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«Wir haben aus der Zeit der Gastarbeiter gelernt»

Angela Merkel dringt auf rasche Integration von Flüchtlingen. Der Flüchtlingsansturm über die Balkanroute lässt derweil nicht nach.

Fordert Sprachkurse, Integrationsangebote und Ausbildungskurse für Flüchtlinge: Die deutsche Bundeskanzlerin.

Bei der Integration der Flüchtlinge in Deutschland will Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) die Fehler aus früheren Zeiten vermeiden. «Wir haben aus der Zeit der Gastarbeiter Anfang der 60er Jahre gelernt», sagte Merkel in einem Video-Podcast. Damals sei es falsch gewesen davon auszugehen, dass die meisten Zugewanderten das Land wieder verlassen würden. Den Flüchtlingen mit Bleibeperspektive müsse heute eine rasche Job-Perspektive eröffnet werden – mit Sprachkursen, Integrationsangeboten, Aus- und Fortbildungskursen.

«Für einen Teil derjenigen, die zu uns kommen, wird das recht gut gehen», sagt Merkel. «Aber es wird natürlich auch einen Teil geben, der nicht so eine gute Ausbildung hat, und hier müssen wir insbesondere bei jungen Menschen schauen, dass wir sie trotzdem schnell in Arbeit bekommen.»

Die Bundeskanzlerin wies darauf hin, dass es für jeden Asylbewerber mit guten Bleibeperspektiven einen Integrationskurs von sechshundert Stunden gebe: «Das kann noch während des Asylverfahrens begonnen werden.» Die Kinder kämen sehr schnell in die Schule oder in den Kindergarten, «da gibt es inzwischen riesige Anstrengungen in den Bundesländern, mit Willkommensklassen zu arbeiten», sagte Merkel.

Tausende ziehen weiter über den Balkan in Richtung Deutschland

Der Flüchtlingsansturm über die Balkanroute lässt derweil nicht nach. In der Nacht zum Samstag schlugen sich wieder mehr als 1300 Menschen über die grüne Grenze nach Slowenien durch, wie die Polizei berichtete.

Damit seien seit dem Vortag allein über das kleine Grenzdorf Rigonce im Osten des Landes mit nur 170 Einwohnern rund 13'000 Menschen eingereist, meldete die slowenische Nachrichtenagentur STA. Knapp 4000 weitere Flüchtlinge warteten in der slowenischen Gemeinde Sentilj an der Grenze zu Österreich auf ihre Weiterreise nach Norden.

Ähnlich sah es auf der österreichischen Seite der Grenze in Spielfeld aus. 2000 Flüchtlinge übernachteten dort in einem provisorischen Zeltlager. Viele andere waren am Vortag in den grenznahen Gemeinden Leibnitz und Wildon in Notunterkünften einquartiert worden. Sie hatten zuvor die Absperrungen durchbrochen und waren zu Fuss über die Bundesstrasse nach Norden losmarschiert.

Unter den Flüchtlingen sind auch viele Frauen und Kleinkinder - oft nur notdürftig gegen Nässe und Kälte geschützt. Nachts sanken die Temperaturen auf etwa fünf Grad über dem Gefrierpunkt. Die meisten dieser Menschen sind vor dem Bürgerkrieg in Syrien geflohen. Viele wollen weiter nach Deutschland.

Der Bürgermeister von Spielfeld, Reinhold Höflechner, sagte dem österreichischen Fernsehen ORF, angesichts Tausender Flüchtlinge auf den Strassen und starkem Polizei- und Armeeaufgebot sei die Bevölkerung «äusserst beunruhigt». «Wir leben im Ausnahmezustand» und die Bürger hätten Angst «vor dieser grossen Menge an fremden Menschen».

Aufnahme in Griechenland soll verbessert werden

Morgen Sonntag findet in Brüssel ein EU-Sondertreffen zur Flüchtlingskrise statt. Ziel ist es, die Zusammenarbeit der Länder entlang der Balkanroute von Griechenland über Serbien, Kroatien, Slowenien bis nach Österreich und Deutschland zu verbessern. Das Krisentreffen der Staats- und Regierungschefs von neun EU-Ländern und Serbiens hatte EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker kurzfristig einberufen.

Deutschlands Kanzlerin Angela Merkel will beim Treffen laut einem Medienbericht auf eine verbesserte Erstaufnahme von Flüchtlingen in Ankunftsländern wie Griechenland drängen. Merkel wolle eine deutliche Verbesserung der Arbeit der sogenannten Hotspots erreichen, meldete das Nachrichtenmagazin «Der Spiegel». Ihr gehe es darum, dass die Verteilung von Flüchtlingen innerhalb der EU direkt aus diesen Erstaufnahmezentren erfolgen solle.

Die EU-Kommission plant laut «Spiegel» zudem, die Erstaufnahme der Flüchtlinge von den überforderten Kommunen der griechischen Inseln Lesbos und Kos auf das Festland zu verlagern. Auf dem ehemaligen Olympiagelände bei Athen könnte ein Lager für 40'000 bis 50'000 Menschen entstehen, das von der EU-Grenzschutzbehörde Frontex und dem UNO-Flüchtlingswerk UNHCR geleitet würde, berichtet das Magazin in seiner neuen Ausgabe.

AFP

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