Steinegger hadert mit seiner NZZ

Ausgerechnet die NZZ empfiehlt ein Nein zur 2. Gotthardröhre. Franz Steinegger, Ex-Präsident der Zeitung und Co-Präsident des Pro-Komitees, schluckt – und reagiert mit einem Spässchen.

«Macht dir die Zeitung Kummer, morgen kommt die nächste Nummer»: Franz Steinegger. (Archiv)

«Macht dir die Zeitung Kummer, morgen kommt die nächste Nummer»: Franz Steinegger. (Archiv) Bild: Keystone

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Es war mal seine Zeitung. 15 Jahre lang war Franz Steinegger, der ehemalige Präsident der FDP, im Verwaltungsrat der NZZ. Für eine kurze Zeit sogar als Präsident. 2013 gab er sein Mandat auf, er hatte mit 70 Jahren die statutarische Altersgrenze erreicht. Steinegger, die FDP, die NZZ – Gewissheiten der alten Schweiz. Und nun das. Ausgerechnet der Gotthard. Sein Gotthard.

Der Urner äussert sich nur noch selten zu tagesaktuellen Fragen, er will seinen Nachfolgern in der Politik, bei der Zeitung nicht reinreden. Eine Ausnahme macht er für den Berg (den er «Gotthrt» ausspricht. Alleine daran sieht man, wie ernst er es meint): Steinegger sitzt als Co-Präsident im Pro-Komitee für eine zweite Röhre. Der Kanton Uri habe keinen Platz für Verladestationen, der «Gotthrt» habe ein Sicherheitsproblem, ein Ja zur zweiten Röhre sei darum ein Gebot der Vernunft.

Die Hirten am Gotthard

Seine ehemalige Zeitung sieht das leicht anders. Schon seit Monaten ist der Ton in der Berichterstattung unmissverständlich gegen eine zweite Röhre gerichtet, diesen Dienstag folgte nun der grosse Leitartikel von Dossierbetreuer Paul Schneeberger: «Ein Nein als Chance am Gotthard». Auf einer Seite breitet Schneeberger die konsolidierte Meinung der Redaktion aus – und irritiert damit Franz Steinegger nachhaltig: «Die NZZ will an den Hirten am Gotthard ein Exempel statuieren.» Die Argumentation sei für ihn unverständlich, rein intellektuell. «Der Herr Schneeberger bringt schon seit Jahren seine Vorbehalte gegen die zweite Gotthardröhre an. Allerdings scheinen mir diese weit entfernt von der konkreten Problematik.»

«Ein Nein als Chance am Gotthard»: Der Leitartikel der NZZ zur 2. Röhre in der heutigen Ausgabe.

Steinegger hält die gesamte Gotthard-Berichterstattung der NZZ für «ideologisch» und nur wenig angemessen. «Es wäre schön, würde sich die NZZ mit einem ähnlichen Elan auch mit den anderen Abstimmungsvorlagen von Ende Februar befassen.» Autor Paul Schneeberger hält wenig von Steineggers Irritationen. «Wir bemühen uns um ein Gleichgewicht in der Berichterstattung.» Auch dass die bürgerliche NZZ eine bürgerliche Vorlage ablehne, hält Schneeberger für ein schwaches Argument. «Uns geht es darum, die knappen finanziellen Mittel bei der Infrastruktur möglichst effizient einzusetzen. Das ist durchaus eine bürgerliche Haltung.»

Der kritische Leser

Schneeberger und Steinegger – sie werden in diesem Leben nicht mehr zusammenkommen. Vor zwei Jahren erst, da wurde Steinegger von Inlandchef René Zeller noch in blumigen Worten verabschiedet. Der trittsichere Bergler, «fit wie ein Turnschuh», nur die stotzigsten Routen seien ihm stotzig genug etc. Ob er denn versucht habe, seine Position als NZZ-Verwaltungsrat zu seinen eigenen Gunsten zu instrumentalisieren, wird er da gefragt. «Das würde nichts nützen», habe der mit «vielen Wassern gewaschene Parteipolitiker lakonisch» geantwortet. «Bereits in meiner Zeit als FDP-Präsident haben die NZZ-Journalisten nicht zwingend das Gespräch mit mir gesucht und diejenigen Fragen gestellt, die für mich nützlich gewesen wären.»

Und weiter: «Es ist damit zu rechnen, dass Steinegger die Geschehnisse weiterhin im Blick haben wird. Als unser kritischer Leser.»

Das tut Steinegger. Gerade heute. Natürlich sei die Gotthard-Berichterstattung seiner ehemaligen Zeitung «schädlich». Aber sie spiele auch keine allzu grosse Rolle. «Macht dir die Zeitung Kummer, morgen kommt die nächste Nummer!» (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 02.02.2016, 14:28 Uhr

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