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«Wir opfern einige der schönsten Landschaften»

Der frühere oberste Umweltbeamte der Schweiz lehnt das Energiegesetz ab. Dieses räume dem Bau von Windkraftwerken Vorrang vor dem Naturschutz ein.

Sind seit 2016 in Betrieb: Windräder beim Griessee am Nufenenpass. (23. September 2016)
Sind seit 2016 in Betrieb: Windräder beim Griessee am Nufenenpass. (23. September 2016)
Olivier Maire, Keystone

Herr Roch, Sie sagen als Naturschützer Nein zum Energiegesetz. Wieso?

Ich habe die Energiestrategie zu Beginn als sehr positiv beurteilt und Bundesrätin Leuthard dafür bewundert, dass sie eine langfristige Strategie entworfen hat. Als ich den Gesetzesentwurf aber studierte, habe ich gemerkt, dass einige Bestimmungen eine schädliche Wirkung auf die Natur haben könnten. Dies habe ich der CVP auch mitgeteilt, doch hat das Parlament daran leider nichts mehr geändert. Wenn diese Bestimmungen nicht im Gesetz stünden, wäre ich dafür.

An welchen Bestimmungen stören Sie sich?

Den Ausschlag gaben die Artikel 12 und 13 im Energiegesetz. Diese räumen dem Interesse an Anlagen zur Nutzung erneuerbarer Energie neu dasselbe Gewicht wie dem Interesse am Naturschutz ein. Zudem werden Bewilligungen für neue Anlagen nicht mehr vor dem Bundesgericht angefochten werden können. Angesichts der verfügbaren finanziellen Mittel und des grossen politischen Willens zum Bau von Windkraftwerken wird dies dazu führen, dass diesen Vorrang vor der Natur eingeräumt wird. Wir opfern einige der schönsten Landschaften, wenn wir das Energiegesetz annehmen. So bestehen bereits Projekte im Vallée de Joux, in den Freibergen und an vielen weiteren Orten.

Sie kritisieren insbesondere den Bau von Windkraftwerken. Wieso?

Windräder prägen eine Landschaft sehr stark. Angesichts des geringen Nutzens von Windkraftwerken lohnt sich dies aber nicht. Die Solarenergie soll gemäss der Energiestrategie 11'000 Gigawattstunden an die Stromversorgung beisteuern, die Windenergie nur 4000. Mit noch mehr Solaranlagen wäre es einfach, den Anteil der Windenergie zu ersetzen. Hinzu kommt, dass Windkraftwerke stets weniger Strom produzieren als vorgesehen.

Welche Teile der Energiestrategie begrüssen Sie?

Die Ziele sind viel zu optimistisch, und das Gesetz ist zu kompliziert. Doch die Richtung stimmt. Es ist gut, dass die Politik sich dazu bekannt hat.

Wie sollte es nach einem Nein weitergehen?

Man könnte das Gesetz ohne die für den Naturschutz verheerenden Artikel genauso gut verabschieden. Das Potenzial der Fotovoltaik auf Dächern ist enorm.

Ist es nicht unrealistisch, dass das Parlament nach einem Nein eine Neuauflage der jetzigen Vorlage mit nur geringen Änderungen beschliesst? Das Parlament ist derzeit eher unvorhersehbar. Hier liegt es in der Verantwortung der Wähler, die richtigen Personen zu wählen.

Verstehen Sie es, dass die Mehrheit der Umweltschutzorganisationen das Energiegesetz befürwortet?

Ich verstehe es bei Umweltschutzorganisationen, aber nicht bei Naturschutzorganisationen. Die Energiefrage hat einige der Organisationen, die sich eigentlich mehr als Naturschützer verstehen, in Beschlag genommen. Sie vernachlässigen nun die Natur. Das ist schlimm, denn die Natur hat keine anderen Anwälte. Deshalb bin ich froh, dass sich einige Naturschutzorganisationen gegen die Vorlage engagieren.

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