeführt. Auch im Ausland werde die BA inzwischen als verlässliche Partnerin gelobt.

Erstellt: 25.09.2019, 21:12 Uhr

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