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Wie viele Millionen Schwarzgeld hortet Uli Hoeness in der Schweiz?

Das Scheitern des Steuerabkommens fordert ein erstes prominentes Opfer: Bayern Münchens Präsident Uli Hoeness soll viele Millionen Euro in der Schweiz angelegt und teilweise nicht versteuert haben.

Hat sich selber angezeigt: Uli Hoeness.
Hat sich selber angezeigt: Uli Hoeness.

Wegen eines Kontos in der Schweiz hat Uli Hoeness sich selbst angezeigt. Die Staatsanwaltschaft München ermittle wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung gegen den Präsidenten des FC Bayern, berichtete das Magazin «Focus» am Samstag. Hoeness sagte dem «Focus», er habe im Januar über seinen Steuerberater beim Finanzamt eine Selbstanzeige eingereicht. Diese hänge «mit einem Konto von mir in der Schweiz» zusammen.

Die steuerlichen Folgen würden derzeit von den Behörden geprüft. Ursprünglich habe er die Angelegenheit über das geplante deutsch-schweizerische Steuerabkommen regeln wollen, doch sei dieses «bekanntlich Mitte Dezember 2012 nicht zu Stande gekommen». Angaben über die Höhe der fraglichen Summe wollte Hoeness laut «Focus» nicht machen. Auch die Staatsanwaltschaft wollte laut «Focus» keine näheren Angaben zur Summe machen.

Es soll sich aber um ein «unvorstellbares Vermögen» in Höhe von mehreren hundert Millionen Euro handeln. Das ergaben Recherchen der «Münchner Abendzeitung». Im Zuge der Selbtsanzeige habe er bereits eine Abschlagszahlung von sechs Millionen Euro an das Finanzamt geleistet haben, berichtet «Bild am Sonntag». Die Zeitung geht deshalb von nicht versteuerten zehn Millionen Euro aus. Bislang bestätigten aber weder Hoeness noch die Staatsanwaltschaft die fraglichen Summen.

FC Bayern und HoWe Wurstwaren

Die Staatsanwaltschaft München II habe auf Grundlage der Selbstanzeige ein Ermittlungsverfahren eingeleitet, sagte der Münchner Oberstaatsanwalt Ken Heidenreich dem Magazin. Die Selbstanzeige werde nun auf Wirksamkeit und Vollständigkeit geprüft.

Hoeness ist nicht nur Vereinspräsident des FC Bayern, sondern auch Gründer des Unternehmens HoWe Wurstwaren, das Discounter in verschiedenen europäischen Ländern und den USA mit Rostbratwürstchen beliefert: In Deutschland ist Aldi Süd der grösste Abnehmer.

SPD fühlt sich bestätigt

Die SPD reagierte mit Genugtuung auf die Selbstanzeige des Vereinspräsidenten. Hoeness habe «darauf gehofft, dass seine Steuerhinterziehung durch das von der schwarz-gelben Bundesregierung geplante deutsch-schweizerische Steuerabkommen legalisiert worden wäre und er dabei anonym hätte bleiben können», erklärte der stellvertretende Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion, Joachim Poss, in Berlin.

Diesen Plan, «den viele Steuerhinterzieher hatten», habe die SPD durch ihre Ablehnung des Abkommens im Bundesrat vereitelt, fügte Poss hinzu. Der Fall Hoeness zeige, dass die Strategie der SPD richtig gewesen sei. «Er wird nicht der einzige bleiben, dessen Hoffnungen auf das Abkommen der schwarz-gelben Bundesregierung nun zerplatzen», erklärte Poss.

Der haushaltspolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Carsten Schneider, sagte der «Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung», künftig müssten alle Möglichkeiten ausgeschöpft werden, um Steuerhinterziehung zu bekämpfen. Der Vorsitzende der SPD-Fraktion im Bayerischen Landtag, Markus Rinderspacher, sagte der «FAS», die Bundesregierung habe deutsche Steuerbetrüger regelrecht ermutigt, «beim Schweizer Steuerabkommen auf Persilschein mit Kuschelaroma zu bauen».

Der Münchner Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) zog in der «Welt am Sonntag» eine Verbindung zwischen dem Fall Hoeness und der Steuerpolitik der CSU. Er verstehe seit Jahren nicht, «warum die CSU so viele Sympathien für Steuerhinterzieher hegt, obwohl sie sonst so für Law and Order auftritt». Das Hoeness «so heftige Sympathien für die CSU» hege, «findet in den kommenden Wochen vielleicht eine zusätzliche Erklärung».

Das von der Bundesregierung mit der Schweiz ausgehandelte Steuerabkommen war nach monatelangem Ringen zwischen Koalition und Opposition gescheitert. SPD und Grüne hatten es wegen zu vieler Schlupflöcher für Steuersünder im Vermittlungsausschuss von Bundestag und Bundesrat zu Fall gebracht.

Schwarzgeld wäre pauschal nachversteuert worden

Mit dem Abkommen hätten in der Schweiz angelegte Vermögen von deutschen Staatsbürgern wie in Deutschland besteuert werden sollen. Schwarzgeld wäre pauschal nachversteuert worden, anonym und zehn Jahre rückwirkend.

Mehrere Bundesländer hatten bereits vor dem Scheitern des Abkommens mit dem Kauf von Steuerdaten-CDs mit Informationen zu Schweizer Bankverbindungen Schlagzeilen gemacht. In der Folge hatten sich auch zahlreiche deutsche Steuersünder selbst angezeigt. Der jüngste Fall war der Kauf eines solchen Datensatzes im Bundesland Rheinland-Pfalz.

AFP/sda/bru/rub

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